Stand: 11.01.2016 10:53 Uhr

"Blackstar": Bowies wohl extremste Platte

Blackstar
von David  Bowie
Vorgestellt von Ralf Summer

Das letzte Album des Ausnahmemusikers David Bowie ist am 8. Januar, zwei Tage vor seinem Tod, erschienen. Die Platte "Blackstar" ist ein abenteuerlicher Hybrid aus wuchtigem Rock und modernem Jazz. Insgesamt sind sieben Songs auf seinem 25. Studioalbum zu hören.

Bild vergrößern
Das Album "Blackstar" erschien an David Bowies 69. Geburtstag, dem 8. Januar - und damit zwei Tage vor seinem Tod.

Er macht es uns nicht leicht: Mit einem knapp zehnminütigen Avantgarde-Monster beginnt David Bowie. "Blackstar" ist der Titelsong seiner letzten Platte und war ursprünglich noch länger. Als Bowie das Stück bei iTunes als Single anbieten wollte, hörte er jedoch von der Regelung, dass eine Single bei Apple nur zehn Minuten lang sein darf. Er ließ "Blackstar" auf 9:58 Minuten kürzen. Nach der Hälfte fällt der Song auseinander. Aus dem avantgardistischen Intro mit Saxofon schält sich ein verschrobener Popsong heraus. Das Video zu "Blackstar" wurde von einem "Breaking Bad"-Regisseur gedreht und das Stück taucht in der neuen Fernsehserie "The Last Panthers" auf. Der apokalyptische Clip zeigt einen toten Astronauten - und die Figuren drumherum tanzen wie unter Schüttelfrost.

Von Poeten und Rock 'n' Roll

Das Lied "'Tis A Pity She Was A Whore" war schon auf Bowies Compilation "Nothing Has Changed". Es bezieht sich auf ein englisches Theaterstück aus dem 17. Jahrhundert, in dem ein Bruder seine Schwester nach einem Kuss ersticht. Bowie postete zu dem Stück: "Wenn Poeten zurzeit des Ersten Weltkrieges schon Rock 'n'Roll gemacht hätten, dann hätte er so klingen müssen."

Höhepunkt ist "Lazarus"

Mit Theater hängt auch Lied drei zusammen. "Lazarus" ist Höhepunkt der Platte. Er singt, dass er unsichtbare Wunden hat und im Himmel ist. Die neue Single "Lazarus" kommt aus Bowies Musical gleichen Namens. Für "Lazarus" hat Bowie nicht nur die Musik geschrieben, sondern auch die Schauspieler für die Off-Broadway-Produktion gecastet. Lied Nummer 4 Sue (Or In A Season Of Crime) gibt es schon seit 2014. Auch hier wieder: Bowie als Jazz-Musiker. Er hatte das Sextett des Modern-Jazz-Saxofonisten Donny McCaslin live erlebt und danach ins Studio eingeladen. Tony Visconti, sein langjähriger Produzent, der dem "Rolling Stone" ein Interview zu "Blackstar" gab, meinte: "Bowie sagte zu ihnen nur: 'Spielt Jazz, improvisiert!'"

Neu sind nur die letzten drei Songs

Weitere Informationen

Trauer um britische Musiklegende David Bowie

Popstar David Bowie ist im Alter von 69 Jahren gestorben. Er erlag im Kreise seiner Familie seinem Krebsleiden. Sein letztes großes Konzert spielte er 2004 in Scheeßel. mehr

Die letzten drei Stücke sind richtig neu. Und "Girl Loves Me" ist richtig Jazz, beziehungsweise Progressive Rock, beziehungsweise Avantgarde. Da muss der Bowie-Pop-Fan die Ohren ganz schön anlegen. Kein mildes Alterswerk, sondern ausgeklügelt bis zum zartesten Saxofon-Tupfer. "Blackstar" bewegt sich bald mehr im E- als im U-Musik-Universum. "Dollar Days" und "I Can't Give Everything Away" kommen beinahe poppig, episch-versöhnlich daher. Nach gut 40 Minuten lautet das Resümee: Bowies Abschiedsgeschenk ist wohl Bowies extremste, weil pop-fernste Platte überhaupt. So weit draußen war der Star-Man noch nie.

Blackstar

Genre:
Artrock
Label:
Sony
Veröffentlichungsdatum:
8. Januar 2016
NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/musik/jazz/David-Bowie-Blackstar,blackstar100.html