Stand: 08.08.2016 19:40 Uhr

Eine Stimme wie eine soulige Liebesnacht

von Maryam Bonakdar
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Michael Kiwanuka bekennt sich im Interview zur Schallplatte: "Vinyl ist toll."

Er redet lieber weniger, als zu viel:  Michael Kiwanuka. Er ist ein herausragender Musiker, Songschreiber, Gitarrist und Sänger. Am 10. August tritt Kiwanuka beim A Summer's Tale in Luhmühlen auf. Doch was sind eigentlich seine musikalischen Vorbilder? Michael Kiwanuka liebt zum Beispiel die Musik von Billy Wright. Er könnte stundenlang nach Platten von ihm suchen. Viele in seinem Alter hören Elektro oder Rock - bei ihm ist es Soul. "Vinyl ist toll. Ich habe nicht mal einen CD-Player, verrät Kiwanuka im Interview mit dem Kulturjournal. "Ich höre nur MP3s und Schallplatten."

Kiwanuka muss sich aber nicht hinter seinen Idolen verstecken. Er selbst hat für sein Alter eine ungewöhnliche Stimme, die nach souligen Liebesnächten und rauchigen Nachtclubs klingt. "Manchmal spiele ich einfach ein paar Akkorde", sagt der 29-Jährige. "Und wenn ich dann mit dem ersten zufrieden bin, fange ich an, dazu zu singen. Und manchmal kommt dabei was heraus, das gut klingt."

"Love And Hate" im Soul-Rhythmus

So spielerisch ist auch sein neues Album entstanden: Es heißt "Love And Hate" und ist am 15. Juli veröffentlicht worden. "Ich mag einfach das Gefühl bei Soul. Er klingt immer einzigartig. Ich bekomme dadurch eine andere Energie. Soul hat irgendwie eine ganz andere Aussagekraft", schwärmt der Soul-Shooting-Star aus dem Jahr 2012. "Jedes Wort scheint etwas zu bedeuten. Alles klingt besonders. Keine Ahnung warum, aber die Musik ist viel gefühlvoller. Und das mag ich. Darum habe ich mich dem Soul verschrieben."

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Mit seiner Soul-Musik sucht Kiwanuka vor allem nach Halt und Sinn im Leben.

Kiwanukas Eltern flohen aus Uganda nach London. Dort wuchs er in einem wohlsituierten weißen Viertel auf. Sein ständiger Begleiter: die Musik. Einmal fragte ihn ein Weißer,  warum er als Schwarzer ausgerechnet Gitarre spielen würde. Aus Erfahrungen wie diesen wurde das Lied "Black Man In A White World" - Schwarzer in einer weißen Welt.

Es geht darum, dazuzugehören

Man könnte das Video als Anspielung auf rassistische Übergriffe US-amerikanischer Polizisten auf Schwarze verstehen. Es geht Michael Kiwanuka aber weniger um Politisches. Sondern schlicht darum, dazuzugehören. "Ich bin eigentlich kaum diskriminiert worden. Aber als Kind schaut man instinktiv danach, was so ist wie du selbst", sagt Kiwanuka, "Und vieles davon unterschied sich sehr von mir. Es gab nicht viele, die Eltern hatten, die aus einem anderen Land kommen. Es gab nicht viele, die so einen Nachnamen hatten wie ich. Das hat mich und mein Bild von mir beeinflusst. Und ich fühlte mich gleichzeitig auch nicht sonderlich mit Schwarzen verbunden, weil ich andere Sachen mochte."

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Wer möchte, kann Kiwanuka am 10. August beim "A Summer's Tale" in Luhmühlen live auf der Bühne erleben.

Man merkt dem Album von Michael Kiwanuka an: Er sucht nach Halt, nach einem Sinn. Das bekräftigt er auch noch mal in seinem Interview mit dem Kulturjournal: "Glaube ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Das ist einfach die einzige Konstante. Alles verändert sich, nur mein Glaube besteht die ganze Zeit. Ich meine, heute mögen Menschen meine Musik, vielleicht tun sie das in fünf Jahren nicht mehr. Jetzt bin ich jung und habe viele Haare, vielleicht habe ich in zehn Jahren eine Glatze. Alles, was so bleibt, wie es ist, ist mein Glaube an Gott. Für mich ist das Einzige, was sich nicht verändert."

Das neue Album von Michael Kiwanuka ist vielleicht eines der besten dieses Jahres. In diese Baritonstimme kann man sich wunderbar hineinkuscheln - auch wenn noch Sommer ist.

Weitere Informationen

Album der Woche: "Love & Hate"

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Michael Kiwanuka, der Shootingstar des Soul, gibt dem Publikum im Jungen Theater Göttingen ein neues Zuhause: Seine Songs, die klingen, als ob sie schon immer da gewesen wären. mehr

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 08.08.2016 | 22:45 Uhr

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