Stand: 18.02.2016 09:19 Uhr

Viel Lärm um nichts? Premiere für Haarmann-Musical

Über kaum einen Kriminellen wird in der niedersächsischen Landeshauptstadt in den letzten Jahrzehnten kontroverser diskutiert als über Fritz Haarmann. In die Stadtgeschichte ist der gebürtige Hannoveraner als größter Massenmörder eingegangen. Nun feierte am Mittwoch ein Musical am Staatstheater Hannover Premiere, in dem es um eben jenen Serienmörder gehen soll. In der Stadt wird nun gestritten, ob man ein Stück über diesen Täter auf die Bühne bringen darf - freilich ohne dass bisher das Publikum die Inszenierung "Amerikanisches Detektivbüro Lasso" von Nis-Momme Stockmann gesehen hat.

Haarmann-Musical: Vor Premiere entbrennt Debatte

Unterschiedliche Reaktionen nach öffentlicher Probe

Nach der öffentlichen Probe am Montagabend waren die Reaktionen des Publikums unterschiedlich. Sie reichten von "überfrachtet" bis "ausgezeichnet". Es scheint, dass Haarmann, der in dem Stück übrigens nur am Rande eine Rolle spielt, die Hannoveraner auch in Zukunft nicht kalt lassen wird. Intendant Lars-Ole Walburg, der bei dem Stück Regie geführt hat, kann die Aufregung nicht verstehen. Diejenigen, die etwas anderes erwartet haben, dürften besänftigt sein. In dem im Vorfeld skeptisch erwarteten Stück geht es gänzlich unblutig zu. "Eigentlich sind es doch ganz andere Themen die ins Theater gehören, so die Erkenntnis der Hauptfigur, und nicht jene alten Schauergeschichten." Genauso sei es während des Schreibens auch dem realen Autor des echten Stücks Nis-Momme Stockmann gegangen, sagt Walburg. Gegenüber der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ) vertritt Christoph Veltrup dagegen eine andere Position. Er ist Nachfahre eines Haarmann-Opfers. "Es ist perfide, dass Haarmann zum Kunstobjekt stilisiert werden soll", urteilt Veltrup.

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Geschichte des Serienmörders Haarmann bleibt Thema

Nach seiner Hinrichtung 1925 bleibt Serienmörder Fritz Haarmann im Bewusstsein der Hannoveraner präsent. Seine Darstellung auf Kalendern oder Fahnen sorgt immer wieder für Streit. Bildergalerie

Wegen 24-fachen Mordes hingerichtet

Haarmann soll in der Zeit nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bis Mitte der 1920er-Jahre 24 Jungen und junge Männer ermordet haben. Im April 1925 wurde Haarmann im hannoverschen Gefängnis mit dem Fallbeil hingerichtet. Doch auch danach bleibt der Serienmörder dauerhaft in der Erinnerung der Hannoveraner.

Fall Haarmann: Folklore oder Tabu?

Bereits kurz nach der Exekution entsteht ein Lied über Haarmann. Später sorgt ein Kunstobjekt für Diskussionen. In den vergangenen Jahren wird in Hannover leidenschaftlich darüber gestritten, ob Haarmann auf Adventskalendern dargestellt werden darf. Zuletzt sorgte eine Fahne mit Haarmanns Konterfei, die mehrere Jahre von 96-Fans im Stadion geschwenkt wurde, für hitzige Diskussionen in Hannover. Nun sorgt das Bühnenstück für Diskussionen. Die Ansichten sind auch hier gespalten. Während die einen Haarmann als eine hannoversche Jack-the-Ripper-Version und damit als Stadtfolklore einordnen, ist für die anderen Fritz Haarmann schlicht ein Tabu-Thema.

Ein Darsteller steht in Anlehnung an den Serienmörder Fritz Haarmann mit weiteren Mitwirkenden bei einer Probevorführung zum Musical "Amerikanisches Detektivinstitut Lasso" auf der Bühne im Schauspielhaus in Hannover. © dpa-Bildfunk Fotograf: Julian Stratenschulte

Haarmann: Wirbel um Massenmörder-Musical

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Am Mittwoch feiert das Musical "Amerikanisches Detektivbüro Lasso" am Schauspielhaus Hannover Premiere. Doch schon jetzt ist ein Streit um das Stück entbrannt.

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Hallo Niedersachsen | 16.02.2016 | 19:30 Uhr