Stand: 20.10.2017 19:00 Uhr

"Fidelio" spürt den Umbrüchen der Zeit nach

von Susann Moll

Unerschütterliche Treue, die haben die alten Römer als Fideles bezeichnet. Genau darum gehts auch in Ludwig van Beethovens einziger Oper "Fidelio". Ein Stück, das von der Willkür der Mächtigen, aber auch von Befreiung und dem Sieg des Guten erzählt. Mit der Premiere startet die Theater- und Orchester-Gesellschaft Neubrandenburg/Neustrelitz an diesem Wochenende in die neue Musiktheatersaison.

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Alte Druckerplatten bilden die Kulisse der Oper "Fidelio" am Theater Neustrelitz (Plakat zur Aufführung).

Mit einem weiten grauen Mantel bekleidet und einem schwarzen Hut auf dem Kopf steht Leonore im Gefängnishof. Unter dem Decknamen "Fidelio" arbeitet sie als Gehilfe des Kerkermeisters Rocco. Die Frau will so ihren geliebten Florestan befreien, der widerrechtlich im Gefängnis festgehalten wird. Ein hoch politisches Stück, sagt Regisseur Jürgen Pöckel. Beethoven sei ein wacher und politischer Mensch gewesen, habe auf Umbrüche seiner Zeit reagiert. Das spüre man in diesem Stück nach 200 Jahren noch.

Ein Bühnenbild zum Weiterdenken

Weil es um Freiheit und um Befreiung geht, wurde die Oper "Fidelio" beispielsweise Ende der 80er-Jahre genutzt, um auf die Unterdrückung in der DDR aufmerksam zu machen. In einer Inszenierung an der Dresdner Semperoper glich die Kulisse mit Stacheldraht und Sichtbeton einem Stasi-Gefängnis. Für die Darbietung am Landestheater Neustrelitz hat sich der Regisseur aber entschlossen, den Kontext offen zu lassen. Es mache das Stück klein, wenn man sich festlege, sagt er. Er wolle Assoziationen wecken.

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In den 1870er-Jahren bauten die Wiener ihrem Ludwig van Beethoven ein Denkmal, das heute vis-à-vis zum Konzerthaus steht. Es stammt von dem bekannten Bildhauer Caspar Zumbusch.

Für das Bühnenbild wurden alte Druckerplatten abgeschliffen und zusammengesetzt. Die silbernen Wände spiegeln leicht das Licht, der Raum wirkt kalt und steril. Im Hintergrund ragt ein großes Metalltor empor. Als es sich öffnet, kommt etwa ein Dutzend Gefangene hervor.

Die Männer sind alle dunkel angezogen. Orangefarbene Markierungen an ihrer Kleidung und das Gitter am Boden in derselben Farbe erinnern ein wenig an die Anzüge der Häftlinge in Guantánamo, das US-amerikanische Gefangenenlager.

Beethoven als Stimmbildner

Jürgen Pöckel hat für die Titelpartie eine Gastsopranistin nach Neustrelitz geholt. Aurea Marston aus Basel spielt zum ersten Mal die Rolle der Leonore.

Die Oper "Fidelio" feiert Samstagabend um 19.30 Uhr Premiere am Landestheater Neustrelitz. Es gibt auch noch Karten.

"Fidelio" spürt den Umbrüchen der Zeit nach

Mit Beethovens einziger Oper "Fidelio" startet das Theater Neustrelitz in die neue Musiktheatersaison. Das Stück erzählt von der Willkür der Mächtigen, aber auch von der Befreiung der Unterdrückten.

Art:
Bühne
Datum:
Ort:
Landestheater Neustrelitz/Großes Haus
Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 14
Neustrelitz  17235
Telefon:
(039 81) 2770
Preis:
16 bis 26Euro
Kartenverkauf:
Karten im Webshop des Theaters, per Telefon unter (03981) 277 126 und an der Abendkasse (ab eine Stunde vor Vorstellungsbeginn)
Besonderheit:
Premiere am 21.10.2017
Hinweis:
Fidelio
Oper von Ludwig van Beethoven

Regie: Jürgen Pöckel
mit Ryszard Kalus, Bernd Könnes, Aurea Marston, Robert Merwald, Michael Müller-Kasztelan, Sebastian Naglatzki, Laura Scherwitzl; dem Opernchor und einem Extrachor Chor Coruso e.V., Statisterie und der Neubrandenburger Philharmonie
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 20.10.2017 | 19:00 Uhr

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