Stand: 01.03.2016 17:08 Uhr

Mahan Esfahani muss Konzert unterbrechen

Ein Konzert wird schon mal wiederholt, wenn ein Künstler ausfällt. In Köln wird aber nun ein Konzert wiederholt, weil es Unruhe im Publikum gab. Die Kölner Philharmonie hat bekannt gegeben, das am vergangenen Sonntag unterbrochene Konzert des iranischen Cembalo-Spielers Mahan Esfahani im kommenden Jahr zu wiederholen.

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Der Cembalist Mahan Esfahani (Jahrgang 1984) wurde in Teheran geboren und lebt mittlerweile in London.

Neben Barockmusik standen auf dem Programm von Mahan Esfhani und Concerto Köln auch moderne und zeitgenössische Werke von Fred Frith, Henryk Mikołaj Górecki und Steve Reich. Kontrastreich, aber nicht außergewöhnlich. Zumindest war dem Publikum bekannt, was es in diesem Abo-Konzert hören wird. Anfangs war die Stimmung gut, berichtet Jochen Schäfsmeier, Geschäftsführer von Concerto Köln. Doch dann kam das Stück von Steve Reich: "Piano Phase" in einer Version für Cembalo und Tonband, ein Werk des Minimalismus.

Die Stimmung kippte

Als Mahan Esfahani dieses Stück anspielte, kippte die Stimmung. "Man merkte sehr schnell, dass das Publikum sehr unruhig reagierte und mit der Musik eigentlich relativ wenig anfangen konnte", sagt Jochen Schäfsmeier. Das steigerte sich dann: ein kleiner Teil des Publikums klatschte und machte andere Missfallensäußerungen. "Man wollte quasi den Abbruch erzwingen", beschreibt Schäfsmeier. Der Pianist Mahan Esfahani musste schließlich unterbrechen. Er wendete sich ans Publikum in englischer Spracheund fragte: "Wovor haben Sie Angst?". Es gab Zwischenrufe, er solle Deutsch sprechen.

Schlaflose Nacht nach Konzert

Mahan Esfahani sagte später, dass ihn das Verhalten des Publikums verletzt habe: "Es hat mich nicht gestört, dass sie mich für die Musik angegriffen haben, es hat mich gestört, dass sie mich dafür angegriffen haben, dass ich Ausländer bin." Das habe er von Köln nicht erwartet. Und er habe daraufhin eine schlaflose Nacht gehabt. Esfahani setzte das Konzert mit den anderen angekündigten Stücken fort.

"Ich glaube nicht, dass es rassistische Ressentiments waren"

Diese Reaktionen seien bedenklich, sagt Jochen Schäfsmeier, weil dahinter die Aufgabe jeglicher Normen und guten Benehmens in einem Konzert stecke. Dennoch glaubt er nicht, dass sich das gegen den Cembalisten gerichtet hat. "Ich glaube nicht, dass es rassistische Ressentiments waren, weil bis zu diesem Stück war die Stimmung im Saal eigentlich positiv", sagt Jochen Schäfsmeier. Bei einem Werk von Mozart oder Bach wäre das seiner Meinung nach nicht passiert. Dieser kleine Kreis der Zuhörer, die das Konzert gestört haben, sei wohl "überfordert" gewesen.

Am Ende ging noch ein Konzertgast nach vorne, ließ sich ein Mikrofon geben und entschuldigte sich auf Englisch bei Esfahani. Das Konzert wird nun im kommenden Jahr in der Kölner Philharmonie wiederholt. Und dann wird Mahan Esfahani das Stück von Steve Reich in voller Länge aufführen.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 01.03.2016 | 17:20 Uhr

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