Stand: 11.10.2017 08:11 Uhr

Glitzern und Funkeln in der Elbphilharmonie

von Marcus Stäbler

Mehr Konzerte für Orgel und Orchester wünscht sich Iveta Apkalna, Titularorganistin an der Elbphilharmonie. Der weltweit bekannte Komponist Péter Eötvös hat ihr den Wunsch erfüllt und ein neues Orgelkonzert geschrieben. Am Dienstagabend erlebte das Stück mit dem Titel "Multiversum" in der Elbphilharmonie seine Uraufführung - mit Apkalna als Solistin und den Concertgebouw Orchester Amsterdam unter Leitung von Eötvös selbst.

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Die Organistin Iveta Apkalna wünscht sich mehr Orgelkonzerte für die Elbphilharmonie. Pèter Eötvös hat eines für sie komponiert.

Die Organistin Iveta Apkalna sitzt auf der linken Seite der Bühne am Spieltisch der Orgel, hinter sich die Streicher, die Blechbläser und die Schlagwerker des Concertgebouw Orchesters. Ein mächtiger Apparat mit einer gewaltigen Klangkraft, vom international renommierten Komponisten und Dirigenten Peter Eötvös am Pult souverän gesteuert.

Hammond-Orgel sorgt für besonderen Klangeffekt

Die Holzbläser hat Eötvös in seinem neuen Stück auf der rechten Seite der Bühne platziert. Angeführt von einem zweiten Solisten an der Hammond-Orgel als Gegenpart, wie er erklärt: "Die Hammond-Orgel hat die Funktion, den Saal mit Klang zu füllen. Damit das Publikum in einem Klangraum sitzt, also nicht nur vorne, sondern überall hört, also hinten, oben, an der Seite. Dieser Klangeffekt ergibt ein Gefühl, dass man in einem schwebenden Zustand ist, und das wollte ich erreichen."

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Iveta Apkalna ist Titualorganistin der Hamburger Elbphilharmonie.

Der schwebende Sound der Hammond-Orgel trifft auf den frontal gebündelten Klang der klassischen Orgel. Diese Begegnung zweier Welten steht im Zentrum des neuen Stücks mit dem Titel "Multiversum". Sie entfaltet vor allem in den intimen Momenten einen großen Reiz. Doch die kammermusikalischen Dialoge sind eher die Ausnahme; viele Passagen werden von einem dichten und schillernden Orchesterklang dominiert.

Kaum erkennbare Spannungsbögen

Dabei macht sich Eötvös zum Opfer seiner eigenen Meisterschaft. Er spielt so virtuos auf der Klaviatur des Orchesters, dass das Glitzern und Funkeln der Farben zum Selbstzweck wird. Hier noch ein kurzes Trompetenflattern, und da noch ein Tupfer der Harfe. Das ist alles brillant instrumentiert und fein abgemischt, hat aber kaum erkennbare Entwicklungen oder Spannungsbögen und erzählt auch keine dramatische oder emotionale Geschichte. Deshalb zieht sich die gute halbe Stunde, die das Stück dauert, ganz schön lange hin.

Klangzauber begeistert die Zuschauer

Trotzdem sind viele Hörer vom Klangzauber begeistert, der sich im großen Saal der Elbphilharmonie perfekt entfalten kann. Die Uraufführung von Peter Eötvös mit den exzellenten Solisten Iveta Apkalna und Laszlo Fassang an den Orgeln prägte den zweiten Teil des Konzerts. Vor der Pause hatte Eötvös - in dieser Saison Residenzkünstler der Elbphilharmonie - drei Werke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dirigiert.

Dabei demonstrierte er das außergewöhnliche Niveau des Concertgebouw Orchesters, das nicht umsonst als einer der besten Kangkörper der Welt gilt. In Arnold Schönbergs Begleitmusik zu einer Lichtspielszene rückten die Farben der Wiener Moderne in den Fokus, bei Igor Strawinskys "Sinfonie in drei Sätzen" von 1945 die rauen Dissonanzen als musikalischer Nachhall des Zweiten Weltkriegs.

Höhepunkt des Konzerts war jedoch die Tanzsuite von Béla Bartók - dort fesselten Peter Eötvös und das Concertgebouw Orchester mit einer Fülle an Klangnuancen, griffigen Melodien und knackigen Rhythmen.

Die Aufzeichnung des Konzerts hören Sie am 26. November 2017 ab 22 Uhr in der Sendung Soirée.

Weitere Informationen
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Iveta Apkalna: Eine Frau und ihre Orgel

11.12.2016 19:30 Uhr
Hamburg Journal

Iveta Apkalna wird Titularorganistin der Elbphilharmonie. Die Lettin hat schon viele Orgeln auf der Welt bespielt, doch ihre neue Orgel ist etwas Besonderes für sie. Video (02:32 min)

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 11.10.2017 | 10:20 Uhr

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