Stand: 18.03.2017 07:26 Uhr

Chilly Gonzales und Jarvis Cocker mit "Room 29"

von Robert Hauspurg

Schon im vergangenen Jahr haben Jarvis Cocker und Chilly Gonzales ihr Projekt "Room 29" auf Kampnagel in Hamburg aufgeführt, oder besser: ausprobiert. Damals gab es nämlich noch den Beinamen "Work in Progress". Mittlerweile ist das Stück über ein Hollywood-Hotel fertig und hat am Freitag, pünktlich zur Veröffentlichung des Albums, Premiere gefeiert.

Helmut Newton ist dort gestorben, John Belushi nach Überdosis tot aufgefunden worden, Led Zeppelin sind mit Motorrädern durch die Lobby gefahren: Das sind die berühmten Skandale um das Hollywood-Hotel "Chateau Marmont". Aber Cocker und Gonzales haben einen anderen Blick auf die Geschichte dieses Hauses gewählt. Sie lassen eines der Hotelzimmer erzählen: Zimmer 29, Room 29!

"Room 29": Geschichten von Glamour und Einsamkeit

"So ein Hotelzimmer ist wie ein Spiegel", sagt Gonzales. "Wenn du gut drauf bist, dann fragst du dich: Was wird hier passieren? Welche Fantasien kann ich hier ausleben? Und wenn du schlecht drauf bist, dann kann dich so ein Zimmer richtig runterziehen. Jarvis bringt das sehr gut auf den Punkt, wenn er gleich am Anfang singt: 'Zimmer 29 ist der Ort, an dem ich mich mit mir selbst auseinandersetzen muss.'"

Zwischen Glamour und Einsamkeit

Hollywood - Glamour auf der einen Seite, Einsamkeit auf der anderen. Dieser Kontrast bestimmt die Geschichten aus Room 29. Geschichten aus dem alten Hollywood. Wie zum Beispiel die vom Filmproduzenten Paul Bern, der seine Hochzeitsnacht mit Jean Harlow, der Marilyn Monroe der 1930er-Jahre, im Marmont verbracht hat. "Er ist nicht damit klar gekommen, jetzt mit der 'sexiest Woman' zusammen zu sein und er hatte eine sehr enttäuschende Hochzeitsnacht", sagt Gonzales. Wenige Monate später erschoss sich Bern.

Publikum wird mit in die Suite genommen

In diesem Programm nehmen Chilly Gonzales und Jarvis Cocker ihr Publikum direkt mit ins Hotel. In die exquisite Suite "Room 29". Die einzige im ganzen Hotel, die mit einem Flügel ausgestattet ist. Und wenn da schon mal ein Chilly Gonzales sitzt, kann man das ja ausnutzen und ein paar Lieder zum besten geben.

Jarvis Cocker führt durch die Show. Er ist eine hinreißende Mischung, aus Clown - mal albern, mal melancholisch, Conferencier und natürlich auch Pop-Sänger-Rampensau, in die er sich ab und an verwandelt. Die Bühne ist das Hotelzimmer: das Bett auf der rechten Seite, der Flügel links, ein kleiner Tisch, ein Stuhl. Und so beginnen die beiden mit ihrem intimen Liederabend. Oder wie Chilly Gonzales sagt: "Liederzyklus".

Mehr als nur Theater

Aber etwas mehr Theater als Konzert ist das dann schon! Ein detailverliebtes Zusammenspiel aus Videoprojektionen, die Jarvis Cocker im Original-Hotel gedreht hat, und Bühnenstück. Oft kann man sich nicht entscheiden: Ist der projizierte Jarvis auf der Leinwand am wichtigsten? Jarvis im Bett auf der Bühne? Chilly Gonzales im Bademantel am Flügel? Der Portier, der gerade ein nächstes Puzzlestück dieser wehmütigen Zeitreise ins Zimmer bringt? Oder ist es das Hamburger Kaiserquartett, das der Zimmerservice problemlos herbeigeschafft hat?

Da ist viel los auf Bühne und Leinwand, ohne dass auch nur die geringste Hektik entsteht. Eine Mischung aus Konzert-, Kino- und Theaterabend, von Jarvis Cocker und Chilly Gonzales cool und präzise inszeniert. Ein entspannter Abend, wie man ihn sonst nur im intimen Rahmen erleben kann. Umso erstaunlicher, dass diese Atmosphäre auch im ausverkauften großen Saal auf Kampnagel entstanden ist!

Weitere Informationen

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Der britische Pop-Sänger Jarvis Cocker und der kanadische Pianist Chilly Gonzales probieren sich an einem Liederzyklus in der romantischen Tradition aus. "Room 29" heißt ihr neuestes Projekt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 18.03.2017 | 07:20 Uhr

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