Stand: 21.03.2016 19:00 Uhr

Die Astra Stube - Relikt aus vergangenen Zeiten

von Sven Barske

Astra Stube, das klingt nach nikotingelben Vorhängen und fest mit dem Tresen verwachsenen Stammgästen. Tatsächlich bietet die kleine Kneipe im Schanzenviertel aber ein anspruchsvolles Konzertprogramm, das sie sogar international bekannt gemacht hat. Mit ihren niedrigen Eintrittspreisen ist das nicht zu finanzieren, also hat sich die Astra Stube ein besonderes Finanzierungskonzept ausgedacht.

Kneipenflair im Abo

Morbider Charme unter der Sternbrücke

Der Eingang ist mit Aufklebern und Graffiti übersät, die schmucklosen Wände drinnen schwarz getüncht. An manchen Abenden muss man keinen Eintritt bezahlen; wer am Tresen einen Drink holt, schmeißt dann einen Euro für die Musik in ein Glas. Im Regal hinter der Bar steht nur eine Handvoll einsamer Flaschen, als Sitzgelegenheiten gibt es bloß ein paar alte Bierkisten. Hierher kommt man zum Feiern, zum Tanzen und Konzerte erleben. Und um den morbiden Charme dieser Kneipe zu genießen. Wer die Astra Stube unter der 2,80 Meter hohen Sternbrücke betritt, sieht gleich: Hier trifft sich Hamburgs Underground.

Was das heruntergekommene Äußere nicht vermuten lässt: Ihr anspruchsvolles Musikprogramm macht die kleine Bar zu einem kulturellen Schwergewicht in Hamburg. Für nur ein paar Euro kann man auf ihrer winzigen Bühne Bands erleben, die sonst selten in der Stadt zu hören sind. Das hat sich auch unter Musikern herumgesprochen. Künstler aus ganz Europa und sogar aus Amerika fragen an, ob sie hier auftreten können. Die Astra-Stübler kommen kaum nach mit dem Abhören der eingesandten Demo-Stücke.

"Diese Konzertkultur wollen wir unterstützen"

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"Abgeranzt, stickig, nette Leute, und die Sternbrücke tropft" - Besucher schätzen den morbiden Charme der Astra-Stube.

Dabei betreiben sie den Laden ehrenamtlich, als Mitglieder des Vereins Astra Stube e.V. Lisa Röske etwa will der immer teurer werdenden Klubkultur etwas entgegensetzen: "Ich finde es wichtig, dass man einfach als kleine Band auf Tour gehen kann und einen Ort in Hamburg hat, wo man spielen kann, ohne dass übertrieben viel dahintersteckt. Diese Konzertkultur wollen wir unterstützen." Ihr Kollege Lion Isele bestätigt: "Das ist musikalisch oft besser als alles, was man in größerem Rahmen sieht oder mitbekommt."

Für fünf Euro im Monat ein Gratis-Konzert

Damit gehört die Astra Stube zu einer aussterbenden Spezies. Seit den Zeiten der Beatles gab es solche Orte in Hamburg, doch nun verschwinden sie allmählich. Die Mieten sind oft kräftig gestiegen, und das Publikum hat keine Lust, viel Geld zu zahlen für Bands, die es nicht kennt.

"Ein Konzert zu veranstalten bedeutet hohe Kosten", erklärt Röske. "Die Bands kommen an, die wollen was zu essen, die brauchen einen Schlafplatz, und wenn das kleine Bands sind und wenig Publikum, rechnet sich das einfach nicht." Deshalb hat die Astra Stube eine Art Kneipen-Abo eingeführt: Man zahlt fünf Euro im Monat und kann sich dafür ein Konzert im Monat kostenlos ansehen. 70 solcher Fördermitgliedschaften gibt es bereits, und die Astra-Stübler hoffen auf noch mehr. "So haben wir Planungssicherheit", sagt Isele, "und können den Leuten auch was dafür anbieten. Wir sagen ja nicht 'Schenkt uns euer Geld!', sondern es gibt auch was zurück, das ist uns auch wichtig."

In zwei Jahren wird die Sternbrücke abgerissen

Die Idee scheint zu funktionieren. Und so gibt es weiter Konzerte in der buckligen kleinen Astra Stube. In zwei Jahren allerdings wird die historische Sternbrücke abgerissen und durch eine moderne ersetzt - ohne Kneipen und Musikklubs, ohne Astra Stube.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 21.03.2016 | 19:00 Uhr