Stand: 20.02.2017 13:10 Uhr

Auf Symboljagd im Lübecker Dom

von Astrid Wulf

Tiere, Pflanzen, Ornamente, geheimnisvolle Schriften und Zeichen - im Lübecker Dom gibt es insgesamt etwa 600 Symbole. Domexperte Gustav Querfurth hat sich mit detektivischer Arbeit daran gemacht, all diese Zeichen zu katalogisieren und zu interpretieren. Ergebnis dieser Detektivarbeit ist ein Lexikon geworden. Ein Treffen mit dem symbolverrückten Autoren.

"Der Tod schlägt die vollen Stunden. Er bewegt den Kopf von links nach rechts. Das heißt: Der Tod übersieht niemanden", erklärt Domexperte Gustav Querfurth. Allein die Kopfbewegung des Skeletts in der großen Lettneruhr ist ein Symbol. Der Lübecker Dom ist voll von ihnen - eine wahre Schatztruhe, sagt Lexikon-Autor Gustav Querfurth. Darunter sind natürlich viele Gottesdarstellungen. Auch Maria, Jesus, Bischöfe und Pastoren sind verewigt. Es gibt aber auch viele Symbole und Zeichen, die man nicht unbedingt in einer Kirche erwarten würde. Ein Einhorn in einem Marienaltar zum Beispiel - oder die Swastika, die ursprüngliche Form des Hakenkreuzes. Die findet man auf der Grabplatte eines Lübecker Bischofs aus dem 14. Jahrhundert.

Rundgang: Christliche Symbole im Lübecker Dom

Zeitreise mit zum Teil jahrtausendealten Symbolen

Gustav Querfurth ist seit rund 30 Jahren ehrenamtlicher Hilfsküster im Lübecker Dom und führt dort Besucher herum. Er hat sich gefragt, warum der Lübecker Dom ein Ort ist, an dem er sich besonders geborgen fühlt. Irgendwann vermutete er: Es muss an den vielen Figuren, Bildern und Symbolen liegen, die ihn dort umgeben. Von da an ließen sie ihn nicht mehr los. Er machte sich auf die Suche und kam während seiner jahrelangen Recherche auf rund 600 Symbole.

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Die Swastikas auf dem Grabmal des Bischofs Bochholt aus dem 14. Jahrhundert sind ein Glückssymbol.

Er fotografierte, katalogisierte und machte sich auf die Suche nach ihren tieferen Bedeutungen: "Die Swastika ist ja ein Glückssymbol, das in allen Kulturen dieser Welt vorkommt. Die Nazis haben es umgedreht, von daher ist es sehr in Verruf geraten", erzählt der Küster und fährt fort: "Das Finden war manchmal schwierig. Aber dahinterzukommen, was sie bedeuten, habe ich als Zeitreise empfunden. Denn man geht ganz tief in die Geschichte hinein, bis Jahrtausende vor Christus. So alt sind Symbole."

Rätsel gelöst

Für ihre Deutung tat sich der Autor mit anderen Experten wie dem damaligen Dompastor Wolfgang Grusnick zusammen. An einigen Stellen blieben die Symbole im Dom allerdings einfach nur rätselhaft: "Zwei Figuren auf dem Schalldeckel, der Glaube und die Gerechtigkeit, die beide ihren Bauchnabel zeigen. Das konnte ich zuerst überhaupt nicht einordnen, bis ich dann herausfand, dass das schlicht und einfach bedeutet, ohne Sünde zu sein", erzählt Querfurth.

Das Lexikon

Das Buch "Lexikon der Symbole im Lübecker Dom" mit 148 Seiten und 543 Fotos kostet 66 Euro. Es ist hier erhältlich beim Autor.

Während seiner Führungen stößt Querfurth die Dombesucher auf Dinge, die ihnen wahrscheinlich nie aufgefallen wären. Der Mohn auf Gedenktafeln zum Beispiel, ein Zeichen für den nahenden Tod. Oder die zehn Engel an der Predigtkanzel, die für die zehn Gebote stehen. Unter den Besuchern sind Harro Löble und Christa Mirow. Letztere sagt: "Ich habe den Dom nun seit 60 Jahren regelmäßig besucht, lerne aber jedes Mal etwas Neues dazu."

Mittlerweile hat auch Querfurth auch eine Antwort darauf gefunden, woher das besondere Gefühl der Geborgenheit kommt, das er so nur im Lübecker Dom spürt. Es sind die menschlichen Geschichten hinter den Symbolen: "Ob es ein Epitaph ist oder die Predigtkanzel oder die Grabmale - es sind menschliche Schicksale, die dahinterstehen. Das fasziniert mich."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 12.03.2017 | 19:04 Uhr

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