Stand: 17.02.2017 11:21 Uhr

Kunsthalle Emden mit neuem "behutsamen Lenker"

von Gerhard Snitjer
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Der promovierter Kunsthistoriker Stefan Borchardt hat im Museums- und Ausstellungswesen gearbeitet und war seit 2007 als Kustos der Kunststiftung Hohenkarpfen in Hausen ob Verena (Kreis Tuttlingen) tätig.

Die Kunsthalle Emden ist über 30 Jahre alt, und während dieser gesamten Zeit war die Geschäftsführerin Eske Nannen, die Witwe des Stifters und Gründers Henri Nannen. Nun, kurz nach ihrem 75. Geburtstag, wird die Leitung des Hauses in neue Hände gelegt. Der neue Chef heißt Stefan Borchardt und hat bisher ein relativ kleines Regionalmuseum in Baden-Württemberg geleitet. Der 50-jährige Kunsthistoriker soll in der Emder Kunsthalle nicht nur die Geschäfte führen, sondern auch die wissenschaftliche Leitung übernehmen. Am 15. Februar hatte er seinen ersten Arbeitstag.

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Bevor Stefan Borchardt sich um die Stelle bewarb, hatte er die Kunsthalle noch nie betreten und hatte auch nur eine vage Vorstellung von Ostfriesland. Was er aber während des Auswahlverfahrens und während seines Umzuges schon gesehen hat, gefällt ihm. Es sei schon optisch ein ganz besonderer Ort, findet er. Das gelte für die Landschaft und für die umliegenden Städte und Dörfer ebenso wie für die Kunsthalle selbst.

Angesichts der Atmosphäre der Kunsthalle gerät er geradezu ins Schwärmen: Trotz der Erweiterungsbauten habe das Haus nicht die oft zitierten menschlichen Dimensionen verloren sagt Borchardt. Zum anderen habe er gesehen, was in den 30 Jahren hier geleistet worden ist, seitdem das Museum besteht. Auch das habe ihn sehr beeindruckt.

Engere Zusammenarbeit mit Malschule

Viele Leitmotive der Kunsthallen-Arbeit sind auch in Borchardts bisherigem Wirken zu finden: Die Beschäftigung mit der Moderne, die Wiederentdeckung einer einst verfemten Künstlerin, oder eine von ihm kuratierte Schau zum Realismus.

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Die langjährige Leiterin Eske Nannen begrüßt den neuen Leiter der Kunsthalle Emden, Stefan Borchardt.

Fasziniert ist Stefan Borchardt von der Kunstpädagogik in der Kunsthalle, die künftig noch enger mit der angegliederten Malschule verzahnt werden soll. Diese Planung gab es schon lange vor seinem Amtsantritt, er begrüßt den Schritt aber sehr. Ob sich das Konzept des Hauses durch den Wechsel an der Spitze ändern wird, ist eine Frage sowohl der Mitarbeiter als auch der Stammbesucher. Ein neuer Leiter bringt immer auch neue Ideen mit, und so schließt auch Stefan Borchardt gewisse Veränderungen in der Ausrichtung der Kunsthalle nicht aus. Ein Beispiel: "Jüngere Gegenwartskunst, die experimentell vor Ort nicht nur gezeigt wird, sondern tatsächlich erst womöglich entsteht", führt er an.

Ihn interessieren innovative Ausstellungsformate. Ohne sie schon konkret in Worte zu fassen, kündigt Stefan Borchardt an, dass gemeinsam mit dem Team darüber nachgedacht werden soll. Für solche Neuerungen sei das Haus in seiner Architektur wie geschaffen.

Keine Angst vor großem Erbe

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Es werde aber sicherlich nicht alles über den Haufen geworfen, wiegelt Stefan Borchardt gleich wieder ab. Vor allem werde er nicht versuchen, einer gut funktionierenden Institution ein ganz neues Konzept im Alleingang überzustülpen. Borchardt verweist auf das kompetente, eingespielte Team der Kunsthalle mit teils schon sehr langer Erfahrung. Davor habe er Respekt. Sich selbst sieht er als behutsamen Lenker, "der versucht, wenn er irgendwo hinkommt, zu lauschen, zu hören, zu schmecken, zu riechen, was ist hier, was passiert hier, was passt hierher. Und dann: Was kann ich dazutun?"

Eske Nannen, so sagt Stefan Borchardt, hat in Emden großartige Arbeit geleistet, bei den großen Erweiterungsbauten ebenso wie bei der immer heiklen Finanzierung des laufenden Betriebes. Ihre Nachfolge anzutreten schrecke ihn aber nicht. Im Gegenteil: "Das lässt einen nicht mulmig werden, sondern es ist ja ein großes Geschenk, von so jemand zu lernen und eingearbeitet zu werden und dann hinübergenommen zu werden in die Strukturen, die im Haus und um das Haus herum existieren und es am Leben erhalten."

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