Stand: 03.05.2016 13:54 Uhr

Preisgekrönte Pressefotos in Hamburg zu sehen

von Anette Schneider

Der World Press Photo Award ist der wichtigste Preis für internationale Pressefotografie. Seit 1955 gibt es die Auszeichnung, die Dokumentaraufnahmen aller Genres auszeichnet. Im Foyer des Pressehauses von Gruner + Jahr ist ab Mittwoch das Beste aus dem Jahr 2015 zu sehen.

Auge in Auge stehen sie sich gegenüber: Ein junger schwarzer Demonstrant und ein schwarzer Polizist. Der amerikanische Fotograf John Kim fotografierte sie während einer Demonstration gegen rassistische Polizeigewalt in Chicago. Der eine wehrlos im T-Shirt, der andere in martialischer Aufmachung als Stellvertreter der Macht. Andere Fotos zeigen Opfer von Bandenkriegen in Honduras, das erschöpfte Gesicht eines Goldgräbers in Burkina Faso oder Menschen, die nach dem Erdbeben in Nepal in Trümmern nach Überlebenden graben. Die Fotos gehören zu den besten Pressefotografien des letzten Jahres. Einige der Aufnahmen erschienen auch in Magazinen von Gruner + Jahr.

Die World Press Photos 2016

Woran erkennt man ein gutes Bild?

Doch woran erkennt man ein "gutes Bild"? Lars Lindemann, Bild-Chef von "GEO" sagte: "Erzählerische Verdichtung. Ein klares Thema." Neben den technischen und ästhetischen Parametern sei aber auch die Haltung des Fotografen wichtig. Die prämierten Bilder spiegeln das Weltgeschehen ebenso brutal und verstörend, wie es ist. Sie beunruhigen, sind kritisch und klären auf: Über den Elfenbeinkrieg im Süden Afrikas, über ein Rettungsprojekt für Orang-Utans auf Borneo oder über archaisch anmutende Feste in Spanien.

Ein besonders starkes Bild, sagte Lindemann, sei das des brasilianischen Fotografen Mauricio Lima. Dieser fotografierte während des Syrien-Kriegs in den kurdischen Gebieten einen kurdischen Arzt, der vor einem Foto des inhaftierten Kurdenführers Öcalan einen schwer verletzten IS-Killer versorgt. Den Feind also, der die freien Kurdengebiete überfällt und dort Massaker verübt. Lindemann sagte, das Bild appelliere an Humanismus und Empathie. "Genau das verdichtet dieses Bild auf unglaubliche Weise. Und tragischerweise wird es nie in der Türkei gezeigt werden. Das macht natürlich sehr nachdenklich."

Video: World Press Photo Award 2016
02:21 min

Ausstellung: World Press Photo Award 2016

03.05.2016 19:30 Uhr
Hamburg Journal

Der World Press Photo Award ist der größte international anerkannte Wettbewerb für Pressefotografie. Das Verlagshaus Gruner + Jahr zeigt die preisgekrönten Arbeiten in einer Ausstellung. Video (02:21 min)

Die Ausstellung versammelt sämtliche prämierten Arbeiten: Einzelbilder und Serien über aktuelle Ereignisse, Alltagsgeschichten, Natur- und Sportthemen. Die eindrucksvolle Auswahl besorgte eine 19-köpfige Jury aus 11 Pressefotografen und 8 Fotografinnen aus fast aller Welt: Sie sichtete fast 83.000 eingesendete Fotografien von 5.775 Fotografen und Fotografinnen aus 128 Ländern. Und sie legte das alles dominierende Thema fest: Flüchtlinge.

Erster Preis für ein Foto von der serbisch-ungarischen Grenze

Foto-Serien zeigen flüchtende Menschen an der syrisch-türkischen Grenze. Flüchtende Menschen auf dem Meer. Flüchtende Kinder. Der australische Fotograf Warren Richardson begleitete Menschen, die nachts über die gerade geschlossene serbisch-ungarische Grenze flohen. Sein Bild eines Mannes, der es auf die ungarische Seite geschafft hat und durch den Stacheldrahtzaun ein Baby in Empfang nimmt, erhielt den ersten Preis.

"Die Öffentlichkeit muss der Arbeit von Fotojournalisten trauen können"

Kari Lundelin von der World Press Photo Foundation sagte: Die Organisation sei gegründet worden, um professionellen Fotojournalismus zu fördern und seine hohen Maßstäbe zu schützen. Doch wie setzt man diese Maßstäbe durch? Wie schützt man sie? Und wie kann der Betrachter sicher sein, dass stimmt, was er sieht - zumal in Zeiten, in denen Sensationsfotos für Auflage sorgen sollen und der Photoshop zum Alltag gehört? Lundelin sagte: "Es ist sehr wichtig, dass die Öffentlichkeit der Arbeit von Fotojournalisten trauen kann."

Sämtliche Bilder wurden mit der Original-Datei überprüft

World Press Photo habe eine sehr strikte Kontrolle mit sehr strengen Regeln in die Wege geleitet, um jede mögliche Form der Manipulation zu vermeiden. Dieses Jahr seien sämtliche Bilder, die die Endrunde erreichten, mit Hilfe der Original-Datei überprüft worden. Für den Redaktionsalltag wirbt die Organisation seit einigen Jahren für verbindliche Regeln, die die technischen Möglichkeiten der Manipulation festschreiben sollen, den sogenannten "Code of Ethics".

Lindemann sagte: 'Der Code of Ethics' beschränkt die Möglichkeiten der Bildbearbeitung, der Eingriffe, der Veränderung von Bildinhalten, des Entfernens von Bildinhalten, das Hinzufügen von Bildinhalten. Was wir bei 'GEO' oder auch beim 'Stern' schon seit langem stark beachten." Einen Konsens habe es bisher nicht gegeben. Und nun habe World Press Photo verschiedene Institutionen und Akteure an einen Tisch geholt. "Da gibt es jetzt eine Verständigung. Und das ist immens wichtig."

Preisgekrönte Pressefotos in Hamburg zu sehen

Vier Wochen lang werden die besten Pressefotos 2015 in Hamburg gezeigt. Das Siegerbild hat der Australier Warren Richardson fotografiert. Es zeigt eine Szene an der serbisch-ungarischen Grenze.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Foyer des Pressehauses Gruner+Jahr
Am Baumwall 11
20459   Hamburg
Telefon:
(040) 370 34 000
Preis:
Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.
Öffnungszeiten:
Täglich 10 - 18 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 03.05.2016 | 19:04 Uhr