Stand: 03.12.2015 15:45 Uhr

"Streamlines" in den Deichtorhallen

von Patricia Seeger

Es geht um Ozeane, Welthandel und Migration: "Streamlines" - Stromlinien - heißt eine Ausstellung, die Direktor Dirk Luckow als einen Meilenstein in der Geschichte der Deichtorhallen bezeichnet. Denn: Sie verbindet die Globalisierung von Kunst und Kultur mit der Geschichte Hamburgs als Hafenstadt - Hamburg als Tor zur Welt. Zusammengestellt und konzipiert hat die Ausstellung die international bekannte Kuratorin Koyo Kouoh aus dem Senegal.

Bilder, Fotos, Skulpturen, aber auch eine an ein riesiges Schiffswrack erinnernde Installation werden in der Halle ausgestellt sein, dazu Filme und Grafiken. Jede Arbeit bezieht sich in der einen oder anderen Weise auf die aktuelle und geschichtliche Situation Hamburgs als Tor zur Welt. Eine Ausstellung, die in die Zeit passt und besondere Denkanstöße geben kann.

Gucken, hören, riechen

"Streamlines" spricht alle Sinne an: Man kann gucken, hören und sogar riechen. Im Eingangsbereich duftet es nach Curry, Zimt und Ingwer. Die nigerianische Künstlerin Otobong Nkanga hat aus getrockneten Gewürzen sowie Tee, Kakao und Kaffee das Bild eines langen, mäandernden Flusses modelliert. "Das ist eine wunderschöne Arbeit, die sich mit dem Fluss von Handelsgütern beschäftigt. Das soll die Elbe sein. Sie ist geformt aus den Rohstoffen, die traditionell hierher importiert werden. Ein Kunstwerk, das Geschmack bringt", sagt Kouoh.

Geschichte

Der Hafen und seine Geschichte

Der Hamburger Hafen hat eine wechselhafte und ereignisreiche Zeit hinter sich. Seit 1189 prägt er das Leben der Hansestadt und hat Tragödien wie Triumphe erlebt. mehr

"Ausstellung muss sich ums Wasser drehen"

Mehr als zwei Jahre hat die Kuratorin die Ausstellung vorbereitet. Die 48-Jährige ist studierte Kulturmanagerin, auch im Bankwesen ausgebildet und international gefragt. USA, Brasilien, Europa - auf der ganzen Welt hat die gebürtige Kamerunerin schon Ausstellungen kuratiert. "Als ich die Einladung bekam, diese Ausstellung hier in den Deichtorhallen in Hamburg zu machen, war mir sofort klar, die Ausstellung muss sich ums Wasser drehen und die Rolle der Meere in der Weltwirtschaft. Hamburg hat ja einen der größten Häfen der Welt. Und das hat mich schon lange interessiert."

Hineingezogen in den Hamburger Hafen

Rund die Hälfte der Arbeiten hat sie bei Künstlern eigens für diese Ausstellung in Auftrag gegeben. etwa die Video-Installation des Engländers Theo Eshetu. Hier guckt der Besucher durch einen Torbogen und wird, begleitet von Musik, hineingezogen in die Welt des Hamburger Hafens. Man sieht vom Wasser aus die Kulisse der Stadt, die Kräne und Frachtschiffe - überblendet mit Bildern von alten Landkarten, Sklaven und frei schwimmenden Fischen.

Symbol für das aktuelle Chaos der Welt

Die Kuratorin hat Künstler aus der ganzen Welt - aus Asien, Lateinamerika und Afrika - im Vorfeld der Ausstellung nach Hamburg eingeladen, um sich mit der Geschichte des Hafens und des Handels auseinanderzusetzen. Abdoulaye Konaté aus Mali hat nach seinem Besuch riesige Wandteppiche angefertigt: "Ich war auch im Hamburger Hafen. Eines meiner Bilder zeigt einen Fischkarneval als Symbol für das aktuelle Chaos der Welt. Auf einem anderen sind große Container, die so typisch für Hamburg und den Handel sind, und da hab ich auch zwei Möwen draufgenäht, die ich vom Schiff aus gesehen habe."

Von Wirtschaft, über Krieg und bis zur Flucht: Die Themen sind hoch aktuell - und die Ausstellung ist bunt, sinnlich und spannend.

"Streamlines" in den Deichtorhallen

"Streamlines" in den Deichtorhallen

Ozeane, Flucht, Häfen und Welthandel stehen im Mittelpunkt von "Streamlines" in den Hamburger Deichtorhallen. Die Ausstellung ist bunt, sinnlich und spannend.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Deichtorhallen, Halle für aktuelle Kunst
Deichtorstrasse 1+2
20095  Hamburg
Preis:
Erwachsene 10 Euro, ermäßigt 6 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 11 - 18 Uhr, jeder 1. Donnerstag im Monat 11 - 21 Uhr
Hinweis:
Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm mit Künstler- und Kuratorengesprächen, Sonderführungen sowie Workshops für Kinder und Jugendliche und eine Publikation.

Öffentliche Führungen
Jeden Sonnabend und Sonntag sowie feiertags um 16 Uhr.
Im Eintritt der Ausstellung inbegriffen, keine Anmeldung erforderlich.

Weitere Führungen für Jugendliche und auf Englisch.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 03.12.2015 | 19:02 Uhr