Stand: 07.08.2013 13:35 Uhr  | Archiv

Die "Kruzenshtern" - Letzte Zeugin einer Epoche

Die "Kruzenshtern" - ehemals "Padua" - ist das letzte Frachtschiff der Welt, das noch ganz ohne Hilfsmotor vom Stapel lief. Die Viermastbark wurde für die Hamburger Reederei Laeisz gebaut.

1926 läuft die Viermastbark "Padua" in Bremerhaven vom Stapel. Sie ist das letzte frachtfahrende Segelschiff der Welt, das ganz ohne Motor gebaut wird. Wie ihre bekannten Schwesterschiffe "Pamir" und "Passat" gehört sie zu den legendären Flying-P-Linern, gebaut für die renommierte Hamburger Reederei F. Laeisz. Nach ihrem Stapellauf unternimmt die "Padua" Fahrten nach Chile und Australien, von wo sie Weizen und Salpeter transportiert.

Die "Padua" im Film

Schon früh wird das Schiff für Filmaufnahmen genutzt: So segelt die "Padua" 1935 nach Madeira und Casablanca und wirkt dort in dem Film "Die Meuterei auf der Elsinore" mit. 1940 stehen Filmaufnahmen in Stettin auf dem Programm, 1943 ist die Bark Kulisse in dem Hans-Albers-Streifen "Große Freiheit Nr. 7". Neben ihren Filmauftritten unternimmt die "Padua" während des Zweiten Weltkriegs hauptsächlich Ausbildungsfahrten auf der Ostsee. 1943 rüsten die Deutschen das Schiff unbestätigten Berichten zufolge sogar mit einer Kanone aus. Die Feinderkennung funktioniert jedoch nicht wirklich gut. Der einzige zu vermeldende "Erfolg" der Umbauaktion ist angeblich der versehentliche Abschuss eines deutschen Flugzeuges. Außerdem soll die "Padua" - ebenfalls aus Versehen - ein deutsches U-Boot gerammt haben.

Aus "Padua" wird "Kruzenshtern"

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1946 geht die "Padua" in russischen Besitz über und verrichtet fortan ihren Dienst als Forschungs-, später als Schulschiff .

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs liegt das Schiff im Flensburger Hafen. Von dort geht es später weiter über Hamburg, Kiel und Lübeck nach Swinemünde. Im Januar 1946 wird das Schiff als Reparationszahlung den sowjetischen Behörden übergeben. Die schleppen es nach Kronstadt nahe Leningrad, überholen die Viermastbark und geben ihr einen neuen Namen: Kruzenshtern. Namenspatron war der deutsch-baltische Marineadmiral Adam Johann Baron von Krusenstern, der für Russland zwischen 1803 und 1806 das erste Mal die Welt umsegelte.

Bis heute bei Regatten vorn dabei

Bis 1961 bleibt die "Kruzenshtern" im Hafen. Dort erhält sie auch ihren ersten Motor. Als ozeanografisches Forschungsschiff kommt sie dann in den Dienst des Hydrografischen Instituts und unternimmt Fahrten in den Atlantik, in die Karibik und ins Mittelmeer. Zu diesem Zeitpunkt hat sie noch nicht den heute bekannten Anstrich mit den angedeuteten Geschützklappen. Zwischen 1968 und 1971 erfolgen weitere Umbauten und Modernisierungen. Die "Kruzenshtern" ist nun ein reines Schulschiff für Kadetten.

Seit 1974 nimmt die "Kruzenshtern" regelmäßig an Regatten auf der ganzen Welt teil. Neben vielen Preisen und Auszeichnungen sticht ein Rekord besonders hervor: Auf der "Columbus 1992", einem Transatlantik-Rennen von Boston nach Liverpool anlässlich des 500. Jubiläums der Entdeckung Amerikas, erreicht das Schiff eine Spitzengeschwindigkeit von 17,4 Knoten, rund 32 Kilometer pro Stunde. Damit macht die "Kruzenshtern" ihrem legendären Status noch einmal alle Ehre. Noch immer gehört die Viermastbark zu den schnellsten existierenden alten Rahseglern.

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Auf Hafenfesten wie der Hanse Sail ist die "Kruzenshtern" regelmäßig zu Gast.

Interessierte Privatleute können heute auf der "Kruzenshtern" mitsegeln, sowohl als Passagiere bei Tagesfahrten als auch als Trainees auf längere Törns. Die "Kruzenshtern" ist außerdem regelmäßig zu Gast bei Großseglertreffen, so etwa bei der Hanse Sail in Rostock. Auch bei diesen Ereignissen nimmt sie zahlende Gäste mit an Bord.

Technische Daten

Art: Viermastbark
Baujahr: 1926 bei J. C. Tecklenborg, Bremerhaven (Wesermünde)
Stapellauf: 24.6.1926
Gesamtlänge: 114,5 Meter
Breite: 14,2 Meter
Tiefgang: 6,7 Meter
Maximale Masthöhe: 55 Meter
Segelfläche: 3553 m²
Nation: Russland
Eigner: Ministerium der Fischwirtschaft, Moskau
Heimathafen: Kaliningrad