Stand: 11.07.2012 15:57 Uhr

Ein stiller Ort der Erinnerung

von Kathrin Weber, NDR.de
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Im Sommer dominiert in der Außenanlage der Gedenkstätte saftiges Grün. Doch die Idylle täuscht.

Auf den ersten Blick sieht hier alles ganz idyllisch aus. Das Gras steht kniehoch, der leichte Sommerwind streift durch die Baumgruppen, im Hintergrund sind Felder und ein Wäldchen zu sehen. Nur die hohen rostbraunen Stahlelemente am Rand lassen erahnen, dass das Gelände kein Park ist. Während der Naziherrschaft existierte hier im Emsland das Konzentrationslager und spätere Strafgefangenenlager Esterwegen. Es war eines von insgesamt 15 Lagern in der Region. Heute steht auf dem Gelände eine zentrale Gedenkstätte, die an die Opfer aller Lager erinnert.

Unmenschliche Unterbringung und Zwangsarbeit

Bis zu 2.000 Häftlinge gleichzeitig - politisch Verfolgte, Kriegsgefangene, aber auch "normale" Straffällige - waren zwischen 1933 und 1945 in Esterwegen interniert, in 20 unbeheizten, engen Baracken. Von den Behausungen ist heute nichts mehr zu sehen, sie wurden nach dem Krieg abgerissen und verkauft.

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Von den Gebäuden sind auf dem Gelände nur noch einige Fundamente zu sehen, wie das eines Springbrunnens.

Kurt Buck deutet auf eine großes, rundes Steinfundament am Rande des Weges. Hier, so der Mitarbeiter der Gedenkstätte, stand einst ein Springbrunnen - die Wachmannschaften sollten sich auf dem Gelände wohlfühlen. Überhaupt wurde alles getan, dem Personal das Leben auf dem Gelände möglichst angenehm zu gestalten. Sie konnten Gärten, einen Sportplatz und ein Schwimmbad nutzen und mussten selbst auf Kultur nicht verzichten - im mehrstöckigen Kameradschaftshaus mit Kinosaal und Bühne wurden Schauspiel, Filme und Musik dargeboten.

Die Emslandlager

Nicht nur in Esterwegen, sondern in 14 weiteren Orten im Emsland und der Grafschaft Bentheim unterhielt das NS-Regime zwischen 1933 und 1945 Gefangenenlager. Drei davon (Börgermoor, Esterwegen, Neusustrum) waren bis 1936 Konzentrationslager und wurden von der SS bewacht. In den Lagern waren insgesamt etwa 200.000 Menschen inhaftiert - politische Häftlinge, Straf- und Kriegsgefangene. Sie alle litten unter schlechten Lebensbedingungen und brutaler Gewalt. Mehr als 20.000, überwiegend sowjetische Kriegsgefangene, starben oder wurden getötet.

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Das Lagertor von Esterwegen. Häftlinge fahren während der Arbeiten an der Lagerstraße Loren aus dem Lager.

Ganz anders erging es den Gefangenen im Lager. Wenig zu essen, schlechte hygienische Bedingungen sowie brutale Übergriffe des Wachpersonals machten ihnen das Leben zur Hölle. Hinzu kamen unmenschliche, kräftezehrende Arbeitseinsätze im umliegenden Moor. Bis zu zwölf Stunden mussten sie dort Torf stechen oder Böden kultivieren - eine unmenschliche Quälerei, die viele nicht überlebten. Heute führt ein Steg aus Stahl vom Ausstellungsgebäude ins benachbarte Moor und erinnert an die Zwangsarbeit.