Sendedatum: 29.11.2014 11:30 Uhr

Das flenst: Bier von der Förde

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Flensburger Pilsener ist die Hauptmarke des Unternehmens.

"Das flenst" - mit diesem pfiffigen Slogan bewirbt die Flensburger Brauerei Emil Petersen ihr Bier. Mit Erfolg: Während der Bierkonsum in Deutschland seit Jahren abnimmt, freut sich das Traditionshaus von der Förde über gute Geschäfte. 2012 konnte Schleswig-Holsteins größte Brauerei ihren Absatz um 5,7 Prozent steigern. 50 Millionen Liter Bier braut das Unternehmen im Jahr, führende Markenhersteller wie Oettinger, Krombacher oder Bitburger produzieren rund zehn Mal soviel. Doch anders als die Konkurrenz gehört Flensburger zu keinem Konzern, sondern ist eine der noch wenigen großen Privatbrauereien.

Am 6. September 1888 gründen Flensburger Kaufleute die Brauerei als Aktiengesellschaft. Damals boomt die deutsche Wirtschaft. Der Standort der Brauerei am Flensburger Mühlenteich ist mit Bedacht gewählt: Im Winter kann man hier das Eis brechen, um das Bier zu kühlen. Flensburger Bier wird schon bald bis nach Australien geliefert. Doch der Großteil der Produktion bleibt an der Förde. Mit Pferd und Wagen wird das Bier zu den Wirten gebracht.

Emil Petersen führt das Unternehmen zum Erfolg

Nach dem Ersten Weltkrieg geht es mit Flensburg und der Brauerei bergab. Das Absatzgebiet Nordschleswig gehört jetzt zu Dänemark und bricht weg. Die Weltwirtschaftskrise treibt die Brauerei fast in den Ruin. Die Lage ändert sich erst, als Emil Petersen, Sohn eines Gründungsaktionärs, Anfang der 30er-Jahre in den Vorstand rückt. Er macht aus dem Unternehmen eine der führenden Brauereien des Landes, kooperiert dabei aber mit den Nationalsozialisten. Nachdem diese die Macht übernommen haben, rekrutiert er neue Mitarbeiter ausschließlich aus Nazianhängern. Als die Arbeiter ab 1939 zum Kriegsdienst eingezogen werden, ersetzt sie das Unternehmen unter anderem durch Zwangsarbeiter aus Russland.

"Das ist auch etwas, was mir ein Stück weit weh tut, weil das in der Familie untergegangen ist. Man hat darüber nicht gesprochen. Alle, die heute dazu noch Stellung nehmen könnten, leben nicht mehr", sagt Andreas Dethleffsen, Enkel von Emil Petersen, und derzeit einer der beiden Chefs der Familienholding. Ein Historiker erforscht derzeit, welche Rolle Petersen und seine Firma während der NS-Zeit genau spielten.

Nach dem Krieg ist Bier der Renner

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In den 50er-Jahren arbeiten viele Frauen in der Produktion. Heute wird die meiste Arbeit von Maschinen erledigt.

In den 50er-Jahren profitiert die Flensburger Brauerei vom Wirtschaftswunder. Die Deutschen können sich wieder etwas leisten, das tägliche Bier ist der Luxus des Kleinen Mannes. Getrunken wird nicht nur am Feierabend, sondern auch bei der Arbeit, etwa auf Baustellen. "Es wurde schon viel konsumiert", erinnert sich Dieter Pawel, der mehr als 40 Jahre als Fahrer für die Brauerei arbeitete. "Man hat an Sicherheit und Schutz überhaupt nicht gedacht. Das war täglich Brot. Und eine Buddel Bier gehörte zum Mauermann". Das Bier verkauft sich, ohne dass die Firma groß in Werbung investieren muss. In der Abfüllung arbeiten jetzt überwiegend Frauen. Die Arbeitsplätze sind begehrt, denn Frauen bekommen den gleichen Lohn wie Männer.

Bügelverschluss statt Kronkorken - Der "Plopp" stärkt die Marke

Anfang der 70er-Jahre setzt sich bei Bierflaschen der Kronkorken durch. Die Flensburger widersetzen sich dem Trend und produzieren weiter mit Bügelverschluss. Eine gute Entscheidung, denn heute gehört der "Plopp" zum Markenkern. Allerdings steckte dahinter keine echte strategische Überlegung: "Da mögen Ihnen die Marketingstrategen erzählen, dass man das immer so geplant hat, aber das stimmt nicht wirklich. Emil Petersen hatte im Alter keine große Investitionsneigung mehr. Und als es notwendig wurde, in neue Technik zu investieren, weil der Kronkorken ja sehr viel billiger war, da sagte er schlicht nein", erzählt sein Enkel Andreas Dethleffsen.

Der Schwiegrsohn übernimmt das Ruder

1974 stirbt der Patriarch Emil Petersen. Da er selbst nur Töchter hat, übernimmt sein Schwiegersohn Hans Dethleffsen die Leitung der Brauerei, denn eine Nachfolgerin kommt nicht in Frage. "Was heute selbstverständlich ist, dass man eine Tochter genauso sieht wie einen Sohn - das war für ihn unvorstellbar", erinnert sich Hans Dethleffsen.

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Unsere Geschichte | 29.11.2014 | 11:30 Uhr