Stand: 16.02.2014 07:00 Uhr

Ida Ehre - die "Mutter Courage" des Theaters

von Stefanie Peter

Welttheater nach zwölf Jahren Diktatur

Ida Ehre bringt den Hamburgern mit ihrem "Theater der Menschlichkeit und Toleranz" nach zwölf Jahren Diktatur ein großes Stück Welttheater in die Hansestadt. Zahlreiche deutsche Erstaufführungen von Theaterstücken Jean-Paul Sartres, Thornton Wilders oder Jean Giraudoux’ holt sie in die Hartungstraße.

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Mit der Uraufführung von Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür" schreiben die Kammerspiele Theatergeschichte.

Theatergeschichte schreiben die Kammerspiele am 21. November 1947 mit der Uraufführung von Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür", das dieser ursprünglich als Hörfunkstück konzipiert hatte. Es wird zum "Schlüsselwerk für die Generation, die 1945 von den Schlachtfeldern und aus den Gefangenenlagern des Zweiten Weltkrieges heimkehrte", wie es Anna Brenken in ihrer Biografie "Ida Ehre" auf den Punkt bringt. Die Kammerspiele entwickeln sich unter der Leitung der Prinzipalin zu einer führenden deutschen Schauspielbühne.

Als "Mutter Courage" auf der Bühne

Ida Ehre ist nicht nur Gründerin und Intendantin des kleinen Theaters an der Hartungstraße, sondern wirkt dort auch als Regisseurin und Schauspielerin. Zu ihren großen Rollen gehören dabei Brechts "Mutter Courage" und die Hekuba in den "Troerinnen". Um das kleine Theater finanziell halten zu können, öffnet sie die Kammerspiele für leichtere Kost, in einem zähen Kampf wirbt sie immer wieder für Unterstützung.

Großes Engagement bis ins hohe Alter

Ida Ehre 1988 bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Hamburger Universität. © dpa-Bildarchiv Fotograf: Werner Baum

Ida Ehre über ihr Theater

Die Prinzipalin der Hamburger Kammerspiele in einem Interview des Abendjournals im NDR Hörfunk am 02.05.1984.

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Die Ehrenbürgerwürde, die die Hansestadt ihr 1985 verleiht, ist nur eine von vielen Auszeichnungen, die Ida Ehre für ihr Engagement für die hamburgische und deutsche Theaterlandschaft erhält. Die Hamburger Universität zeichnet die Prinzipalin 1988 mit der Ehrendoktorwürde aus, sie erhält das Große Bundesverdienstkreuz und den Schillerpreis der Stadt Mannheim. Vier Jahre gehört sie dem Hauptausschuss des Nordwestdeutschen Rundfunks an, 13 Jahre dem Verwaltungsrat des NDR. Sie steht nicht nur bis kurz vor ihrem Tod auf der Bühne, sondern engagiert sich auch außerhalb des Theaters für Frieden und Toleranz. 1983, mit 83 Jahren, tritt sie zum Beispiel auf einer Friedensveranstaltung im St.-Pauli-Stadion auf.

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Ein Foto Ida Ehres, wie sie neben Bundestagspräsident Jenninger im Bundestag sitzt, geht um die Welt.

Am 10. November 1988 rezitiert sie im Bonner Bundestag anlässlich einer Gedenkfeier zur Erinnerung an die Pogromnacht Paul Celans "Todesfuge". Dabei erlebt sie hautnah den viel kritisierten Vortrag des damaligen Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger, der versucht, die Begeisterung der Deutschen für den Nationalsozialismus zu erklären - und deshalb einen Tag später zurücktreten muss. Das Foto der von einem Krankenhausaufenthalt geschwächten Ida Ehre, wie sie, die Hände vors Gesicht geschlagen, neben Jenninger im Bundestag sitzt, geht um die Welt.

Begräbnis auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Ida Ehre stirbt am 16. Februar 1989 im Alter von 88 Jahren in einem Hamburger Krankenhaus. Sie wird auf dem Ohlsdorfer Friedhof in einem Ehrengrab neben Gustaf Gründgens, dem langjährigen Intendanten des Hamburger Schauspielhauses, begraben. In Hamburg wird später ein Platz in der Innenstadt nach ihr benannt, auch eine Schule im Stadtteil Eimsbüttel trägt ihren Namen.

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"Redet nicht - sprecht miteinander"

Der Ida Ehre Kulturverein will das Andenken an die Prinzipalin der Hamburger Kammerspiele lebendig halten. extern

Dieses Thema im Programm:

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