Stand: 09.09.2015 00:00 Uhr

Mario Adorf - der sympathische Bösewicht

Er ist einer der wenigen deutschen Weltstars - Mario Adorf, begnadeter Schauspieler, Komödiant mit Herz und schreckenerregender Bösewicht. Im Eifelstädtchen Mayen wuchs Adorf auf, stand bereits als Student auf der Bühne und wurde früh zu einem internationalen Star des Kinos.

Den Durchbruch schaffte er Ende der 50er-Jahre als dumpfer Massenmörder im deutschen Spielfilm "Nachts, wenn der Teufel kam". Das Casting durch Regisseur Robert Siodmak bereitete ihm allerdings einige Probleme: "Siodmak sagte: Schauen sie mal böse. Und ich schaute also so böse wie möglich - ich hatte bis dahin ja nur Komiker gespielt - so, wie ich mir dachte, dass es böse sei. Da sagte der: Nee, Junge, Das ist nicht böse. Er nahm seine Brille ab und da guckte er mich mit Glubschaugen, so Peter-Lorre-Augen an und sagte: 'Das' ist böse!"

Karge Kindheit, schneller Erfolg

Mario Adorf hat seinen Vater, ein Chirurg aus Kalabrien, nur ein einziges Mal gesehen. Sein Erzeuger wusste nichts von dem unehelichen Sohn. Die Mutter, Alice Adorf, verdiente ihr Geld mühsam mit Näharbeiten. Mit drei Jahren musste der kleine Mario wochentags zu den Nonnen ins Waisenhaus. Sechs Jahre lang. "Angst und Hunger - das waren die beiden Grunderfahrungen meines Lebens und das hat mich auch nie ganz losgelassen."

Er wollte eigentlich Lehrer werden und begann Germanistik und Philosophie zu studieren, brach das Studium aber ab, da er inzwischen schon am Schauspielhaus in Zürich auf der Bühne stand. Nach der Schauspielausbildung an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule engagierten ihn die Münchner Kammerspiele, bevor er nach kleineren Filmrollen mit der Darstellung eines psychopathischen Frauenmörders allgemein bekannt wurde.

Lange auf "den Bösen" festgelegt

Die Rolle des Mörders Bruno Lüdke brachte ihm Rum und Preise, legt ihn aber auch lange Zeit auf die Rolle des Bösen fest. Doch der selbstbewusste Schauspieler hatte das vorher sogar einkalkuliert: "Ich hatte damals bei meinem Vertrag schon eine Bedingung gestellt für einen jungen Schauspieler, dem man eine große Chance bietet. Ich habe den Leuten gesagt, ich unterzeichne den Vertrag nur mit einer Klausel, dass ich die Rolle unter der Bedingung annehme , dass ich in einem der nächsten Gloria-Filme eine Rolle mit komischem oder positivem Charakter spielen muss und für diese Rolle habe ich auch schon die Gage festgelegt. Ich kriegte damals für den Film 'Nachts, wenn der Teufel kommt' 7.500 Mark und für den nächsten Film wollte ich dann 10.000 Mark haben."

Nach dem deutschen Film kam der internationale

In den 60er-Jahren machte Mario Adorf Karriere in Italien. Er gestaltete die Rolle des Duce in "Die Ermordung Matteottis" (1973), spielte in der "Blechtrommel" oder in Billy Wilders "Fedora" (1978), blieb aber auch der Bühne immer treu. Unvergessen sind seine Fernsehrollen in "Kir Royal" (1986) oder "Der große Bellheim" (1993), die dem Charakterdarsteller alle Möglichkeiten von der großen Geste bis zum kleinen Augenzwinkern ließen. In den Jahrzehnten seiner Karriere hat der Schauspieler in über 120 Filmen mitgespielt.

Adorf, in 1930 Zürich geboren, in der Eifel aufgewachsen, mit zeitweiligen oder dauerhaften Wohnsitzen in Italien, Frankreich und Deutschland, viersprachig und international erfolgreich, sagt von sich selbst: "Ich bin ein Europäer, aber kein Weltenbummler."

Geschichten erzählen kann Adorf auch anders

Die Liebe zur Schriftstellerei entdeckte er erst spät und eher zufällig. "Die allerersten waren die etwas unrühmlichen Geschichten, da ging es um meine Kindheit, um meine Jugend geht, wo nicht sehr viel Rum im Spiel ist. Dieses Wort übrigens kam von Armin Müller-Stahl, der meine Geschichten vom Erzählen her kannte kannte, und der sagte: 'Was mir an deinen Geschichten gefällt ist, dass sie so 'unrühmlich' sind. Das habe ich dann als Untertitel beim ersten Buch gehabt." Inzwischen hat er zahlreiche Erzählungen, Geschichten und Erinnerungen veröffentlicht, viele davon autobiografisch.

Aber auch als Chansonnier und Entertainer überzeugte der stattliche Mann mit den buschigen Augenbraun und dem unverwechselbaren Barriton. Er habe exzellente handwerkliche Fähigkeiten und selbst Hobby-Boxer war er mal - allerdings mit 27. Mario Adorf, ein Star, der immer authentisch geblieben ist. Als Schauspieler, so erklärte er einmal, habe er ein großes Anliegen: "Glaubwürdig zu sein. Dass die Leute das, was sie von mir hören, glauben. Wenn ich einen Mann spiele, dass sie dann sagen: Jawohl, so könnte der sein."

Auf seine Traumrolle wartet er immer noch

Auf seine Traumrolle wartet der Schauspieler aber immer noch: "Also, den Karl Marx, den hätte ich gern gespielt. Ich finde, das ist eine hoch interessante Figur der Weltgeschichte und heute auch wieder sehr interessant, gerade durch unsere Krisensituationen, der Kapitalismuskrise, wenn man so will", sagte er anlässlich eines Interviews zu seinem 80. Geburtstag.

Mario Adorf, ein Mann mit Charisma, bewies seine ungewöhnliche reiche Begabung nicht nur als Schauspieler in vier Sprachen, sondern auch als Maler, bildender Künstler, Sänger und und Buchautor. Ruhestand ist für ihn ein Begriff aus einer anderen Welt.

Dieses Thema im Programm:

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