Stand: 21.11.2016 17:35 Uhr

Carl von Ossietzky: Ein mutiger Pazifist

von Moira Lenz, NDR.de
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Von Ossietzky im Jahr 1923. Mit Kurt Tucholsky gründete er kurz nach dem Ersten Weltkrieg den Friedensbund der Kriegsteilnehmer.

"Mit seiner scharfen Feder stritt er gegen Militarismus und Nationalismus. Von ihm forderte die Zeit mehr als Zivilcourage, sie forderte von ihm das Leben." Als der damalige Bundeskanzler Willy Brandt 1971 den Friedensnobelpreis erhält, erinnert er mit diesen Worten an den früheren Preisträger Carl von Ossietzky. Der Hamburger Journalist, der sich stets unbeirrbar für Frieden, Demokratie und Völkerverständigung einsetzte, starb am 4. Mai 1938 an den Folgen seiner KZ-Haft. Bereits zu Lebzeiten war er eine Symbolfigur des Pazifismus.

Jugend in Hamburg

Geboren wird Carl von Ossietzky am 3. Oktober 1889 in der Großen Michaelisstraße 10 in Hamburg. Er bleibt das einzige Kind der Eheleute Carl Ignatius von Ossietzky und Rosalie Marie, geb. Pratzka. Der Vater, Sohn eines Kreisbeamten aus Oberschlesien, arbeitet nach seiner Übersiedlung nach Hamburg als Stenograf in der Anwaltskanzlei des Senators und späteren Hamburger Bürgermeisters Max Predöhl. Nebenbei betreibt er eine Speisewirtschaft in der Neustadt. Noch bevor Carl drei Jahre alt wird, stirbt der Vater überraschend. Da die Mutter nun die Gaststätte betreuen muss, wird der Junge hauptsächlich von seiner Tante erzogen. Unter Fürsprache von Senator Predöhl kann Carl die renommierte Rumbaumsche Schule besuchen, die fast ausschließlich Söhnen wohlhabender Bürger vorbehalten ist.

Mäßiger Schüler mit großem politischen Interesse

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Von Ossietzky hoffte, dass die NSDAP nach einer Regierungsübernahme an ihren inneren Widersprüchen zerfallen würde.

1901 heiratet die Mutter den Bildhauer und Sozialdemokraten Gustav Walther und nimmt Carl wieder zu sich. Zum ersten Mal kommt von Ossietzky mit Politik in Berührung, besucht Veranstaltungen mit August Bebel, einem der Begründer der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Die Mittlere Reife besteht er auch nach zweimaligem Anlauf nicht. Mäßig begabt in den Naturwissenschaften, will er Schriftsteller werden. Doch da ihm eine akademische Laufbahn verwehrt bleibt, bewirbt er sich um eine Stelle bei der Hamburger Justizverwaltung. 1910 wird er in das Grundbuchamt versetzt. Bereits zu dieser Zeit führt er eine Art Doppelleben: Tagsüber verbringt er die Stunden auf dem Amt, abends besucht er so viele kulturelle und politische Veranstaltungen wie möglich.

Am 19. August 1913 heiratet von Ossietzky Maud Hester Lichfield-Woods. Die politisch engagierte Tochter eines britischen Offiziers und einer indischen Fürstin tritt schon früh für die Gleichberechtigung ein.

Durch den Krieg zum Pazifisten

Als der Erste Weltkrieg ausbricht, ist von Ossietzky 25 Jahre alt. Er wird als Infanterist an der Westfront stationiert. Seine Kriegserlebnisse in der Schlacht von Verdun sind so eindringlich, dass er als glühender Pazifist zurückkommt und künftig gegen den Fortgang des Ersten Weltkrieges anschreibt. Ab 1919 beginnt er als Sekretär der Deutschen Friedensgesellschaft in Berlin. Am 21. Dezember desselben Jahres wird die einzige Tochter, Rosalinde, geboren.

Kritik an Nationalsozialismus und Kommunismus

1922 wird von Ossietzky außenpolitischer Redakteur der "Berliner Volkszeitung" und beginnt, für die "Weltbühne" zu schreiben, eine Wochenzeitschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft. Für die von Siegfried Jacobsohn gegründete pazifistische Zeitschrift arbeitet auch Kurt Tucholsky. 1927 wird von Ossietzky ihr Herausgeber. Er entwickelt sich zum großen Polemiker gegen die nationalsozialistische Gefahr - vor allem zum Kritiker hitlerfreundlicher Rechtsparteien und jener Kräfte in der Reichswehr und in der Justiz, die den Nationalismus begünstigen. Aber auch den Kommunisten hält er den Spiegel vor: Er beklagt, "dass in Rot-Russlands Vokabularium das Wort Freiheit nicht geduldet wird" und Moskau sich in den europäischen kommunistischen Parteien "willenlose Trabanten und stumme Diener" ziehen wolle.

Porträt des Journalisten Carl von Ossietzky um 1928 © picture-alliance / akg-images

Unbeirrt für Frieden und Demokratie

NDR Info ZeitZeichen

Am 4. Mai 1938 starb Carl von Ossietzky an den Folgen der Misshandlungen durch die Nazis. Aber die Botschaft des Friedensnobelpreisträgers lebte weiter.

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