Stand: 11.12.2017 10:38 Uhr

Gisela Werler: Eiskalte Diebin oder "Banklady"?

von Janine Kühl, NDR.de

Sie beflügelt Mitte der 1960er-Jahre als erste Bankräuberin der Bundesrepublik die Fantasie der Menschen: die Hamburgerin Gisela Werler. Die Medien bezeichnen sie als "Banklady" - wegen ihres eleganten Auftretens und ihrer höflichen Art, bei Überfällen um das Geld zu "bitten".

Ein Comic in einer Zeitung zeigt die "Banklady" bei einem Überfall.

Vor 50 Jahren: "Banklady" wird verhaftet

Hamburg Journal -

Kaltblütig, geheimnisvoll und schön - als "Banklady" kam Gisela Werler vor 50 Jahren zu einem zweifelhaften Ruhm. Gemeinsam mit ihrem Partner hat sie 19 Banken ausgeraubt.

4,29 bei 7 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Doch wer steckt hinter beziehungsweise unter der blonden Perücke, dem hellen Mantel und der großen Sonnenbrille? Die Verhaftung der damals 32-Jährigen am 15. Dezember 1967 bringt Ernüchterung. Die vermeintliche "femme fatale" ist eine eher unscheinbare, einfache Frau aus dem Hamburger Arbeitermilieu, die noch bei ihren Eltern wohnt und vor Gericht angibt, "aus Liebe" gehandelt zu haben.

Von der Geliebten zu Komplizin

Werlers kriminelle Laufbahn beginnt 1964. Ihr Bekannter Hugo Warncke will ihren Kleiderschrank in der elterlichen Wohnung als Beuteversteck nutzen. Gisela willigt ein. Warncke hat zusammen mit Hermann Wittorf alias Peter Werler eine Bank ausgeraubt. Gisela Werler verliebt sich in den verheirateten Taxiunternehmer Wittorf - und wird seine Geliebte und Komplizin.

Die als fleißig und zuverlässig geltende Fabrikarbeiterin tritt am 29. Juli 1965 selbst in den Fokus der Öffentlichkeit - allerdings in eleganter Verkleidung. Als erste Frau in der Geschichte der Bundesrepublik überfällt sie eine Bank, nämlich die Filiale Elbgaustraße der Hamburger Volksbank. Der kriminelle Akt bringt ihr 3100 DM Beute und mediale Berühmtheit als "Banklady".

"Würden Sie bitte das Geld einpacken?"

Großes Geld und kleine Freuden

Insgesamt verübt Werler zusammen mit Wittorf 19 Banküberfälle in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Die beiden - teilweise in Begleitung eines oder zweier Komplizen - gehen stets nach dem gleichen Muster vor. Zumeist begibt sich das Gangsterpaar freitags kurz vor Geschäftsschluss mit einem gestohlenen Wagen zur zuvor ausgekundschafteten Bank. Während Wittorf Angestellte und Kunden mit einer Maschinenpistole bedroht, sammelt Werler das Geld ein. Laut Zeugen ist sie dabei stets sehr höflich: "Würden Sie bitte das Geld einpacken?" Doch auch Werler agiert später mit vorgehaltener Waffe.

Rund 400.000 DM fallen in die Hände des Duos. Ein Leben in Saus und Braus führen sie nicht, das wäre wohl zu auffällig gewesen. Stattdessen gibt es neue Gardinen, Möbel und gutes Essen. Einen VW-Käfer und Reisen in den Süden könne sie sich dank ihrer Sparsamkeit sowie der Gewinne ihres Freundes Wittorf im Kasino leisten, erklärt Werler ihren erstaunten Eltern.

Sackgasse Bad Segeberg

Der Überfall auf eine Bank im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg soll der letzte werden. Fast 100.000 DM erbeuten Werler und Wittorf hier am 15. Dezember 1967. Doch dann geht alles schief: Vier junge Bankangestellte nehmen die Verfolgung der Täter auf und werden von Wittorf angeschossen. Die Flucht endet schließlich an einer geschlossenen Bahnschranke, wo die Polizei die Verbrecher festnehmen kann.   

Haben Frauen kriminelle Energie?

Bild vergrößern
Vor Gericht gibt Werler an, "aus Liebe" gehandelt zu haben. Sie wird zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt.

Dem konservativen Frauenbild der Zeit entspricht Werlers Begründung für ihre kriminelle Karriere: Sie habe aus Liebe gehandelt, gibt sie vor Gericht an. Sogar Wissenschaftler bezweifeln damals, dass Frauen aus eigenem Antrieb kriminelle Handlungen wie einen Bankraub begehen könnten. Daher fällt auch ihre Haftstrafe mit neuneinhalb Jahren geringer aus als die Wittorfs, der dreizehneinhalb Jahre einsitzen muss. Dabei hatten die Vernehmungen ergeben, dass Werler nach eingehender Schulung durch ihren Geliebten eigenständig agierte. Sie kundschaftete Bankfilialen aus und bedrohte die Bankangestellten mit ihrer Waffe. Manch einer sah in der "Banklady" gar den Kopf der Bande. Gisela Werler, die ihren Geliebten Wittorf im Gefängnis geheiratet hatte, starb 2003 in Hamburg.

Werlers Geschichte im Kinoformat

Ihre Geschichte lebt jedoch weiter, wenn auch nur im Film. Nadeshda Brennicke gibt die Banklady, Charly Hübner ihren Komplizen und Lebensgefährten.

Kino

Die "Banklady" erobert die Leinwand

Bonnie und Clyde auf Norddeutsch: Die Geschichte der legendären Bankräuberin Gisela Werler kommt 2014 auf die Kinoleinwand. 19 Banken raubte sie mit ihrem Lebensgefährten aus. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 10.12.2017 | 19:30 Uhr

Mehr Kultur

28:30

2852 Pfeifen für Neubrandenburg

20.12.2017 18:15 Uhr
NDR Fernsehen
06:21

PS-Hype trotz Diesel-Skandal

13.12.2017 23:20 Uhr
ZAPP
05:41