Stand: 20.09.2014 09:20 Uhr  | Archiv

Köhlbrandbrücke begeistert die Hamburger

von Janine Kühl, NDR.de
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Großer Andrang: Bundespräsident Walter Scheel weiht die Brücke am 20. September 1974 ein.

"Die schönste Flussbrücke Europas" oder "Golden Gate von Hamburg": Als die Köhlbrandbrücke am 20. September 1974 eingeweiht wird, ist die Euphorie groß. Nach vierjähriger Bauzeit verbindet die 3.618 Meter lange Schrägseilbrücke den Stadtteil Steinwerder auf der Hamburger Elbinsel Wilhelmsburg mit Waltershof an der A 7.

Drei Tage lang haben die Hamburger Zeit, die neue Brücke zu Fuß zu überqueren. Danach soll sie den Autos und LKW gehören, denn einen Fußweg gibt es nicht. Nachdem Bundespräsident Walter Scheel die Brücke offiziell eröffnet hat, gibt es kein Halten mehr. Der Andrang ist riesig: Mit 600.000 Menschen, die das elegante Bauwerk auf drei Tage verteilt mehr stürmen als begehen, haben die Veranstalter nicht gerechnet. Deswegen sind auch die 100.000 Erinnerungsmedaillen schnell vergriffen, was zu Tumulten führt.

Köhlbrandbrücke

Hamburg damals: Köhlbrandbrücke

Hamburg Journal -

Ihre Eröffnung am 20. September 1974 war ein riesiges Spektakel. Bundespräsident Walter Scheel reiste aus Bonn an, um die neue Querung einzuweihen.

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Ein "Triumphbogen" für 160 Millionen Mark

Sechs Jahre zuvor hatte der Hamburger Senat den Bau einer Brücke über den 325 Meter breiten Köhlbrand, einem Nebenarm der Süderelbe, beschlossen. Die Querung soll das östliche mit dem westlichen Hafengebiet verbinden. Aus den ursprünglich geplanten zwei Jahren Bauzeit und Kosten von 120 Millionen Mark werden vier Jahre und 160 Millionen Mark. Für den "Triumphbogen für Hamburgs Hafen" - so damals die Lokalpresse - muss der kleine Stadtteil Neuhof weichen. 300 Familien müssen ihre Heimat am Köhlbrand verlassen.

Elegant und schwebend: "Europas schönste Brücke"

Federführend bei der Planung der Schrägseilbrücke sind der Architekt Egon Jux und der Bauingenieur Paul Boué. 88 Stahlseile verbinden den Brückenkasten mit den beiden 135 Meter hohen Pylonen. Das sanft ansteigende Bauwerk erweckt den Eindruck, als schwebe es über dem Hafen, bevor es in einer engen Schleife wieder zur Erde gleitet. Die Menschen schwärmen von der eleganten Silhouette der Köhlbrandbrücke, die 1975 den Europäischen Stahlbaupreis für die "schönste Brücke des Kontinents" erhält.

1978: Erste Schäden kratzen am Image

Doch bereits vier Jahre nach der Eröffnung bekommt das viel gelobte Bauwerk erste Kratzer. 1978 und 1979 müssen sämtliche Stahlseile ausgetauscht werden - sie sind schlicht von zu viel Rost befallen. Der Nutzen für den Hafenverkehr ist indes unbestritten: Auf vier Spuren befördern immer mehr LKW Waren zwischen den Hafen-Terminals, in Richtung Autobahn oder auf die Schiene.

Schwimmkran reißt Loch in Brücke

Am 20. Februar 1998 ereignet sich ein schwerer Unfall: Der niederländische Schwimmkran "Rotterdam" rammt versehentlich die Brücke und reißt ein großes Loch in den Brückenkasten. Zwar ist die Stabilität des Bauwerks nicht gefährdet. Doch die wochenlangen Reparaturarbeiten führen zu einem Verkehrschaos, da die Brücke während dieser Zeit nicht befahren werden kann.