Stand: 02.06.2017 13:10 Uhr

Rickmers - ein Leben für die Schifffahrt

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Ein Mann mit Unternehmergeist: der Helgoländer Rickmer Clasen Rickmers um 1850.

Das Herz hat immer Recht. Deshalb heiratet der Helgoländer Holzschiffbauer Rickmer Clasen Rickmers (1807-1886) seine Verlobte Margaretha Reimers 1831 auch ohne deren väterlichen Segen. Der Pfarrer auf der Insel weigert sich, das  Paar zu trauen. Die Eltern der Brautleute hatten sich während der Besatzungszeit der Engländer zerstritten. Das Paar flüchtet von Helgoland und beschließt den Bund fürs Leben heimlich im ostfriesischen Esens.

Sie ziehen nach Bremerhaven - damals eine junge aufstrebende Stadt, gebaut als neuer Hafen für Bremen. Rickmers findet eine Anstellung als Meisterknecht. Doch er will aufsteigen und dafür arbeitet er hart: Er baut nach Feierabend Boote auf eigene Rechnung und verdient sein Geld zudem als Lotse. Sein Konfirmationsspruch ist dabei sein Lebensmotto: "Fürchte Gott, tue recht, scheue niemand."

Von der Schiffbauwerkstatt zum Großbetrieb

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In Bremerhaven baute Rickmers eine moderne Werft. Das Tor steht noch heute.

Nach 20 Monaten eröffnet er 1834 seine eigene Schiffbauwerkstatt. Von Bremerhaven aus verlassen immer mehr Auswanderer Europa. Ein lohnendes Geschäft sind die Umbauten der Auswandererschiffe. Rickmers sieht in dem Auswanderboom seine Chance: 1848 lässt er erstmals ein Schiff unter eigener Flagge fahren. Mit Auswanderern legt es ab und kommt mit Gütern beladen zurück.

1857 baut R.C.Rickmers seine Werft neu. Er braucht mehr Platz. Mit schnellen Klippern hat er sich einen Namen gemacht und gut verdient. Die Rickmers Werft ist inzwischen ein moderner Großbetrieb mit Werkstätten und Konstruktionsbüros.

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Den Bug der "Rickmer Rickmers" schmückt eine Galionsfigur, die den Enkel des Firmengründers im Alter von drei Jahren zeigt.

Die Verbundenheit zu seiner Heimat Helgoland kommt in der Firmenflagge und im Anstrich des berühmten Segelschiffs "Rickmer Rickmers" zum Ausdruck: Grün - Rot - Weiß, die Farben Helgolands. 1896 wird die "Rickmer Rickmers" gebaut.Den Namen erhält der Großsegler nach dem Enkel des Firmengründers Rickmer Clasen Rickmers. Heute liegt der Segler als Museumsschiff im Hamburger Hafen.

Die Werft ist gerade eröffnet, als die erste Weltwirtschaftskrise ausbricht. Niemand bestellt Schiffe. Um die Werft zu retten, baut Rickmers Frachter für eine eigene Flotte und gründet eine Reederei. Mit den Einnahmen aus dem Reedereibetrieb subventioniert er die Werft.

Spezialist für Reistransporte

Rickmers spezialisiert sich auf Reistransporte. Holzschiffe sind dafür gut geeignet: Bei Wärme entsteht kaum Kondenswasser, das die Körner verdirbt. Wenn der Reis in Europa zu wenig Gewinn bringt, setzt er die Schiffe für Fahrten zwischen den Häfen an den asiatischen Küsten ein.

Um den Absatz für die Reisfahrten auf eigene Rechnung zu sichern, wird Rickmers Reismüller. In Bremen kauft er 1872 eine Reismühle. Nach dem Umbau ist sie die größte ihrer Zeit in Europa. Zwei Jahrzehnte später erwirbt die Familie sogar eine Mühle in Bangkok.

Mit fast 80 Jahren stirbt Rickmer Clasen Rickmers im November 1886 und wird in Bremerhaven beigesetzt. Der Unternehmer, ausgezeichnet als Königlich-Preußischer Kommerzienrat, hinterlässt ein Firmenimperium. 

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 23.10.2016 | 19:30 Uhr

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