Stand: 18.03.2016 18:53 Uhr

Grenzdurchgangslager: Weil weiht neues Museum ein

Viereinhalb Millionen Menschen haben seit den Anfängen vor 70 Jahren das Grenzdurchgangslager Friedland im Landkreis Göttingen passiert. Ein neues Museum beschäftigt sich nun mit der Geschichte des Lagers. Dafür wurde das historische Bahnhofsgebäude für rund fünf Millionen Euro zu einem Museum umgebaut. Am Freitag haben Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Innenminister Boris Pistorius (beide SPD) den neuen Ausstellungsort vor mehr als 500 geladenen Gästen eröffnet.

Ein Ort der Willkommenskultur

In seiner Eröffnungsrede hob Weil hervor, dass Friedland "als geschichtsträchtiger Ort längst selbst ein Symbol geworden" sei. Immer wieder habe es neue Wellen der Aufnahme von Menschen im ehemaligen Grenzdurchgangslager gegeben: "Nach 1945 sind es die Heimatvertriebenen und Kriegsflüchtlinge gewesen, später die rückkehrenden ehemaligen Kriegsgefangenen aus der damaligen UdSSR, dann die Ungarn-Flüchtlinge, danach Aussiedler und Spätaussiedler, die Boat-People aus Vietnam und schließlich bis heute die Menschen aus Syrien, dem Irak oder Eritrea." In Friedland habe es stets das gegeben, was heute Willkommenskultur sei, sagte Weil.

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"Wir haben gedacht, wir sind im Paradies"

Das Aufnahmelager Friedland hat nach dem Zweiten Weltkrieg als Sammelstelle für Kriegsheimkehrer gedient. Rolf Zick war einer von ihnen. Im Interview erzählt er von seiner Ankunft im Lager. Video (03:35 min)

Jugendbegegnungsstätte geplant

In den kommenden Jahren sollen in Friedland noch ein Besucher- und Forschungszentrum sowie eine internationale Jugendbegegnungsstätte errichtet werden. Dort sollen junge Menschen aus ganz Europa sich über Fragen von Flucht, Vertreibung, Migration und Integration informieren und austauschen können. Die Kosten von rund 20 Millionen Euro teilen sich Bund und Land.

Anfänge als Auffangstation

Das spätere Grenzdurchgangslager Friedland war nach dem Zweiten Weltkrieg von der britischen Besatzungsmacht zunächst als Auffangstation für heimatlose Menschen, sogenannte Displaced Persons, und heimkehrende ehemalige Kriegsgefangene eingerichtet worden. Später passierten vor allem Spätaussiedler aus Polen und der ehemaligen Sowjetunion das Lager. Auch vietnamesische "Boat People" und Chilenen, die vor der Pinochet-Diktatur flohen, durchliefen Friedland. Seit 2011 dient die Einrichtung als Erstaufnahmestelle für Asylsuchende.

Siebzig Jahre Geschichte im Museum Friedland

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 18.03.2016 | 17:00 Uhr