Stand: 18.02.2008 12:00 Uhr  | Archiv

Berlinale-Publikum feiert NDR Koproduktion "Chiko"

von Patricia Batlle, NDR Online

Selten kommt der Hamburger Regisseur Özgür Yildirim seinen Vorbildern so nah wie auf der Berlinale. Mit seinem ersten Kinofilm "Chiko" hat es der Filmemacher auf Anhieb auf eines der wichtigsten Filmfestivals der Welt geschafft. Dort trifft er auf die großen Stars des Gangsterkinos, sie besuchen Berlin mit eigenen Produktionen oder als Festivalgast: Martin Scorsese ("Taxi Driver"), dessen Rolling-Stones-Dokumentation "Shine A Light" den Wettbewerb eröffnete, und Brian de Palma ("Scarface"). Mit einer Weltpremiere in der Panorama-Reihe hat Yildirim am 9. Februar auf der 58. Berlinale vor einem begeisterten Premierenpublikum sein Regiedebüt gefeiert. Großen Applaus erntete Schauspieler Denis Moschitto, bekannt aus Komödien wie "Kebab Connection", für seine erste Rolle in einem Drama.

Großer Applaus für die Uraufführung

Nach der Premiere applaudierte das Publikum so begeistert, dass Yildirim seine Darsteller Denis Moschitto, Moritz Bleibtreu, Volkan Özgan, Fari Ogün Yardim und Reyhan Sahin, besser bekannt als Rapperin Lady Bitch Ray, mit auf die Bühne bat. Der Hamburger Regisseur kam in Begleitung seines Entdeckers Fatih Akin, dessen Produktionsfirma corazón international den Film unter die Fittiche genommen hatte. Auf der zuvor abgehaltenen Pressekonferenz spielte sich das gut gelaunte Team gegenseitig die Bälle zu. Es ging unter anderem um die aktuelle Debatte über Jugendkriminalität, in die der Film unfreiwillig hineingeraten ist.

Yildirim: "Kriminalität hat keine Nation"

"Als wir Chiko gedreht haben, gab es die Debatte um Jugendkriminalität noch nicht", betonte Regisseur Yildirim. "Wir wollen einen klassischen Gangsterfilm erzählen", sagte Moritz Bleibtreu, der in "Chiko" den Drogendealer Brownie spielt, dessen Respekt sich Chiko (Denis Moschitto) mit allen Mitteln erkämpfen will. Dass die Hauptfiguren türkischer Abstammung seien, sei reiner Zufall: "Kriminalität hat keine Nation", erklärte Yildirim. Sein Jugendfreund, Volkan Özgan, stand für den Film zum ersten Mal vor der Kamera. Im richtigen Leben betreut er kriminelle Jugendliche, das sorgte auf der Pressekonferenz angesichts seiner Rolle als brutaler Kleinganove für Heiterkeit unter den anwesenden Journalisten. "Es war witzig, Tibet zu spielen, weil ich genau das Gegenteil von ihm bin", kommentierte Özgan seine Arbeit als Schauspieler.

Drama im Drogenmilieu

Das im Drogenmilieu angesiedelte Drama "Chiko" wurde von der Filmförderung nordmedia Fonds GmbH und der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein unterstützt. Im Mittelpunkt steht der Deutschtürke Chiko, gespielt von Denis Moschitto ("Kebab Connection"), der sich in seinem Milieu Respekt verschaffen will. Um mit dem Drogendealer Brownie (Moritz Bleibtreu) ins Geschäft zu kommen, setzt er die Freundschaft mit seinem bestem Freund Tibet (Volkan Özgan) aufs Spiel. Regisseur Yildirim setzt den Konflikt derart hart und nüchtern in Szene, dass Parallelen zu Fatih Akins Debüt "Kurz und Schmerzlos" nicht von der Hand zu weisen sind und dem Zuschauer die Bilder der Gewalt lange nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Auftakt mit Rolling-Stones-Dokumentation

Den Auftakt der Filmfestspiele bildete die Dokumentation des Oscar-Preisträgers Martin Scorsese über zwei Konzerte der Rolling Stones. Sowohl die Bandmitglieder Mick Jagger, Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts als auch der Regisseur selbst waren bei der Premiere anwesend. Das Publikum zeigte sich begeistert und feierte den Film mit stehenden Ovationen. "Shine a Light" lief im Wettbewerb, der von einer achtköpfigen Jury unter der Präsidentschaft des zweifachen Oscar-Preisträgers, dem französischen Regisseur Constantin Costa-Gavras, beurteilt wurde. Im Wettbewerb waren 26 Filme zu sehen, 18 Streifen waren Weltpremieren, fünf Filme liefen außer Konkurrenz.

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