Stand: 29.02.2016 12:00 Uhr

Oscar-gekrönt: Thriller "Spotlight"

Spotlight
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Der Film ist der Gewinner der Oscarverleihung: "Spotlight" von Tom McCarthy musste sich zwar mit Konkurrenten wie "The Revenant", "The Big Short" und "Mad Max - The Fury Road" rumschlagen, aber am Ende wurde "Spotlight" in der Kategorie "Bester Film" ausgezeichnet.

Spannung pur

Selten war man im Kino so gebannt. Dabei gibt es in diesem Film keine Spezialeffekte, keine Action, keinen Sex, ja noch nicht mal einen Auffahrunfall. In Tom McCarthys Film "Spotlight" schaut die Kamera einer Gruppe von Reportern der amerikanischen Tageszeitung "Boston Globe" im Jahre 2001 beim Recherchieren eines Falles zu. Eines Falles? Zunächst scheint es tatsächlich nur ein katholischer Priester zu sein, der mehrere Kinder missbraucht hat. Soll man dafür in Kauf nehmen, die konservative Leserschaft zu verärgern?

Großartiger Michael Keaton als Reporter

Ein geheim arbeitendes Spezialteam wird auf die Sache angesetzt. Geleitet wird es zu unser aller Freude von dem großartigen Schauspieler Michael Keaton bzw. seiner Reporter-Figur Robby Robinson. Die Spotlight-Reporter schwärmen aus. Und schnell wird klar, dass die Untersuchung des Missbrauchsskandals an den Grundfesten, an der Identität und am Selbstverständnis der Erzdiözese Boston rührt. Wusste der Kardinal von den Vorfällen? Oder schlimmer: Hat er sie systematisch vertuschen lassen. Als Michael Keatons Robby Robinson den Anwalt der Kirche trifft, begegnet ihm eine Bunkermentalität.

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Ein Reporterteam um Michael Keaton (2. v.r.) recherchiert zu einem Kindesmissbrauchsfall - und deckt einen unglaublichen Skandal auf.

Gerade hat die Zeitung einen neuen Chefredakteur bekommen. Marty Baron, ein Typ aus Florida scheint arrogant und mit der Stadt Boston kein bisschen vertraut zu sein. Aber genau diese Außenseiterrolle erweist sich als immenser Vorteil. Dem neuen Boss, gespielt von Liev Schreiber, ist das Establishment der Stadt herzlich egal. Er will spannende Stories drucken. Und er bringt eine Mischung aus kühlem Kopf und Kampfgeist ins Büro.

Bis in die Tiefen der amerikanischen Gesellschaft

Ein meisterlich geschriebenes Drehbuch und fantastische Schauspieler - das ist das Rezept dieses geradeaus erzählten, sich immer weiter in die konservativen, religiösen Urgründe der amerikanischen Gesellschaft verzweigenden Films. Rachel Adams, Mark Ruffalo und Brian d'Arcy James spielen die Mitglieder des Reporterteams, das langsam erkennt, dass dieser Skandal nicht nur Boston, sondern die USA und vielleicht die katholische Kirche weltweit betrifft.

Und Michael Keatons alteingesessener Journalist wird mit der Tatsache konfrontiert, dass der Missbrauch in seiner Stadt nicht nur vertuscht und gedeckt, sondern gewissermaßen als kleiner Schönheitsfehler der Institution in Kauf genommen wird.

Großartiger Film

Wann soll man mit der Story an die Öffentlichkeit gehen? Bedeutet jeder Tag, den man wartet nicht neue Opfer? Andererseits gilt es doch, zu einem möglichst wirksamen Schlag auszuholen, der, das können die Reporter noch nicht wissen, weltweit zur Aufdeckung des Missbrauchs innerhalb der Kirche führen wird. Dieser Konflikt zwischen journalistischer Vernunft und moralischer Verantwortung zerrt an den Nerven der Truppe. Und er führt bei dem von Mark Ruffalo gespielten Kollegen zum einzigen großen emotionalen Ausbruch in diesem großartigen Film.

Spotlight

Genre:
Thriller
Produktionsjahr:
2015
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Michael Keaton, Mark Ruffalo, Rachel McAdams
Regie:
Tom McCarthy
Länge:
128 min.
FSK:
FSK ab 0 Jahre
Kinostart:
25. Februar 2016

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 25.02.2016 | 07:20 Uhr

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