Stand: 12.01.2016 15:40 Uhr

Moritz Bleibtreu: Anwalt mit Killerinstinkt

Die dunkle Seite des Mondes
Vorgestellt von Walli Müller

Die Romane des Schweizers Martin Suter werden auch in der Film-Branche gern gelesen, weil sie oft guten Film-Stoff liefern. "Lila Lila", "Small World", "Der Koch" - ein Suter-Roman nach dem anderen wurde verfilmt, nur einer lange nicht: "Die dunkle Seite des Mondes". Diese düstere Schauergeschichte aus der Welt der Businessmen ist schon im Jahr 2000 erschienen, galt bisher aber als unverfilmbar. Regisseur Stephan Rick beweist nun das Gegenteil.

Bleibtreu überzeugt als gerissener Geschäftsmann

Ein nächtlicher Wald im Vollmondlicht; ein Wolf; ein Jäger, der ihm durchs Dickicht folgt. Dann der Schnitt auf eine Großstadt-Silhouette. Es ist Frankfurt, das Banken- und Business-Zentrum, die Welt von Urs Blank. Moritz Bleibtreu spielt diesen erfolgreichen Wirtschaftsanwalt, der mit sicherem Instinkt die wunden Punkte des Gegners aufspürt und zum Vorteil seiner Mandanten nutzt. So hat er gerade die Fusion zweier Pharma-Konzerne unter Dach und Fach gebracht.

Sein Job wird Urs Blank gründlich vermiest, als der eben von ihm über den Tisch gezogene Konzern-Chef Selbstmord begeht. Trägt er die Schuld daran? Die schöne Business-Welt, zu der Maßanzüge, ein Jaguar und eine geschniegelte Vorzeige-Frau gehören, ist ihm plötzlich vergällt. Die Sinnfrage erwischt ihn mit voller Wucht.  

Unheimliche Verwandlung

Dass sich ein Filmheld in der Midlife-Crisis in eine Affäre mit einer hübschen jungen Frau stürzt, hat man dutzendfach gesehen. Das Originelle hier ist, dass damit die Kehrtwende zum Psycho-Thriller eingeleitet wird. Denn mit dem Hippie-Mädchen Lucille nimmt Blank halluzinogene Pilze, die seine Persönlichkeit völlig verändern.

Sein immer schon latent vorhandener Killerinstinkt kommt nun zum Vorschein. Man könnte auch sagen: Der Wolf in ihm erwacht. Immer unbeherrschbarer werden seine Gewaltausbrüche, immer unheimlicher wird er sich selbst. Es ist fesselnd, Moritz Bleibtreu bei dieser Verwandlung zuzuschauen. Er überzeugt in der Jeckyll-und-Hyde-Rolle, die natürlich nichts anderes verbildlicht als den real existierenden, gerissenen Businessman.

Das machte die Sache für Bleibtreus Co-Star Jürgen Prochnow so interessant: "Ich fand das 'nen sehr spannenden Entwurf, ein Abbild unserer Gesellschaft, wo Leute nur noch im Kopf haben, andere Leute schamlos und brutal auszunutzen, um Geld zu machen, Geld, Geld, Geld. Und das geht eben so weit, dass jede Menschlichkeit verloren geht in diesen Figuren."

Penetrante Bildsprache

Wie schon in der Romanvorlage zieht sich der Held immer mehr in den Wald zurück - auf der Flucht vor seinem schauerlichen Selbst und auf der Suche nach Heilung. Auch der Kameramann ist also viel im Wald unterwegs, filmt immer wieder Bäume, Vollmond und Wölfe. Das ist bildsprachlich etwas penetrant, aber wohl schwer anders zu lösen. Abgedroschen wirkt auch der Pharma-Skandal, der noch hinzugedichtet wurde, um der Sache etwas mehr Thrill zu verleihen.

Abgesehen davon aber hat Regisseur Stephan Rick die Aufgabe passabel gelöst. Die Zuschauer bekommen hier eine sehenswerte Moritz-Bleibtreu-Show und recht ordentliche Spannung. Das findet auch Martin Suter: "Dafür, dass es als unverfilmbar galt, ist es sehr gut gelungen. Also besser als viele verfilmbare Bücher, die ich geschrieben hab."

Die dunkle Seite des Mondes

Genre:
Thriller
Produktionsjahr:
2015
Produktionsland:
Deutschland, Luxemburg
Zusatzinfo:
mit Moritz Bleibtreu, Nora Von Waldstätten, Jürgen Prochnow
Regie:
Stephan Rick
Länge:
98 min.
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
14. Januar 2016

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 13.01.2016 | 06:40 Uhr

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