Sendedatum: 31.07.2013 06:40 Uhr

Frances Ha

von Roderich Fabian
Bild vergrößern
Frances (Greta Gerwig) kann das Leben durchaus genießen.

Vor ein paar Jahren machte der Begriff "Mumblecore" die Runde. Damit waren spontan und billig entstandene, amerikanische Indie-Filme gemeint, in denen die Darsteller undeutlich sprachen, die dafür aber sehr authentisch wirkten. Als "Queen of Mumblecore" galt schon bald die heute 30-jährige Schauspielerin Greta Gerwig.

Gerwig hat sich jetzt privat und beruflich auf den Regisseur Noah Baumbach eingelassen. Der hat zwar nie Mumblecore-Filme gedreht, dafür aber lakonische Komödien wie "Greenberg" (2010) oder "Der Tintenfisch und der Wal" (2005) - Geschichten aus dem bildungsbürgerlichen Mittelstand, immer nah an der Wirklichkeit gebaut. Nun kommt das neueste Baumbach/Gerwig-Produkt in unsere Kinos: der Film "Frances Ha".

Erinnerung an Woody-Allen-Filme

Frances Ha

Drama/Komödie, schwarzweiß
USA 2012
Regie: Noah Baumbach
FSK: 6 Jahre

mit:
Greta Gerwig
Mickey Sumner
Michael Esper
Michael Zegen

Kinostart: 1. August 2013

Von Anfang an erinnert alles an die Klassiker von Woody Allen. Der Film ist in Schwarzweiß gedreht, spielt in New York City und zwar in der Künstlerszene, wo junge Autoren, Musiker und in diesem Fall eine Tänzerin namens Frances Halladay ums Überleben kämpfen. "Frances Ha" heißt der Film, weil ihr kompletter Name nicht auf die schmalen Briefkästen passt. Der Titel deutet natürlich auch auf das irgendwie unvollständige Leben der Hauptfigur hin, die von Greta Gerwig gespielt wird. Sie wirkte übrigens 2012 auch in Woody Allens Film "To Rome with Love" mit.

Frances steht noch ganz am Anfang ihrer Karriere als Tänzerin. Sie zweifelt an allem und vor allem - höchstsympathisch natürlich - an sich selbst. Männer kommen und gehen in ihrem Leben, die einzige Konstante ist ihre beste Freundin und Mitbewohnerin Sophie, gespielt von Mickey Sumner, Tochter des Musikers Sting. Sophies männliche Freunde sind sehr interessiert an Frances.

Passt schon irgendwie

Bild vergrößern
Sophie (Mickey Sumner) ist Frances beste Freundin. Sie wohnen in einer gemeinsamen Wohnung. Aber Sophie wird bald ausziehen.

Doch die Zweisamkeit von Sophie und Frances zerbricht. Sophie zieht mit einer anderen in ihr Traumviertel, nach Tribeca. Frances kann sich die Wohnung alleine nicht leisten - und so beginnt für die junge Tänzerin eine Odyssee durch die Stadt. Die Kapitel des Films sind untergliedert in die einzelnen Adressen, die Frances in den nächsten Monaten hat. Irgendwie wird immer irgendwo für eine Weile ein Zimmer frei. So lernt Frances im Lauf des Films immer neue Mitbewohner kennen. Manche sind nett, manche sind doof, wie das halt so ist. Benji, der versucht, als Autor bei Fernsehshows unterzukommen, ist genau wie Frances - immer zwischen Ruin, Verzweiflung und gelegentlichen Ausflügen in eine Passt-schon-irgendwie-Haltung.

Um vor anderen Leuten zu glänzen, fliegt Frances mit geliehenem Geld nach Paris, nur um sich dort - ganz allein - furchtbar zu langweilen. Sie rührt gerade in einem Café-au-Lait, als sich ihre Freundin zurückmeldet. Die ist inzwischen fest liiert und hat große Pläne.

Selbstironie als Überlebensstrategie

Bild vergrößern
So richtig glücklich ist Frances dennoch nicht. Alles passt schon irgendwie, aber nichts passt richtig.

Die Beziehung von Frances und Sophie zieht sich wie ein roter Faden durch den Film: Die eine lässt sich immer viel zu früh auf viel zu feste Sachen ein, die andere - Frances - kann sich nie so recht entscheiden. Okay sind sie beide, ausgeliefert einer Welt, in der es nur um Geld und Karriere geht. Aber wie bei Woody Allen ist es die Selbstironie, die sie immer wieder rettet. Schön zu scheitern und trotzdem seinen Spaß dabei zu haben - darum geht's in "Frances Ha".

Und Leute in der gleichen Situation, von Buenos Aires bis Madrid, von Berlin bis München, werden sich häufiger ans eigene Leben erinnert fühlen. Doch mit "Frances Ha" werden sowohl Regisseur Noah Baumbach als auch Greta Gerwig einen Karrieresprung machen. Schon jetzt können sie sich in New York City Wohnungen leisten, von denen Frances Halladay nur träumen kann. Wir sind gespannt, wie sie dieses Glaubwürdigkeitsproblem in Zukunft lösen werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 31.07.2013 | 06:40 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/film/Frances-Ha,francesha111.html