Stand: 04.04.2017 21:06 Uhr

Drama um "Gorch Fock"-Kadettin als Spielfilm

Der Fall ist bis heute rätselhaft: Während einer Nachtwache auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock" geht die Kadettin Jenny Böken im September 2008 über Bord, Tage später wird ihr Leichnam in der Nordsee entdeckt. Viele Fragen der Tragödie sind auch heute noch offen.

Heute Abend widmet sich Das Erste dem rätselhaften Tod der jungen Soldatin. Grimme-Preisträger Raymond Ley hat nicht nur einen Fernsehfilm mit dem Titel "Tod einer Kadettin" über die Ereignisse an Bord des Dreimasters gedreht, sondern auch eine gründliche Dokumentation des Falls. Sie läuft direkt im Anschluss an den Film.

Film lehnt sich an wahre Ereignisse an

In Anlehnung an die wahre Begebenheit erzählt der Film "Tod einer Kadettin" fiktiv von einer jungen Frau, die unbedingt zur Marine will und Medizin studieren. Am Ende kann sie ihren Traum nicht so einfach leben wie erwartet. Ley schrieb das Drehbuch gemeinsam mit seiner Frau Hannah. Der vom NDR in Auftrag gegebene Film ist angelehnt an die wahren Ereignisse und inspiriert von dem Sachbuch "Unser Kind ist tot" der Journalistin Dona Kujacinski. Hauptdarstellerin ist die bereits mehrfach ausgezeichnete Maria Dragus ("Das weiße Band"). An ihrer Seite spielen Lisa Hrdina, Harald Schrott und Miroslaw Baka. Gedreht wurde in Gdynia und Umgebung (Danziger Bucht, Polen), als Kulisse diente der Crew das Schiff "Dar Mlodziezy".

Mord, Selbstmord oder Unglück?

Nach Ansicht Leys, Regisseur des Films, gehörte die Kadettin nicht an Bord des Segelschulschiffes der Marine. Böken hätte unter gesundheitlichen Einschränkungen gelitten, so Ley. Zudem sei nach einer Beurteilung eine Eignung zum Offizier nicht erkennbar gewesen. "Warum sie an Bord gekommen ist, kann nur die Marine beantworten."

Regisseur Ley zeigt im Film mehrere Varianten, was passiert sein könnte: Mord, Selbstmord, Unglück. Die Eltern der Soldatin vermuten, dass die 18-Jährige bereits tot war, als sie ins Wasser stürzte. "Wir halten es für hoch wahrscheinlich, dass Jenny schon an Bord zu Tode gekommen ist. Das würde auch erklären, warum sie kein Wasser in der Lunge hatte", sagte Vater Uwe Böken. Die Eltern glauben nicht an einen Mord, "aber es könnte ein Streich einer Clique gewesen sein, die Jenny auf der 'Gorch Fock' möglicherweise irgendetwas in den Tee getan hat".

Ihre Tochter habe bei der Marine immer wieder darüber geklagt, extrem müde zu sein und einzuschlafen - "ein Phänomen, das sie vorher niemals hatte", sagte Böken. Möglicherweise könnte dies mit den zahlreichen Impfungen bei der Bundeswehr zusammenhängen.

Eltern hoffen weiter auf Zeugen

Die Marine hält den Fall für abgeschlossen und äußert sich nicht mehr zu Details. Es handle sich um ein schweres Schicksal für die Eltern, mit denen man tief mitfühle, so ein Sprecher. In mehreren Gerichtsprozessen sei das Geschehen juristisch aufgearbeitet worden. Dagegen hoffen die Eltern, "dass von den rund 200 Menschen, die damals an Bord waren, einige doch noch die Kraft finden und endlich berichten, was in der Todesnacht wirklich passierte".

Die Kieler Staatsanwaltschaft sprach im Fall Jenny Böken von einem Unglück. Im vergangenen Jahr hat das Oberverwaltungsgericht in Münster eine Klage der Eltern auf Entschädigung abgewiesen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Böken 2008 auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock" nicht unter "besonders lebensgefährlichen" Umständen gestorben sei.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 27.02.2017 | 19:30 Uhr

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