Stand: 26.08.2015 17:00 Uhr

"Straight Outta Compton": Rappen gegen Armut

Straight Outta Compton
Vorgestellt von Katja Nicodemus

In der Welt des Rap haben sie eine unvergleichliche Karriere hingelegt: Dr. Dre und Ice Cube. Nun erzählt ein Film "Straight Outta Compton“ die Geschichte der beiden Musiker und ihrer Band N.W.A.

Wie der Gangsta-Rap entstand

Zehn Jahre hat die Produktion dieses Films gedauert, immer wieder wurden Regisseure gefeuert, wurde das Drehbuch umgeschrieben. Aber so ist das eben, wenn die Story einer Band erzählt wird, die Popgeschichte geschrieben hat. Und zwar von Anfang an, als noch nicht mal die Mütter an den Erfolg ihre Söhne glaubten.

Es begann in einem Vorort von Los Angeles

In Compton, einem crackverseuchten Vorort von Los Angeles, fängt Mitte der 80er-Jahre alles an: Wir sehen O'Shea Jackson, genannt Ice Cube, im Schulbus sitzen und notieren, was er in seinem Viertel sieht: Drogenhandel, Polizeirazzien, Gang-Gewalt, Armut. Wir sehen den Jugendlichen André Young, genannt Dr. Dre, durch die Straßen grooven. Gemeinsam werden sie den Rapper Eazy-E anheuern und die Band N.W.A gründen. N.W.A. steht für "Niggaz Wit Attitude", für Street Credibility und für den Zorn auf die weiße Mehrheitsgesellschaft, die die Schwarzen in den Ghettos am liebsten sich selbst überlassen würde.

1988 produziert die Band ihr erstes Album namens "Straight Outta Compton". Mit Songs wie "Fuck tha police", die das Ghetto und die Polizeigewalt kommentieren und von dem erzählen, was die Bandmitglieder selbst täglich erleben.

Das weiße Establishment ist verunsichert

Ein Film über die berühmteste Rap-Band der Welt muss vor allem eines sein: authentisch. Und da Ice Cube und Dr. Dre den Film koproduzierten, entsteht hier eine mitreißende Gangsta-Rap-Erzählung über das Lebensgefühl der Schwarzen in der Reagan-Ära, bis in die Details: Die T-Shirts sind weiß und weit, und jeder Satz enthält das Wort "Fuck". Die Stimmung ist nervös und fiebrig, und Wut wird zu Worten. Das Ergebnis ist ein Sound, der das weiße Establishment zutiefst verunsichert, wie sich bei der ersten Pressekonferenz zeigt.

Aufstiegsgeschichte aus schwarzer Perspektive

Am Stärksten ist F. Gary Grays Film in der ersten Hälfte, wenn er die Entstehung der Band erzählt, eine amerikanische Aufstiegsgeschichte aus schwarzer Perspektive, als Wechsel aus Konzerten, Orgien, Studiosessions, Alltagsszenen. Danach beginnen die Rivalitäten und Streitigkeiten um Geld, Anerkennung und Einfluss. Es scheint, dass Ice Cube und Dr. Dre penibel darauf geachtet haben, im rechten Licht dazustehen, um im Film klar zu machen, weshalb der eine eine Solokarriere anstrebte und der andere zum Erfolgsproduzenten wurde. Aber trotz gewisser Längen und Zerfaserungen: Die Protagonisten rappen wie sie reden, und daher sollte man sich diesen Film am Besten in der Originalfassung anschauen.

Die besungenen Zustände sind gleich geblieben

Natürlich kommt man gar nicht umhin, bei diesem Film auch an Ferguson und die USA von heute zu denken. Der Rassismus und das, was er hervorruft, wurde von der Band N.W.A. in ein kapitalistisches Popwunder verwandelt. Doch die Festnahmen und Demütigungen, die in "Straight Outta Compton" so authentisch inszeniert werden, unterschieden sich nicht von dem, was man heute auf YouTube sieht. Und das ist die bittere Quintessenz dieses energiegeladenen Films: Seine Helden mögen heute Millionäre sein, aber die Zustände, von denen ihre Musik erzählt, haben sich kaum oder nicht verändert.

Straight Outta Compton

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2014
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Paul Giamatti, O'Shea Jackson Jr., Corey Hawkins, Jason Mitchell, Aldis Hodge, Neil Brown Jr.
Regie:
F. Gary Gray
Länge:
147 min.
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
27. August 2015

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 27.08.2015 | 07:20 Uhr

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