Stand: 16.02.2017 07:00 Uhr

"Elle": Psychothriller mit Isabelle Huppert

Elle
, Regie: Paul Verhoeven
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Den Golden Globe hat Isabelle Huppert bereits gewonnen, für ihre Rolle in Paul Verhoevens Film "Elle". Jetzt ist sie auch noch für den Oscar nominiert.

Patrick (Laurent Lafitte) und Michèle (Isabelle Huppert) am Fenster © SBS Productions

Filmtrailer: "Elle"

Paul Verhoevens Film "Elle" zeigt die sexuelle Entdeckungsreise einer Frau. Darin balanciert Isabelle Huppert zwischen der Gewalt, die ihr angetan wird, und der Lust, die sie sich nimmt.

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Eine brutale Vergewaltigung

Sie ist die Chefin! Die Chefin eines Ladens, der Computerspiele entwickelt - und die Chefin dieses Films. Ach was, der internationalen Filmwelt, die ihr für diesen Film zu Füßen liegt. Denn die Rolle der Michèle in Paul Verhoevens Film "Elle" ist wie gemacht ist für Isabelle Huppert. Die schlagfertige, gewitzte, blitzgescheite, sarkastische Frau. Als erfolgreiche Geschäftsfrau lebt sie in einer geräumigen Villa in einem Vorort von Paris. Doch gleich zu Beginn des Films geschieht etwas Brutales. Beim Abendessen mit Freunden rückt Michèle mit der Sprache raus.

"Elle" ist ein Film über eine Frau, der Gewalt angetan wird. Aber er ist auch das Gegenteil: Ein Film über eine Frau, die die Vergewaltigung wegschiebt. Die sich die Macht, die ihr genommen wurde, zurückholen wird. "Elle" ist ein Film über Michèles Welt: Da ist der verzogene Sohn, den sie finanziell unterstützt. Da ist die anstrengende Mutter, die ihren neuen Liebhaber heiraten will. Da ist Michèles eigener Liebhaber, der auch noch der Mann ihrer besten Freundin und Geschäftspartnerin ist. Und da ist die brutale Tat, die Michèle weiter verfolgt.

Psychothriller mit komödiantischen Momenten

Dieser Film entzieht sich allen Einordnungen und Kategorien. Er ist ein Psychothriller und in manchen Momenten eine Komödie. Er ist ein psychologisches Drama und ein Film über eine Frau, die sich auf ihre Weise zu wehren weiß. Auch im Beruf: In Michèles Firma ist eine Computeranimation aufgetaucht, bei der sie selbst in einer pornografischen Szene zu sehen ist. Beim Training am Schießstand macht sie einem ihrer Angestellten ein Angebot. Pragmatisch, wie sie nun mal ist.

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Michèle (Isabell Huppert) lässt sich nicht unterkriegen.

Michèle lässt sich von der traumatischen Erfahrung der Vergewaltigung nicht traumatisieren. Sie lebt einfach weiter, wie ein Stehaufmännchen. Oder wie eine Kriegerin. Tatsächlich kann diese Frau über das Trauma hinweggehen, weil sie schon seit ihrer Kindheit in einem Trauma lebt. Michèles Vater ist ein Massenmörder, der seine kleine Tochter einst in eine grauenvolle Tat mit hineinzog. Es ist typisch für die Tonlage von Paul Verhoevens Film, dass Michele ihrem Nachbarn davon im beiläufigen Konversationston erzählt - als handle es sich um einen Wanderausflug.

Isabelle Huppert als Michèle dominiert den Film

Ja, Isabelle Huppert ist die Chefin dieses Films. Man könnte ihr ewig dabei zuschauen, wie sie durch Paris fährt, in teuren Restaurants isst, ihre Mutter, ihren Sohn und ihre Firma organisiert, hin und wieder bösartige Bemerkungen macht - und nach und nach zu sich selbst und zu ihrer Sexualität findet. Denn "Elle", dieser merkwürdige, faszinierende Film, ist auch die sexuelle Entdeckungsreise einer Frau. Auf ihrem Weg wird Michèle endlich auch zur Chefin ihrer eigenen verdrängten Innenwelt. Sie balanciert zwischen der Gewalt, die ihr angetan wird, und der Lust, die sie sich nimmt. Die kleine Gigantin Isabelle Huppert nimmt uns mit auf den Drahtseilakt ihrer großartigen Performance.

Elle

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2016
Produktionsland:
Frankreich, Deutschland, Belgien
Zusatzinfo:
mit Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Christian Berkel
Regie:
Paul Verhoeven
Länge:
131 min
FSK:
FSK ab 16 Jahre
Kinostart:
16. Februar 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 16.02.2017 | 07:20 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/film/Drama-Elle,elle112.html

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