Stand: 09.02.2016 11:00 Uhr

Grubenunglück mit Antonio Banderas

69 Tage Hoffnung
Vorgestellt von Krischan Koch

Über zwei Monate war im Jahr 2010 eine Gruppe von Bergleuten in einer Kupfermine in Chile eingeschlossen und hielt die Öffentlichkeit in Atem. Jetzt gibt es einen großen Kinofilm über das Grubenunglück von San José: "69 Tage Hoffnung" mit Antonio Banderas und Juliette Binoche.

33 Bergleute bei Grubenunglück verschüttet

Als sie in den Stollen einfahren, sind die 33 Bergleute noch bester Laune. In der armen Provinz im Norden Chiles müssen sie froh sein, überhaupt einen Job ergattert zu haben. 700 Meter unter Tage werden sie dann von dem Unglück überrascht. Zwischen ihnen und der Oberwelt löst sich mit gewaltigem Donnern ein Fels von gigantischem Ausmaß. Er kappt sämtliche Verbindungen zur Außenwelt. Eine schnelle Bergung ist ausgeschlossen. Die einzige Chance für die Verschütteten wäre eine aufwendige neue Bohrung.   

Die Bergleute haben sich in eine kleine Kammer gerettet, ein Refugium, in dem sie dicht gedrängt ausharren und auf Hilfe hoffen. Der Proviant reicht nur für wenige Tage. Die Eingeschlossenen versuchen kühlen Kopf zu bewahren. Aber der Vorarbeiter (Lou Diamond Phillips) und der heimliche Anführer Mario (Antonio Banderas) sind sich über die Vorgehensweise nicht einig.

Nach einem Roman über die Katastrophe von San José

Der Film basiert auf dem Buch "Deep Down Dark" des Journalisten Hector Tobar über das Minenunglück von San José. Die Grubenszenen hat Regisseurin Patricia Riggen an Originalschauplätzen unter Tage gedreht. Gleichzeitig hat die mexikanische Filmemacherin die große Kinoleinwand im Blick. Dabei verliert sich ihr Film etwas unentschlossen zwischen Katastrophenkino und nüchternem Dokudrama. Allzu brav wird die Geschichte nacherzählt: das ewige Warten der Bergleute und der Kampf der Angehörigen.

Viel zu selten gelingen Patricia Riggen wirklich bewegende Momente, wenn sie die tristen Lebensumstände ihrer Helden zeigt oder wenn sich die Eingeschlossenen nach Wochen die letzten Tropfen Milch teilen.

Brave Nacherzählung ohne fesselnde Momente

Der Film ist längst nicht so fesselnd wie die Fernsehberichte über das Unglück damals. Und das liegt nicht daran, dass wir den Ausgang kennen. Die klaustrophobische Enge vermittelt sich nicht recht. Die Charaktere fesseln einen nicht wirklich. Ihre Verzweiflung und ihr Mut sind kaum spürbar. Juliette Binoche als kämpferische Empanadas-Verkäuferin sieht aus wie für den Fasching verkleidet. Auch Antonio Banderas als verschwitzter Bergmann mit Grubenlampe im Helm kann uns nicht mitreißen. Diese 69 Tage werden auch für den Zuschauer mächtig lang.

69 Tage Hoffnung

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2015
Produktionsland:
USA, Chile
Zusatzinfo:
mit Antonio Banderas, Gabriel Byrne, Juliette Binoche, Rodrigo Santoro
Regie:
Patricia Riggen
Länge:
127 min.
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
11. Februar 2016

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 10.02.2016 | 06:40 Uhr

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