Stand: 28.07.2017 12:12 Uhr

Andy Serkis: Gollums wahres Gesicht

von Patricia Batlle

Millionen Menschen haben ihm in die stechend blauen Augen geschaut. Denn Andy Serkis spielt in einigen der bekanntesten Blockbuster der vergangenen 20 Jahre mit. Und doch erkennen ihn nur wenige. Ein Porträt des Briten, der ab dem 3. August als Affen-Anführer und Schimpanse Caesar in "Planet der Affen - Survival" im Kino zu sehen ist, ohne sichtbar zu sein.

Im "Herrn der Ringe", in "King Kong", in den Abenteuern der Trilogie "Planet der Affen"; sogar in "Star Wars VII - Das Erwachen der Macht" hat er prägnante Rollen gespielt. "Are you the actor", sprich, "Sind Sie der Schauspieler?" wird der schwarzlockige Brite dann gefragt, wenn ihn dann doch jemand auf der Straße anhält. Weltweit bekannt ist er als bemitleidenswerte Kreatur Gollum in Peter Jacksons Trilogien "Herrn der Ringe" und "Der Hobbit".

Andrew Serkis - seine prägnanten Filmrollen

Fans fragen nach Rollen, nicht nach Privatleben

Dass er nicht so häufig erkannt wird wie berühmtere Kollegen stört Serkis gar nicht: "Ich fühle mich nicht so, als ob ich unbekannt wäre". Er sei Schauspieler geworden, weil er die Kunst der Verwandlung liebt. "Jemand anderes zu werden, war die befreiendste Erfahrung daran für mich." Zudem sprechen ihn Passanten nie auf seine Privatsphäre an, sondern auf seine Rollen. "Sie bitten mich, Gollum zu sprechen oder fragen, wie es Caesar geht."

Der 53-jährige Künstler mit beeindruckender physischer Präsenz ist seit seinem 20. Lebensjahr Mitglied im Royal Exchange Theatre von Manchester. Er leiht seinen Rollen seinen Körper, seine Stimme, seine Gefühle - aber selten sein Aussehen: Denn Andy Serkis ist so etwas wie der ungekrönte Motion-Capture-Meister. Das ist die Kamera-Technik, die Blicke und Bewegungen des Schauspielers mit aufgeklebten Punkten am Körper aus vielen Perspektiven aufzeichnet. Diese werden später am Computer auf eine virtuelle Figur übertragen.

Mit dem Neuseeländer Peter Jackson hat er das Motion-Capture-Verfahren verfeinert. Ursprünglich sollte er in der Rolle des Gollum nur als Referenz für die anderen Schauspieler sprechen, damit die anderen Schauspieler nicht ins Leere sprechen. Doch als Jackson sah, wie sich Serkis beim Casting am Set bewegte, änderte er seine Meinung. Er wies an, dass die Kameras jede Bewegung, die er macht, aufzeichnen und die Computer-Animatoren das als Vorlage für die digitale Rolle nutzen: "Sie haben dann Gollums Gesicht so umgestaltet, dass die Physiognomie meiner identisch war", erinnert sich Serkis.

Für Steven Spielberg hat er in "Tim und Struppi" einen Ausflug in die Animation gemacht, für "King Kong" - natürlich als Riesengorilla - erneut mit Jackson zusammengearbeitet. In "Star Wars - Das Erwachen der Macht" war er der Supreme Leader Snoke. Seit fünf Jahren spielt er die Hauptrolle in der Trilogie der Fortsetzung des Klassikers "Planet der Affen" (1969): Er verkörpert den Schimpansen Caesar, der unter Menschen aufgewachsen ist und durch eine Mutation gelernt hat, zu sprechen. Im Abschluss der Trilogie "Survival" führt er seine Affen zum finalen Kampf gegen die Menschen.

Filme mit und von Andrew Serkis (Auswahl)

  • Herr der Ringe: Gefährten, 2001
  • King Kong, 2005
  • Prestige - Meister der Magie, 2006
  • Planet der Affen Prevolution 2011
  • Der Hobbit - Eine unerwartete Reise 2012
  • Star Wars: Das Erwachen der Macht (2015)
  • Planet der Affen: Survival, ab 4. August 2017
  • Star Wars VIII - Die letzten Jedi ab 15. Dezember 2017
  • Das Dschungelbuch, vorauss. Herbst 2018

Keine eigene Oscar-Kategorie für Motion-Capture-Technik!

Ob Andy Serkis sich eine eigene Oscar-Kategorie für Bestes Motion Capture wünscht, wie Fans und Kritiker fordern, beantwortet er ganz klar: "Auf keinen Fall". Denn: "Motion Capture ist eine Technik, hinter der Schauspielkunst steckt". Es wäre daher höchste Zeit, dass Andy Serkis für seine Rolle als Caesar zumindest eine Oscarnominierung als Bester Schauspieler erhält.

Als Nächstes ist Serkis in "Star Wars VIII - Die letzten Jedi" zu erleben, wie bereits in "Star Wars VII" als digitaler Supreme Leader Snoke. Zudem sitzt er nun selbst im Regiestuhl: Für eine weitere Neuauflage vom "Dschungelbuch" in Motion-Capture-Technik. Serkis verkörpert darin den Bären Baloo.

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Dieses Thema im Programm:

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