Stand: 29.12.2016 16:05 Uhr

Elbphilharmonie: Die Akustik und die weiße Haut

von Daniel Kaiser

Jetzt sind es nur noch wenige Tage, dann wird beim Eröffnungskonzert auch das letzte Geheimnis der Elbphilharmonie gelüftet: Wie wird sie klingen? Wird es im großen Saal wirklich - wie versprochen - eine Weltklasse-Akustik geben? Bis dahin darf kein Orchesterton die Elbphilharmonie verlassen. Die Verantwortlichen haben Angst, dass die Akustik zerredet wird. Und doch gibt es Hinweise, dass der Saal ziemlich gut gelungen ist.

Der Opernsänger Philippe Jaroussky steht mit dem Rücken zu Kamera im Elbphilharmonie Konzertsaal.

Jaroussky begeistert von Elbphilharmonie-Akustik

Hamburg Journal -

Experten aus Japan haben lange am perfekten Sound für den Großen Saal der Elbphilharmonie getüftelt. Opernsänger Philippe Jaroussky war bei ersten Proben voll des Lobes.

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Warm, klar - unglaublich!

Philippe Jaroussky durfte schon einmal Probe singen. Der bekannte Counter-Tenor stand ganz allein auf der Bühne und blickte seinen Tönen nach. "Es klingt sehr warm und sehr klar. Für mich ist es zwischen einem Konzerthaus und einer Kirche", erklärt der Sänger. "Ich bin kein Wagner-Sänger, aber hier habe ich das Gefühl, eine sehr große Stimme zu haben. Das ist unglaublich."

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Die weiße Haut soll eine besondere Akustik in den Großen Saal der Elbphilharmonie bringen.

Die Nervosität in der Elbphilharmonie ist groß. Fast übertrieben groß. Es durfte noch nicht einmal der Zeitpunkt der ersten Geheimprobe mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester im September bekannt gegeben werden. Es war echte Panik vor schlechten Nachrichten. Chefdirigent Thomas Hengelbrock stand am Pult, hob den Taktstock. Stille. "Und als wir dann die allerersten Takte gespielt haben, löste sich alles. Die Musiker spielten und begannen zu strahlen. Beim Finalsatz hatten viele Musiker Tränen in den Augen", erinnert sich der Dirigent an den magischen Augenblick.

Akustik als spirituelles Erlebnis  

Auch der Chef-Akustiker, der Japaner Yasuhisa Toyota, war mit im Saal. Dem fielen die Steine zentnerweise vom Herzen. "Ich habe das Orchester alleine spielen lassen und bin selber im Saal herumgegangen, und wann immer Herr Toyota mich sah, sprang er auf mich zu, umarmte mich, hatte zum Teil auch Tränen in den Augen und sagte nur 'I am so happy! I am so happy!'", beschreibt Thomas Hengelbrock diesen Moment.

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Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz war bei dieser Probe auch dabei, kam aber erst zur Pause dazu und traf auf die Musiker, die ihm aus dem Saal entgegenkamen, "aber die waren nicht zufrieden. Die waren irgendwie erleuchtet."

Yasuhisa Toyota hatte für den großen Konzertsaal die sogenannte "weiße Haut" erfunden. Das sind 10.000 Gipsplatten an den Wänden mit Wellen und Tälern, die den  Klang optimal reflektieren. Am Computer ausgetüftelt. Aber von wegen "weiß", sagt Architekt Jacques Herzog: "Es ist keine weiße Haut, sondern eine mineralische Oberfläche, die sich mit dem Raum verbindet."

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Dieses Weiß ist eher grau. Der Konzertsaal bekommt dadurch einen eher heimeligen Touch.

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"Es ist wirklich eher so wie eine Höhle oder wie ein Krustentier, das sich zu einem Raum ausdehnt. Ich glaube, es ist wirklich toll geworden", erklärt Herzog.

Die Akustik der Elbphilharmonie ist auch demokratisch. Die weiße Haut mache selbst die günstigsten Plätze unterm Dach zu einem Erlebnis, beteuert Thomas Hengelbrock: "Ganz oben sind meiner Meinung nach auch die besten Plätze. Überall kann man gut hören. Aber es ist wirklich so: Wenn Sie ganz, ganz oben sitzen - in der größtmöglichen Entfernung vom Orchester, hören Sie dort in einer Transparenz, Deutlichkeit und Intensität. Sie glauben, das Orchester ist ganz dicht dran. Das ist phänomenal. Dieser Saal ist phänomenal."

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