Stand: 01.01.2017 16:57 Uhr

Das Konzerthaus, das nichts kosten sollte

von Joachim Hagen

Das neue Jahr hat begonnen und damit sind es nur noch wenige Tage bis zur Eröffnung der Elbphilharmonie am 11. Januar. Schon vor der Eröffnung bekommt das spektakuläre Gebäude am Hamburger Hafen viel Lob - für seine spekatkuläre Architektur, die für alle sichtbar ist. Die Musiker des NDR Elbphilharmonie Orchesters, die als Residenzorchester breits seit ein paar Monaten in der Elphi proben, schwärmen vom Klang im neuen Konzertsaal. Bei aller Begeisterung wird leicht vergessen, dass das Prestigeobjekt die Hamburger ein Vielfaches von dem gekostet hat, was ursprünglich veranschlagt war, und dass die Baugeschichte von Skandalen geprägt war.

Wie die Elbphilharmonie entstanden ist

Zu Beginn ein Versprechen

Angefangen hat die Geschichte der Elbphilharmonie mit einem Versprechen: Das neue Hamburger Wahrzeichen soll die Stadt nichts kosten. Es finanziere sich praktisch von selbst, durch den Verkauf der Luxuswohnungen und des Hotels in dem Gebäude. Das war im Jahr 2003. Aber damals war das Ganze nicht viel mehr als ein kühner Entwurf.

Zwei Jahr später dann die erste Enttäuschung: Die damalige Kultursenatorin Karin von Welk muss die Zahlen einer ersten Machbarkeitsstudie präsentieren:

"Wir gehen davon aus, dass das Gesamtgebilde 186 Millionen Euro kosten wird. Und wir hoffen, dass die erste Konzertsaison 2009/2010 stattfinden kann."    Karin von Welk im Juli 2005

Ein umstrittener Vergleich

Bild vergrößern
Der 2. April 2007: symbolische Grundsteinlegung für das Konzerthaus in der Hafencity mit Ole von Beust (2. v.l.).

Auch diese Hoffnung wird enttäuscht. Als die Hamburger Bürgerschaft 2007 den Bau der Elbphilharmonie einstimmig beschließt, liegen die Baukosten schon bei 241 Millionen. Der damalige CDU-Bürgermeister Ole von Beust versucht, die Kostensteigerung mit einem umstrittenen Vergleich zu relativieren:

"Das ist im Privaten auch so. Ich habe gerade meine Küche renovieren lassen. Das ist unterm Strich auch 15 Prozent teurer geworden als ich erwartet habe, weil überraschende Dinge auftraten. Das macht es nicht besser, aber ich glaube, die Erfahrung hat jeder, der mal was bauen lässt."   Ole von Beust im November 2006

Die Kosten steigen weiter

Bild vergrößern
Auch Generalintendant Christoph Lieben-Seutter - hier 2015 im Großen Saal der Elbphilharmonie - musste jahrelang auf die Eröffnung des Konzerthauses warten.

Aus Schaden klug geworden, vereinbart die Stadt mit dem Bauunternehmen Hochtief einen Festpreis. Aber auch der kann weitere Kostensteigerungen nicht verhindern. Der Grund: Der Bauplan wird immer wieder geändert, auch wegen neuer Anforderungen der Stadt. Auch der Generalintendant der Elbphilharmonie, Christoph Lieben-Seutter, ist für einen solchen Extra-Wunsch verantwortlich. Er hatte festgestellt, dass in den Bauplänen kein Probenraum vorgesehen ist:

"Das Hauptproblem ist, dass im alten Speicher alle paar Meter Säulen stehen, die das Gewicht tragen. Diese herauszunehmen kostet zusätzliches Geld. Und zuerst wurde gesagt, das ist zu aufwendig, da noch einen zusätzlichen Saal hineinzubauen. Als ich in das Projekt gekommen bin, habe ich klargemacht, dass ein Probensaal unverzichtbar ist. Der Betrieb im Haus wäre nachhaltig gestört, wenn ein Chor sich nicht vor dem Auftritt einsingen kann. Und so konnten wir alle Beteiligten schlussendlich überzeugen, dass ein Saal lebenswichtig ist." Christoph Lieben-Seutter

Der Streit eskaliert

Bild vergrößern
Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) steht im Juni 2011 in Hamburg mit Bauhelm auf der Baustelle der Elbphilharmonie.

Zu diesem Zeitpunkt liegen die Baukosten schon bei insgesamt 400 Millionen Euro. Die Stadt und Hochtief haben sich inzwischen total verhakt: Das Bauunternehmen gerät in die roten Zahlen und will sich weitere Planungsänderungen extra bezahlen lassen. Die Stadt fordert Vertragsstrafen, weil die Fertigstellung immer wieder verschoben wird. Der Streit eskaliert als sich Hochtief weigert, das schon fertige Dach abzusenken. Angeblich gibt es Probleme mit der Statik.

Endpreis: 789 Millionen

Der neue Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) ist kurz davor, den Vertrag mit Hochtief zu kündigen. Da kommt überraschend doch noch ein neues Angebot des Bauunternehmens: Für 200 Millionen Euro mehr will Hochtief die Elbphilharmonie zu Ende bauen.

"Ich habe mir die ganze Nacht das Gehirn zermartert, ob es nicht richtiger ist zu sagen, Rache ist Blutwurst, wir bauen, und wenn das 700 Millionen kostet, und dann prozessieren wir bis 2025 und gucken, dass wir die klein kriegen. Das wäre eine Alternative, aber so wäre sie dann auch." Olaf Scholz im Juli 2012

Das will keiner verantworten. Schließlich einigt man sich. Knapp zehn Jahre nach der Grundsteinlegung ist im Oktober Schlüsselübergabe. Die Kosten: 789 Millionen Euro.

 

Mehr zu Hamburgs neuem Wahrzeichen

Elbphilharmonie - Hamburgs neues Wahrzeichen

Die Elbphilharmonie entwickelt sich zum größten Besuchermagneten Hamburgs. Hier finden Sie Informationen zu Programm und Ticket-Kauf sowie alles rund um die spektakuläre Eröffnung. mehr

Mit der Drohne durch die Elbphilharmonie

Einmal in die Elbphilharmonie - das ist jetzt möglich. Zumindest virtuell: Per Drohne kann man durch den Innenraum der Elbphilharmonie fliegen und die Plaza und den Großen Saal besichtigen. mehr

Elbphilharmonie: Die Akustik und die weiße Haut

Nur noch wenige Tage bis zum Eröffnungskonzert der Elbphilharmonie. Wie wird sie klingen? Wird es wirklich eine Weltklasse-Akustik geben? Noch darf kein Orchesterton das Haus verlassen. mehr

mit Video

Wandelbarer "Schuhkarton" mit perfekter Akustik

Leicht wird der zweite wichtige Ort in der Elbphilharmonie vergessen: der Kleine Saal. Bevor am 12. Januar das "Ensemble Resonanz" diesen wichtigen Konzertraum eröffnet, sind starke Nerven nötig. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 01.01.2017 | 10:57 Uhr

Mehr Kultur

59:52

Bettina Tietjen - die Talklady im Porträt

25.11.2017 00:10 Uhr
NDR Fernsehen
00:59

Hakenkreuz auf Sportplatz-Gelände zerschlagen

24.11.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
01:28

Werke von Hans Fuglsang in Flensburg

24.11.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin