Stand: 12.01.2017 10:30 Uhr

Elbphilharmonie-Eröffnung im Zeichen der Freude

Von Jan Ehlert

Was für ein Finale! "Freude, schöner Götterfunken" - mit dem Schlusssatz aus Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie endet das furiose Eröffnungskonzert für die Elbphilharmonie in Hamburg. Und die Freude über den gelungenen Abend ist Chefdirigent Thomas Hengelbrock und den Musikern des NDR Elbphilharmonie Orchesters anzusehen. "Wir wollen hier nie wieder raus", hatte er schon vor dem Konzert geschwärmt. "Das ist wirklich ein ganz einmaliger Saal. Das ganze Ambiente ist so zauberhaft."

Der Dirigent Thomas Hengelbrock dirigiert das NDR Elbphilharmonie Orchester. © Hamburg Musik gGmbH Fotograf: Michael Zapf

Das furiose Finale mit Beethoven

Zum Schluss des Eröffnungskonzerts spielt das NDR Elbphilharmonie Orchester den 4. Satz aus Beethovens 9. Sinfonie. Für viele Besucher ist es der Höhepunkt des Programms.

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Probleme auch vor der Eröffnung

Dabei sah es zu Beginn des Tages noch so aus, als würde sich die Geschichte der Elbphilharmonie auch am Eröffnungstag als eine Geschichte der Probleme fortsetzen. Dichter Regen und eine Sturmflutwarnung hatten noch am Vormittag für ernste Gesichter bei den Veranstaltern gesorgt. Nach den Absagen von Tenor Jonas Kaufmann und Sopranistin Anja Harteros musste zudem auch Sopranistin Camilla Tilling kurzfristig wegen einer Erkältung passen.

Und auch der Festakt selbst verzögerte sich um 30 Minuten: Das Wetter hatte den prominenten Polit-Gästen aus Berlin einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Konzertbesucher, die vor den verschlossenen Saaltüren warten mussten, nahmen es jedoch mit Humor. "Wir sind in der Elbphilharmonie, da darf man keine Pünktlichkeit erwarten", scherzte eine Besucherin.

Standing Ovations vor der ersten Rede

Doch alle Kritik verstummt, als schließlich doch die Saaltüren geöffnet werden. Die ersten Töne, die hier erklingen, sind das Klicken von Kameras und ein staunendes Raunen - so groß ist die Begeisterung über den Anblick. Als dann schließlich Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und der Intendant der Elbphilharmonie, Christoph Lieben-Seutter, in den Saal einziehen, gibt es bereits vor der ersten Rede Standing Ovations vom Publikum.

Natürlich kommt auch beim Festakt die langwierige Baugeschichte zur Sprache. Bundespräsident Joachim Gauck erinnert an die stark gestiegenen Kosten und mahnt, damit sei mit der Elbphilharmonie auch eine Verantwortung verbunden: Nämlich tatsächlich ein Haus für alle zu sein, wie es Bürgermeister Scholz in der Vergangenheit nicht müde wurde zu betonen. Doch jetzt, so Gauck, solle die Freude vorherrschen - und die Musik den Raum in Besitz nehmen.

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Unerwartete Musik von unerwarteten Orten

Das machen Chefdirigent Thomas Hengelbrock und das NDR Elbphilharmonie Orchester auf unerwartete, aber beeindruckende Weise, mit Musik aus vier Jahrhunderten. Das Konzert beginnt ganz zart und vorsichtig: Nur eine einzelne Oboe spielt, nicht aus der Mitte des Saales, sondern von einer Empore aus.

Erst nach ein paar Minuten antwortet das Orchester - und wie: Mit Werken von Henri Dutilleux, Bernd Alois Zimmermann und Olivier Messiaen hat Thomas Hengelbrock Stücke ausgesucht, die die ganze Bandbreite der musikalischen Möglichkeiten austesten - mit Blick auf die Tonhöhe und die Lautstärke. Und immer wieder erklingt die Musik auch von unerwarteten Orten. Etwa, wenn Countertenor Philippe Jaroussky aus der oberen Empore die Arie "dalle più alte sfere" singt, auf Deutsch: "Aus den höchsten Sphären komme ich zu euch."

Mit der Musikauswahl hat Thomas Hengelbrock auch der traditionsreichen Hamburger Musikgeschichte seinen Respekt gezollt - mit Werken von Jacob Praetorius, im 17. Jahrhundert Organist an der Hamburger Hauptkirche St. Jakobi, und mit dem "Furioso" von Rolf Liebermann, dem langjährigen Intendanten der Hamburger Staatsoper. Und auch das Stück "Reminiszenz", die Auftragskomposition von Wolfgang Rihm, rückt die Stadt Hamburg in den Mittelpunkt, mit Texten des Hamburger Schriftstellers Hans Henny Jahnn.

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"Ganz schön psychedelisch"

Bei den zahlreichen Dissonanzen, die diese Stücke haben, mag sich der eine oder andere Besucher auch an die Baugeschichte der Elbphilharmonie erinnert haben. "Sie werden Musik hören, die Sie nicht erwarten", hatte Intendant Lieben-Seutter gewarnt. Und er hatte recht. Besonders im ersten Teil gibt es im Saal auch viele verwunderte und amüsierte Gesichter, auch Gelächter war zu hören. "Ganz schön, aber ganz schön psychedelisch", meint ein Besucher zur Pause. Seine Begleitung ergänzt: "Sehr eindrucksvoll, aber wenigstens ein Klassiker wäre schön gewesen."

Der kommt dann nach der Pause. Erst mit der Ouvertüre aus Richard Wagners Oper "Parsifal", dann - nach der Neukomposition von Wolfgang Rihm - mit Ludwig van Beethoven. "Wem der große Wurf gelungen [...] mische in den Jubel ein" schmettern der NDR Chor und der Chor des Bayerischen Rundfunks. Und das lässt sich das Publikum nicht zweimal sagen: Lautstarke Bravo-Rufe und donnernder Applaus für einen anspruchsvollen, aber mitreißenden Abend. Hamburgs neues Konzerthaus ist eröffnet - und nach vielen langen Jahren der Probleme werden die Hamburgerinnen und Hamburger nun hoffentlich viel Freude an ihm haben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 11.01.2017 | 20:00 Uhr