Stand: 11.01.2017 23:25 Uhr

Bundespräsident Gauck: "Ich bin überwältigt"

Bei dem Festakt zur Eröffnung der Elbphilharmonie hat Bundespräsident Joachim Gauck den Bau gelobt. "Ich bin überwältigt", sagte er am Mittwoch bei seiner Rede im Großen Saal. Er erinnerte daran, dass das Konzerthaus im Hamburger Hafen aus einer Privatinititiave heraus entstanden ist. Gauck sprach deshalb von einem Feiertag des Bürgersinns. Er hoffe, der Bau werde "ein Juwel der Kulturnation Deutschland". Zuvor hatte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz davon gesprochen, dass die Elbphilharmonie eine "lange und bewegte Vorgeschichte" habe. Man sei an die technischen und architektonischen Grenzen des Machbaren gegangen. "Die Elbphilharmonie, die wir heute eröffnen, ist eine Einladung an die Welt, nach Hamburg zu kommen, sich dieses großartige Gebäude anzuschauen und die Musik zu genießen", sagte Scholz.

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Komplexer als das Olympia-Stadion von Peking

Auch Architekt Jacques Herzog vom Architektenbüro Herzog & de Meuron erinnerte an die schwierige Bauphase. "Wir haben in unserer Karriere viele Bauten in aller Welt erbauen dürfen - darunter das Olympia-Stadion in Peking", sagte Herzog bei der Pressekonferenz mit 300 Journalisten. "Aber dieses Gebäude hier übertrifft alles an Komplexität." Herzog spielte damit auch auf die Rolle der Stadt als Bauherr an. Es sei aber ein gutes Zeichen, dass solch ein Bau am Ende realisierbar sei.

Generalintendant Christoph Lieben-Seutter stimmte in den Chor der Seligen ein. "Sie sehen einen glücklichen Intendanten. Die Elbphilharmonie ist so viel fantastischer geworden als wir uns das in den zehn Jahren Bauzeit ausgemalt haben." Auch NDR Programmdirektor Hörfunk Joachim Knuth sprach von einem großen Tag. "Dass das NDR Elbphilharmonie Orchester in diesem Gebäude Residenz-Orchester sein darf, bedeutet für uns Ehre, Herausforderung und Ansporn. Wir sind voller Enthusiasmus."

"Freude, schöner Götterfunken"

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Der Klang im Großen Saal gilt schon jetzt als einzigartig.

Chefdirigent Thomas Hengelbrock und das NDR Elbphilharmonie Orchester eröffneten den spektakulären Konzertsaal mit einer mitreißenden musikalischen Reise von der Renaissance bis zur Gegenwart. Weltweit gefeierte Solisten wie Pavol Breslik, Sir Bryn Terfel und Philippe Jaroussky traten auf. Auf dem Programm standen unter anderem Werke von Bernd Alois Zimmermann, Richard Wagner und eine Uraufführung von Wolfgang Rihm. Der krönende Abschluss des Konzerts: der berühmte 4. Satz aus Beethovens 9. Sinfonie mit der Textpassage "Freude, schöner Götterfunken". Das Publikum im Saal dankte den Musikern mit minutenlangen Standing Ovations.

Merkel: Ein fantastisches Gebäude

Neben Bundespräsident Gauck war Kanzlerin Angela Merkel unter den mehr als 2.000 Gästen des Eröffnungskonzertes. Während der Pause sprach Merkel im NDR Fernsehen von einem beeindruckenden Abend. Sie freue sich, bei der Einweihung "dieses fantastischen Gebäudes" dabei zu sein. Das Musikprogramm des ersten Teils bezeichnete Merkel als anspruchsvoll. Auch Hunderte Musikfans saßen im Großen Saal, die bei der Verlosung für die beiden Eröffnungskonzerte eine von insgesamt 1.000 Karten gewonnen hatten.

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Von der Katastrophenbaustelle zum Weltwunder

09.01.2017 22:45 Uhr
Kulturjournal

Ein neues Wahrzeichen

Für die Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron endet mit der Eröffnung ein Projekt, das sie weit mehr als ein Jahrzehnt beschäftigt hat. Im Sommer 2003 stellten sie ihren Entwurf für das Konzerthaus auf dem Kaispeicher A der Öffentlichkeit vor. Im April 2007 erfolgte dann die Grundsteinlegung. Ein neues Wahrzeichen Hamburgs sollte entstehen - so wie es Sydney mit seinem Opernhaus gelungen ist. Die Fertigstellung der Elbphilharmonie war bei Baubeginn für 2010 geplant.

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Immer höhere Kosten

Immer wieder verzögerten sich die Bauarbeiten, weil die Architekten sich mit dem Baukonzern Hochtief uneinig waren. Auch die Stadt als Bauherr machte wiederholt eine unglückliche Figur. Es zeigte sich bald, dass es ein großer Fehler war, mit dem Bau zu beginnen, ohne die Planungen für das außerordentlich komplexe Projekt abzuschließen. Und so stiegen die Kosten rasant. Während die Stadt bei der Grundsteinlegung 2007 fest davon ausging, höchstens 114 Millionen Euro aufbringen zu müssen, liegt diese Zahl inzwischen bei 789 Millionen Euro. Viele Hamburger ärgern sich über diese immensen Kosten, so auch Bürgermeister Scholz. "Wenn man es richtig geplant hätte, dann hätte die Elbphilharmonie nur 500 bis 600 Millionen Euro gekostet", sagte Scholz bei der Plaza-Eröffnung im November 2016.

Ein Konzerthaus für alle

Die Vorfreude auf das neue Konzerthaus war dennoch groß. Mehr als 500.000 Neugierige hatten sich in den vergangenen Wochen auf den Weg zur Elbphilharmonie gemacht, um den einzigartigen Panorama-Blick von der Plaza zu genießen. Die Aussichtsplattform in 37 Metern Höhe ist ein wichtiges Element. Die Stadt wünscht sich, dass die Elbphilharmonie ein Haus für alle ist - kein Elitetempel für gutbetuchte Klassik-Liebhaber. So ist die Plaza auch ohne Konzertkarte gratis zu erleben. Im Kleinen und Großen Saal gibt es viele vergünstigte Plätze. Zudem liegt ein ausführliches Programm für Kindergärten und Schulklassen vor.

Hamburg will in die touristische Weltspitze

Die Stadt hofft mit der Elbphilharmonie weltweit als Reiseziel attraktiver zu sein. Das Konzerthaus soll in den kommenden Jahren mehrere Hunderttausend Besucher zusätzlich in die Stadt locken - vor allem auch mehr Gäste aus Amerika und Fernost. Erst kürzlich hat die "New York Times" die Hansestadt geadelt: Hamburg taucht in der Zeitung in einer Liste der Plätze auf, die man in diesem Jahr unbedingt besuchen sollte. Nur: Wer ein Konzert im Großen Saal erleben möchte, muss sich gedulden. Ob Tourist oder Hamburger. Die Karten für die erste Spielzeit, die bis zum Sommer läuft, sind restlos vergriffen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 11.01.2017 | 18:00 Uhr

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