Stand: 18.01.2017 13:50 Uhr

Symphoniker Hamburg: Je sensibler, desto Elphi

von Daniel Kaiser

Die Akustik in der neuen Elbphilharmonie ist gerade eines der kontroversesten Themen der Musikwelt. Jetzt haben die Symphoniker Hamburg mit ihrem Chefdirigenten Sir Jeffrey Tate ihren Einstand im neuen Konzerthaus im Hamburger Hafen gegeben - und zwar mit einer umjubelten Aufführung von Beethovens Meisterwerk "Missa solemnis".

Symphoniker spielenim großen Saal der Elbphilharmonie

Symphoniker spielen in der Elbphilharmonie

Hamburg Journal -

Unter der Leitung von Chefdirigent Sir Jeffrey Tate spielen die Hamburger Symphoniker zum ersten Mal in der Elbphilharmonie und präsentieren Beethovens "Missa solemnis".

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Laut, lauter, Beethoven! Mit 125 Sängerinnen und Sängern ist der Philharmonia Chorus aus London angereist. Wenn da der Sopran sein "Gloria!" schmettert, klingelt und rasselt es nur noch im Ohr. Man fragt sich: Ist es noch Ton oder schon Tinnitus? Die Choristen-Armee macht im Fortissimo wirklich keine Gefangenen. Sogar das große Orchester, das dem großen Werk immer wieder viel Seele einhaucht, bleibt bisweilen erschlagen am Wegesrand liegen. Dass der Saal mit der 'weißen Haut' dynamische Spitzen durchaus vertragen kann, haben die ersten Konzerte mit lautstärkeaffinen Werken von Strauss und Messiaen bewiesen. Doch hier hat manches Mal die mäßigende Hand gefehlt.

Magische Momente

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Klaus Florian Vogt ist ein gefeierter Sänger, aber sein Berufsleben begann er als Hornist der Hamburger Philharmoniker.

Unterhalb der brachialen Fortissimo-Amplitude entstehen aber viele magische Musikmomente, wenn nämlich Tate dem Saal Raum zum Atmen gibt und sich die Klangschichten entfalten können. Beim lyrischen 'Sanctus', als Konzertmeister Adrian Iliescu sich mit seiner Geige erhebt, sind manche Herzen im Saal aufgesprungen. Man gewinnt immer mehr den Eindruck von der Elbphilharmonie als einer Dame, die man um Himmels Willen nicht anschreien darf. Doch wenn man zärtlich und liebevoll mit ihr umgeht, lächelt sie zurück. Je sensibler, desto Elphi.

Vogts Freundschaft mit Elphi

Die Stimme des Startenors Klaus Florian Vogt und der Saal könnten dabei richtig gute Freunde werden. Das Helle und Lichte in seinem Timbre wird besonders gut durch den Saal geleitet. Die Stimme schwebt über die Musiker hinweg. Sir Jeffrey Tate hat die vier Solisten nämlich überraschenderweise hinter dem Orchester postiert.

"Der Applaus klingt toll!"

Für Vogt ist der Saal noch ein Abenteuer. "Ich habe die Akustik für mich selber noch nicht ganz verstanden", sagt er nach dem Konzert. "Es hat aber großen Spaß gemacht. Es singt sich sehr schön. Und der Applaus klingt ganz toll", lacht Vogt. Applaus hat es wirklich reichlich gegeben: zehn Minuten Jubel und stehende Ovationen für einen letztlich beglückenden Beethoven mit einer leichten Überdosis Chor.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 18.01.2017 | 19:57 Uhr

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