Stand: 31.08.2017 16:25 Uhr

Renate Künast: Hass ist keine Meinung

Hass ist keine Meinung
von Renate Künast
Vorgestellt von Charlotte Voss, NDR Info
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Das Buch "Hass ist keine Meinung" von Renate Künast ist im Verlag Random House erschienen.

"Gesindel!" Oder: "Ich möchte ein Enthauptungsvideo von ihnen sehen!" Solche Hasskommentare aus dem Netz muss die die Grünen-Politikerin Renate Künast regelmäßig lesen. Wie kommt es zu den oft anonymen Attacken im Internet? Damit beschäftigt sich Künast seit einiger Zeit: "Wenn wir zulassen, dass die sozialen Netzwerke Orte des Hasses und der Abwertung sind, dann wird das nicht nur uns verändern, sondern auch die analoge Gesellschaft."

Übelste Erfahrungen mit Hasskommentaren

Seit Juni 2009 ist Renate Künast auf Facebook, seit Mai 2013 bei Twitter aktiv. Und sie hat, wie sie im Buch beschreibt, übelste Erfahrungen mit Hasskommentaren gemacht:

"Sie sind das Letzte! Sie sind einfach dumm und hässlich. Müll und Unrat."

"Ich weiß nicht, wie lange ich solche Botschaften gedanklich einfach weggeklickt habe. Ich las sie und vergaß sie wieder", schreibt Künast dazu in ihrem Buch. "Doch ihre Zahl wuchs und mit ihnen das Gefühl, dass sich etwas veränderte." Dieses Gefühl ist es, das Künast antreibt.

Künast klingelt bei den Absendern

Irgendwann beschloss sie einige der Kommentatoren zuhause zu besuchen. Einige Begegnungen waren klärend, andere irritierend, wie die mit einem Rentner aus Köln, der sie auf Facebook als dumm, ungebildet und unfähig beschimpft hatte.

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"Ich frage, warum er mir so etwas schreibt. Seine Antwort: 'Es ist doch so, viele Grüne haben keinen Berufsabschluss.' Wir finden heraus, dass er diese Information im Internet gefunden hat. Als ich ihm erkläre, dass ich doch sogar zwei Berufsabschlüsse habe und dass man auch diese Information im Internet finden könne, zeigt er sich nur mäßig irritiert. 'Ach so, sie sind Juristin. Ach.'"

Buch ist eine Mischung aus Meinung und Analyse

Auf knapp 180 Seiten schildert Renate Künast ihre Erfahrungen, sucht nach Ideen - und man hat als Leser den Eindruck, sie würde direkt mit einem sprechen. Ihr Buch ist eine Mischung aus Meinung und Analyse. Die Grünen-Politikerin fordert politische und juristische Konsequenzen und unterscheidet dabei zwischen Einzelpersonen, die ihre persönliche Empfindung äußern und denjenigen, die das Internet gezielt einsetzen, um Menschen zu beeinflussen.

"Fake News - falsche Behauptungen - sind eine schlagkräftige Waffe rechtsextremer Aktivisten, vor allem dann, wenn sie dazu dienen, eine Gruppe von Menschen pauschal zu diffamieren. Es ist daher kein Zufall, dass im Zuge der Flüchtlingskrise in den Onlineforen eine regelrechte Welle an Fake News ins Rollen kam. Schließlich stieg bei fremdenfeindlich Gesinnten zu dieser Zeit der Bedarf an Gründen, mit denen sie ihre Haltung moralisch rechtfertigen konnten."

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Renate Künast wird im Internet massiv beschimpft. Ihre Erfahrungen schildert sie in ihrem Buch.
Künast: Im Zweifel Anzeige erstatten

Künast beschreibt den Ist-Zustand, Stichworte sind Hass, Hetze, Meinungsmache. Sie betreibt Ursachenforschung. Und sie empfiehlt am Ende mit Mut und Respekt darauf zu reagieren und sich zu wehren - durch Löschaufträge beim Plattformbetreiber, durch Anzeigen, aber das allein reicht nicht, so ihr Appell:

"Justiz kommt immer zu spät; immer danach, bei der Aufklärung. Wenn wir Prävention betreiben wollen, heißt das, jeder und jede von uns muss sich auch im Alltag aktiv zeigen. Das heißt schlicht und einfach die Stimme erheben."

Hass ist keine Meinung

von
Verlag:
Random House

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Buchtipp | 31.08.2017 | 10:20 Uhr

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