Stand: 04.10.2017 09:48 Uhr

Wie gefährlich sind die "Reichsbürger"?

Reichsbürger. Die unterschätzte Gefahr
von Andreas Speit
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Bringt Licht ins Dunkel: das Buch "Reichsbürger. Die unterschätzte Gefahr" von Andreas Speit.

Sie lehnen die Bundesrepublik als Staat ab, akzeptieren deshalb Gesetze und Staatsbedienstete nicht und hängen Verschwörungstheorien an - die sogenannten Reichsbürger. Sie selbst lehnen diese Bezeichnung ab - mit solch einer Betitelung wolle man sie nur mundtot machen. Dass die Bundesrepublik kein souveräner Staat ist, begründen die "Reichsbürger" unter anderem damit, "dass es eben keinen Friedensvertrag gibt, dass es immer noch keine Verfassung gibt und so weiter. Alles Fakten, die eigentlich widerlegt sind, aber immer wieder in der Reichsbürgerbewegung vorgetragen werden", erklärt der Journalist Andreas Speit.

Plakat einer Gruppierung, die anzweifeln, dass die Bundesrepublik ein souveräner Staat ist © NDR

Wie gefährlich sind die "Reichsbürger"?

Kulturjournal -

Ungefähr 13.000 "Reichsbürger" soll es in Deutschland geben. Der Journalist Andreas Speit hat zusammen mit Kollegen ein Buch über eine unübersichtliche Bewegung geschrieben.

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Der Journalist hat zusammen mit Kollegen das Buch "Reichsbürger - Die unterschätzte Gefahr " herausgegeben. Darin beschreibt er, in welcher Tradition die ungefähr 13.000 "Reichsbürger" stehen, die es in Deutschland geben soll. "Was uns in der Recherche auch sehr erschüttert hat, wie tief Verschwörungstheorien in diesem Milieu auch verankert sind. Und wenn man da dann weiß, dass in deren Logik gesprochen eine große Verschwörung gegen das Deutsche Reich läuft, dann ahnt man auch, wen sie als Feinde schnell ausmachen: nämlich die Juden."

Keine harmlosen Spinner

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Für Andreas Speit sind die "Reichsbürger" eine unterschätzte Gefahr.

"Reichsbürger" sind keine einheitliche Bewegung. Sie gründen eigene Staatsgebilde mit so fantasievollen Namen wie  "Staat Germanien", "Reichsbewegung", "Freistaat Preußen", "Volksdeutschland". Manche sind eindeutig rechtsradikal und antisemitisch. Einige der selbst ernannten Staatenlenker inszenieren sich pompös und betreiben lukrative Geschäftsmodelle: Sie schöpfen das Geld ihrer Mitglieder ab, beispielsweise durch die Gründung eigener Krankenkassen oder Banken. Andreas Speit meint: "Einige von diesen Projekten sind auch lange sehr gut gelaufen und haben den Machern sehr viel Geld gebracht. Da sieht man auch, wie groß der gesellschaftliche Zuspruch ist."

Lange wurden "Reichsbürger" als harmlose Spinner abgetan. Doch Speit beschreibt die zunehmende Radikalisierung der Szene. Im August 2016 soll im sachsen-anhaltinischen Reuden das Haus von Adrian Ursache, dem Gründer des Staates Ur, zwangsgeräumt werden. Der selbst ernannte Staatenlenker bedroht den Gerichtsvollzieher. Es kommt zu einer Schießerei. Zwei SEK-Beamte werden verletzt, ebenso Ursache. Zwei Monate später stirbt ein Polizist, als im bayrischen Georgensgmünd der "Reichsbürger" Wolfgang P. aus dem Hinterhalt schießt. P. besaß 30 Schusswaffen.

Legaler Waffenbesitz

Die Recherchen von Andreas Speit zeigen, dass die Bewegung ihre Waffen zumeist nicht aus illegalen Milieus beziehen, "sondern meist über Sport- und Schützenvereine. Das heißt, sie haben ganz legal einen Waffenschein beantragt. Und hier muss man auch ein wenig fragen, ist da nicht genau hingeschaut worden? Beziehungsweise war der Staat überhaupt vorbereitet auf diese Bewegung? Und wir befürchten, dass der Staat das nicht gewesen ist", erklärt der Journalist.

700 "Reichsbürger" sind legale Schusswaffenbesitzer - Menschen, welche die Bundesrepublik nicht anerkennen. Erst seit den tödlichen Schüssen nimmt der Staat diese Bedrohung ernst. Längst nicht überall, kritisiert Andreas Speit. In manchen Verfassungsschutzberichten würden "Reichsbürger" weiter als  "notorische Querulanten" oder  "Vielschreiber" verharmlost. Und sie seien deshalb immer noch eine unterschätzte Gefahr.

Reichsbürger. Die unterschätzte Gefahr

von
Seitenzahl:
215 Seiten
Genre:
Sachbuch
Verlag:
Ch. Links Verlag
Bestellnummer:
3861539586
Preis:
18,00 €

Dieses Thema im Programm:

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