Stand: 04.02.2017 17:40 Uhr

Brigitte Bardot - ein Symbol ihrer Zeit

Brigitte Bardot
von Henry-Jean Servat
Vorgestellt von Claudio Campagna

Sie war "Filmidol - Mode-Ikone - Sexsymbol". So heißt der Fotoband "Brigitte Bardot" daher auch im Untertitel. Das Buch aus dem Verlag Schirmer/Mosel widmet sich vor allem dem Einfluss der französischen Diva auf Stil und Mode in der Zeit von 1950 bis 1975.

Die Bardot - Vom Schmollmundmodell zur Traumfrau

Urlaubslook als neue Modeform

Weißes Trägertop und Hotpants, zerzauste Mähne, als sei sie gerade aus dem Bett gefallen - so schlendert Brigitte Bardot barfuß eine verwitterte Treppe herab, in den Gassen von Saint-Tropez. Provozierende Nonchalance.

Den Urlaubslook "très négligé" hat sie zwar nicht erfunden - aber niemandem sonst steht er so gut. BB, wie sie genannt wurde, sagt selbst über ihren Stil: "Eigentlich ist das gar kein Stil - ich zog mich so an, wie ich mich frisierte, nämlich nach meiner Façon und so, wie ich mich gerade fühlte. Ich habe elegante Roben großer Couturiers getragen, aber ebenso hinreißende, unkonventionelle Zigeunerinnen-Gewänder, Dinge, die ich zufällig irgendwo rauszog und die dann Mode wurden!"

Zum Beispiel das Vichy-Karo, sonst vor allem von Brasserie-Tischdecken bekannt. An Brigitte Bardot sieht das denkbar simple Muster so hinreißend mädchenhaft aus, dass es Mode wird. Auf einem Foto von den Dreharbeiten zu "Die Braut ist viel zu schön" schielt die Schauspielerin zwischen dicken Flechtzöpfen kokett zum Betrachter hin, im blau-weiß karierten Volant-Kleid an eine Steintreppe gelehnt. Auf einem Schwarz-Weiß-Bild, ein paar Seiten später, ist sie dann als echte Braut zu sehen; im rosafarbenen Vichy-Karo von Jaques Esterel.

Modetrends, die bis heute aktuell sind

BB hat noch mehr Trends gesetzt: die Ballerinas etwa, jene abgerundeten flachen Tanzschuhe für den Alltagsgebrauch, den Matrosenpulli und die Sauerkrautfrisur - das hochgesteckte Haar, aus dem sich Strähnen lösen und ins Gesicht fallen. Gleich auf dem Titelbild wirft sie dem Leser unter solchermaßen arrangiertem Haar einen Rehblick zu.

Angefangen hat die Diva ganz brav und brünett. Aufnahmen für die Magazine "Elle" und "Jardin des modes" aus den frühen 50er-Jahren zeigen sie als Mannequin elegant, aber noch etwas bieder. Mit dem Film "Und immer lockt das Weib" kommt dann das Blond und damit auch der Sex-Appeal. Das schüchterne Lächeln weicht dem Schmollmund, das Schwiegertöchterliche der selbstbewussten Pose.

Beim Internationalen Filmfest von Venedig 1957 setzt sich Bardot im roséfarbenen Blumenkleid vor den Fotografen auf den Tisch und bildet ein menschliches "S"; die Hände steckt sie hinterm Kopf in einen Turm aus Haaren und winkelt dabei die Beine an, sodass sie ihre Rundungen noch zusätzlich betont.

Aus dem schüchternen Mädchen wird eine Diva

Edgar Morin schreibt über diese Bardot: "Ihr Gesicht einer kleinen Katze ist gleichermaßen geöffnet für das Kindliche wie für das Katzenhafte: Ihr lang im Rücken herabfallendes Haar ist das Symbol des lasziven Unbekleidetseins, der dargebotenen Nacktheit. Ihre winzige und schelmische Nase betont zugleich das Kindliche wie das Animalische; ihre volle Unterlippe formt einen babyhaften Schmollmund und ist dennoch eine Einladung zum Küssen." So klingen Philosophen wohl, wenn sie nicht nur die Weisheit lieben.

Fast wie ein Gemälde wirkt BB auf einem weich gezeichneten Foto in scharlachroter Robe von Dior. Die Finger hat sie an den Hals gelegt, den Kopf nach rechts gewandt, die Lippen dabei leicht geöffnet. Ihre Augen starren verträumt, als habe sie gerade etwas gleichermaßen Anziehendes wie Erschreckendes gesehen.

Auch die Designer Coco Chanel und Pierre Cardin kleiden sie ein. Es gibt Bilder von Bardot im äußerst eleganten violetten Sommerkleid, im Bikini und mit Hülsenfrüchten-Ketten behängt oder im fuchsiaroten Partykleid aus glänzenden Synthetik-Streifen. Ein Foto zeigt sie als Naturschönheit: barfuß mit einem Strohhut; in T-Shirt und gestreifter Freizeithose sitzt sie am Kai irgendeines Fischerdörfchens und spielt mit ihren Fingernägeln.

Lieblingsmodell für die großen Modehäuser

Neben solchen Modeaufnahmen finden sich Bilder von Filmen und Dreharbeiten sowie Paparazzi-Fotos in dem Band. Vor der Flimmerwerbung eines Casinos schlendert Bardot auf einem Schwarz-Weiß-Bild Hand in Hand mit Gunter Sachs durch Las Vegas. Er in Sakko und weißen Slippern. Sie in glänzenden Pumps und einem kurzen, ärmellosen Kleid. Ein anderes zeigt sie im Bade-Outfit beim Flirt mit Alain Delon auf dem Heck einer Yacht.

"Ich war niemals unverschämt. Ich war nur einfach so, wie ich Lust hatte zu sein. Natürlich, wahrhaftig und frei." Brigitte Bardot

Gegen Ende der 60er-Jahre entwickelt Brigitte Bardot ein Faible für Hippie-Accessoires. Indische Muster, lange Kleider, Stirnbänder und Tücher bestimmen jetzt ihren Look. Vor allem an den Stränden von Saint-Tropez pflegt sie einen Gypsy-Style. Mehrere Fotos zeigen sie tanzend und Gitarre spielend im Kreis befreundeter Musiker.

Der Bildband "Brigitte Bardot" feiert gebührend einen großen Star. Stile hat sie schnell aufgegriffen und wie kaum ein anderer hat sie die Mode ihrer Zeit mitgeprägt. Viele werden sich diese Bilder gern ansehen - wegen der nostalgisch-schönen Kleidungsstücke die einen, andere einfach wegen dieser Frau.

Brigitte Bardot

von
Seitenzahl:
256 Seiten
Genre:
Bildband
Verlag:
Schirmer und Mosel Verlag
Bestellnummer:
978-3-8296-0773-5
Preis:
39,80 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 05.02.2017 | 17:40 Uhr

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