Stand: 25.08.2017 13:39 Uhr

Hamburger Buchhandlung mit Profil: Lüders

von Juliane Bergmann

Ein individuelles Konzept, ein inhabergeführtes Geschäft und ein breites, vielfältiges Verlagsangebot zeichnen die 117 für den Buchhandlungspreis nominierten Läden aus. Eine Jury hat sie aus mehr als 500 Bewerbungen ausgewählt. Am 31. August zeichnet diese Jury unter Vorsitz der Feuilleton-Chefin der "Zeit", Iris Radisch, in Hannover die besten Buchhandlungen Deutschlands aus. Unter den Nominierten ist die Buchhandlung Lüders in Hamburg-Eimsbüttel.

Ein Raum, 75 Quadratmeter groß, mit riesigen dunkelbraunen Regalen, bis unter die Decke: gefüllt mit Büchern. Es riecht ein bisschen wie in einer alten Bibliothek - nach Holz, Papier, Ledereinbänden. Seit mehr als 60 Jahren gibt es die Buchhandlung Lüders. Begonnen hat alles als Antiquariat, inzwischen gehört auch aktuelle Literatur zum Sortiment. Heute sind Ragna Lüders, die Tochter des Geschäftsgründers, und Thomas Bleitner die Inhaber.

Die Hamburger Traditionsbuchhandlung Lüders

"Darf ich hier arbeiten?"

"Wer hier anfängt, bleibt", sagt der 51-jährige Bleitner: "Ich habe hier schon als Student gearbeitet. Ich bin mit ungefähr 20 nach Eimsbüttel gezogen - bin die Osterstraße entlang marschiert, in den Heußweg gebogen und habe diese Buchhandlung entdeckt. Das erste, was ich gefragt habe: Darf ich hier arbeiten?"

Auf den Tischen liegen illustrierte Kinderbücher, große Bildbände, Kunstkalender, Bücher von kleinen, unabhängigen Verlagen. Was in die Regale und die Auslage kommt entscheiden hier keine Bestseller-Listen, sondern die zehn Mitarbeiter. "Wir alle lesen relativ viel. Das findet gerne auch mal abends und nachts statt, weil wir tagsüber nicht dazu kommen", erklärt Sinje Hansen, die den Bereich Kinderbuch betreut. Sie hat klare - sehr persönliche - Auswahlkriterien für die Bücher, die sie im Laden empfiehlt: "Also es muss die Kinder ernst nehmen. Ich kann dieses ganze alberne Zeug nicht leiden. Ich mag witzige Bücher. Aber vieles im Kinderbuch ist einfach nur albern oder überkandidelt."

Erfolg durch Freude am Buch und gute Beratung

In Zeiten, in denen der Online-Handel und die großen Buchhandlungs-Ketten boomen, haben es kleine Läden nicht leicht. Um die Zukunft der Buchhandlung Lüders macht sich Bleitner aber keine Sorgen: "Wenn man ein Profil hat und wenn man sich durch schöne Bücher, gute Auswahl und gute Beratung und einfach sehr viel Freude am Medium Buch positioniert hat, fällt es einem nicht so schwer, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten. Wichtig ist, dass man nicht versucht, mit Filialisten oder mit dem Online-Buchhandel zu wetteifern, sondern dass man sich selbst treu bleibt."

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100 Jahre alt ist die Kasse, die bei der Buchhandlung Lüders täglich im Einsatz ist.

Das Team der Buchhandlung Lüders legt Wert auf Traditionen, auf haptisch Kostbares. Die Buchlaufkarten für jedes neue Buch sind hier noch handgeschrieben. Der Verkaufstresen ist gerahmt von seltenen historischen Werken, goldene Schrift auf angegilbtem Buchrücken. 100 Jahre alt ist die imposante Messing-Kasse.

Dass das Konzept so gut aufgeht, das sei nicht selbstverständlich, sagt Sinje Hansen. Sie bezeichnet Eimsbüttel als "Insel der Seligen": "Dieser Stadtteil ist ein Stadtteil mit Geld. Das meine ich positiv. Hier leben Menschen, die in Berufen arbeiten, wo man viel Geld verdient. Denen es wichtig ist, Bücher zu kaufen. Das ist an anderen Orten anders. Wir haben Glück, dass wir genau an diesem Platz sind."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 25.08.2017 | 16:20 Uhr

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