Stand: 03.02.2016 16:45 Uhr

"Weiße Haut" der Elbphilharmonie gibt den Ton an

von Marc-Oliver Rehrmann

Für Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) ist es ein "vorgezogener Freudentag" - knapp ein Jahr vor der geplanten Eröffnung der Elbphilharmonie. Denn die einzigartige "weiße Haut" im Großen Konzertsaal ist fertig montiert. Baukonzern Hochtief hat den vertraglich vereinbarten Termin am 31. Januar 2016 eingehalten. Die letzte Zwischenetappe auf der Baustelle ist somit genommen. "Als ich nach Hamburg gekommen bin, hätte ich nicht gedacht, dass dieser Moment mal kommt", sagte Kisseler am Mittwoch mit Blick auf ihren Amtsantritt als Kultursenatorin im Frühjahr 2011. Damals seien sich viele sicher gewesen, dass die Elbphilharmonie wegen der jahrelangen Streitigkeiten zwischen Stadt, Architekten und Hochtief als Bauruine endet.

Detail der "weißen Haut" im Großen Konzertsaal der Elbphilharmonie © NDR.de Fotograf: Marc-Oliver Rehrmann

Die Elbphilharmonie hat ihre "weiße Haut"

Hamburg Journal -

In der Elbphilharmonie haben Kulturbehörde, Architekten und Bauträger ein Ziel erreicht. Die "weiße Haut", die im Konzertsaal für optimale Akustik sorgen soll, ist pünktlich montiert.

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"Die Musik braucht man fast nicht mehr"

Der Große Saal ist nun nahezu fertig, er gilt als das Herzstück des Konzertgebäudes. Kisseler und Generalintendant Christoph Lieben-Seutter machten sich am Mittwoch zusammen mit Dutzenden Journalisten ein Bild vor Ort. Die Wirkung des 25 Meter hohen Saals entfaltet sich schon jetzt. "Das ist so beeindruckend, dass man die Musik fast nicht mehr braucht", findet die Kultursenatorin. Allein durch die Architektur stelle sich bei ihr ein Gefühl der Erhabenheit ein. Die Bauarbeiten laufen in den kommenden fünf Monaten weiter. Bis Mitte März soll das Parkett auf den Zuschauerrängen verlegt sein. Und in Kürze beginnen Arbeiter damit, die Zuschauerstühle einzubauen. Gleichzeitig läuft der Einbau der Orgel.

Extrem schwierige Montage

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Hochtief-Projektleiterin Beate Cornils preist die Einzigartigkeit der "weißen Haut".

Mehr als zwei Jahre haben die Arbeiter benötigt, um die rund 10.000 Platten der "weißen Haut" anzubringen. Jede Platte ist anders. Manche wiegen 35 Kilogramm, andere 200 Kilogramm. Die Verkleidung soll für die besondere Akustik bei Konzerten sorgen. "Die Montage ist für die Ingenieure phasenweise eine große Herausforderung gewesen", berichtete Hochtief-Projektleiterin Beate Cornils. Beispielsweise an den Balkonen sei es extrem schwierig gewesen, die Elemente zu befestigen. "An manchen Tagen haben wir nicht eine einzige Platte angebracht", sagte Cornils. Erschwerend kam hinzu: Vor Ort konnten die millimetergenau zugeschnittenen Platten nicht bearbeitet werden. "Falls etwas nicht passte, mussten wir die Platten zurück in die Werkstatt bringen, wo unsere Spezial-Fräse stand", erzählte die Projektleiterin.

"Mehr Krustentier als Haut"

"Ich hoffe, dass wir nie wieder von der 'weißen Haut' sprechen", sagte hingegen Jacques Herzog vom Architektenbüro Herzog & de Meuron auf der Baustelle. Der Begriff passe nicht recht. "Die Platten mit den gefrästen Löchern sehen ja eher aus wie Krustentiere, wie Muscheln", meinte der Stararchitekt. Die Verkleidung würde dem Großen Saal seine feierliche Atmosphäre verleihen. "Der Raum wirkt wie eine Höhle, er hat etwas Geborgenes", sagte Herzog. Er wies darauf hin, dass der Konzertsaal viel höher sei als der Saal in der weltberühmten Berliner Philharmonie. Dennoch seien die Zuschauer in der Elbphilharmonie ganz nah am Geschehen - wie in einem Stadion.

Die "weiße Haut" im Großen Konzertsaal

Karten für Eröffnung sehr begehrt

Bis zum 30. Juni 2016 hat Hochtief noch Zeit, den Bau der Elbphilharmonie fertigzustellen. Dann erfolgt die Abnahme, auch für die Behebung von etwaigen Mängeln ist noch Luft. Im November soll dann die Plaza mit ihrem spektakulären Rundumblick in 37 Meter Höhe erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Die offizielle Eröffnung ist für den 11. und 12. Januar 2017 geplant. Das NDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Chefdirigent Thomas Hengelbrock wird das Eröffnungskonzert gestalten. Kultursenatorin Kisseler sagte mit Blick auf die begehrten Karten für den Festakt scherzhaft: "Olaf Scholz und ich haben wohl noch nie so viele Freunde gehabt wie zurzeit. Selbst Leute, die man vor 25 Jahren nur einmal auf der Straße getroffen hat, rufen nun an und fragen nach Karten." Sie versprach, dass ein Viertel der Karten verlost werde. Das Programm für die erste Spielzeit in der Elbphilharmonie will Generalintendant Lieben-Seutter im April vorstellen.

Die Kosten für das neue Wahrzeichen Hamburgs waren im Laufe der Jahre explodiert. Ursprünglich war ein öffentlicher Anteil von 77 Millionen Euro für den Bau veranschlagt worden. Nun wird die Elbphilharmonie den Steuerzahler voraussichtlich 789 Millionen Euro kosten.

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