Stand: 02.02.2016 12:09 Uhr

Volkstheater Rostock soll Opernhaus werden

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Gegen den Willen der Bürgerschaft will Rostocks Oberbürgermeister Methling das Volkstheater in ein Opernhaus umwandeln. (Archivbild)

Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) hat einen vorläufigen Schlussstrich unter die Debatte über die Zukunft des Volkstheaters gezogen. Als oberster Gesellschafter-Vertreter entschied sich Methling für die Umwandlung der derzeit noch vier Sparten umfassenden Bühne in ein Opernhaus. "Rostock braucht schnell ein neues, finanzierbares Volkstheater mit Zukunft und dafür setzt die Hansestadt jetzt ein klares Signal auf der Basis der Zielvereinbarung", so Methling in einer am Montag verbreiteten Mitteilung.

Schauspiel und Tanz als Sparten offenbar vor dem Aus

Der Oberbürgermeister erwartet nun, dass die Theaterleitung seine Grundsatzentscheidung in ein Konzept für den Betrieb eines Opernhauses zügig umsetzt. Den Sparten Schauspiel und Tanz droht offenbar das Aus, auch wenn im Papier des Stadtoberhaupts die Rede davon ist, dass diese weiterhin in Rostock angeboten werden sollen. Die Arbeitsplätze von 65 Theaterleuten sind bedroht.

Methling sichert sich Unterstützung des Landes

Einerseits widerspricht Methlings Entscheidung einem Beschluss der Bürgerschaft vom Dezember für ein Vier-Sparten-Haus in der Hansestadt. Anderseits sichert der Oberbürgermeister sich die Unterstützung des Landes für die weitere finanzielle Förderung der Bühne und den Theaterneubau. Eine für Mittwoch geplante Sondersitzung der Bürgerschaft zur Zukunft des Volkstheaters wurde am Montagabend kurzfristig abgesagt.

Theaterneubau soll 2018 beginnen

Methling äußerte die Erwartung, dass mit dem Gesellschafterbeschluss nun die vom Land zurückbehaltenen Theatermittel aus dem Jahr 2015 rasch ausgezahlt werden und die vereinbarte Projektförderung greift. Laut Zielvereinbarung bekomme Rostock vom Land für 2016 und 2017 jeweils 8,8 Millionen Euro für den Spielbetrieb. Zusätzliches Geld gebe es für den geplanten Theaterneubau, mit dem nach mehrfachen Verzögerungen nun 2018 endlich begonnen werden solle.

Zuspruch und Kritik für Entscheidung

Sybille Bachmann vom Rostocker Bund spricht von einem "guten Tag für Rostock". Der Bestand des Theaters sei langfristig gesichert, der Neubau kann finanziert werden und auch für Tanz und Schauspiel gibt es eine, wenn auch veränderte Perspektive. Auch die SPD applaudiert: Thoralf Sens erklärte, dass der Gesellschafterbeschluss der Position der SPD sehr nahe komme.

Grünen-Fraktionschefin Simone Briese-Finke lehnt den Beschluss ab. Zu Rostock gehöre das Schauspiel, es sei der Türöffner in die Stadt. Ohne Schauspiel sei der kulturpolitische Auftrag des Theaters nicht zu realisieren. Und auch die Hochschule für Musik und Theater werde geschwächt. Die Chefin des Aufsichtsrates, Eva Kröger (Die Linke), hält Methlings Entscheidung für einen traurigen Beschluss. Das Land habe seinen Willen durchgedrückt.

Intendant sieht Vertragsgrundlage infrage gestellt

Theater-Intendant Sewan Latchinian sieht die Geschäftsgrundlage seines Vertrages infrage gestellt. Schließlich sei er als Regisseur und Schauspielmann zum Intendanten gemacht worden. Theater-Betriebsrats-Chef Ingo Temlin ist hin und hergerissen: Einerseits werden mit dem Opernhaus Modell betriebsbedingte Kündigungen vermieden und der Neubau komme in Fahrt, andererseits verlieren zwei Sparten ihre Heimstatt und Kollegen ihre Jobs. Mehr als das kleinere Übel sei das nicht, meint er.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.02.2016 | 12:00 Uhr