Stand: 17.04.2017 22:39 Uhr

Trauer um Michael Bogdanov

von Daniel Kaiser

Der bekannte Theatermacher Michael Bogdanov ist tot. Der frühere Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg starb nach Informationen von NDR 90,3 am Ostersonntag im Alter von 78 Jahren während eines Urlaubs in Griechenland an Herzversagen.

Bogdanov prägte in den vergangenen 30 Jahren das Theaterleben in Hamburg mit. Die Stadt wurde seine zweite Heimat. 1986 gab er, der Londoner Shakespeare-Experte, am Schauspielhaus unter Peter Zadek mit "Julius Cäsar" seinen Regie-Einstand. Nur drei Jahre später folgte er Zadek als Intendant. Die beiden folgenden Jahre an der Spitze des größten deutschen Sprechtheaters waren und endeten turbulent.

Theatermacher Michael Bogdanov

Theatermacher Michael Bogdanov verstorben

Hamburg Journal -

Mit seinen Stücken hat der Regisseur Michael Bogdanov Hamburger Theatergeschichte geschrieben. Nun ist der gebürtige Brite im Alter von 78 Jahren an Herzversagen gestorben.

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Der Publikumszuspruch war zwar enorm, doch die Kritiker und manche Politiker taten sich schwer mit Bogdanov. Nach kulturpolitischen und finanziellen Streitigkeiten -vor allem mit dem damaligen Kultursenator Ingo von Münch - trat er 1991 zurück. Auslöser war damals eine Intrige: Ein privater Brief an von Münch wurde einem "Spiegel"-Redakteur zu- und als Skandal hochgespielt.

Dauerbrenner in Hamburger Theatern

Bogdanov blieb Hamburg aber treu und bis zuletzt vielen Theatern der Stadt verbunden. Nach Arbeiten in Köln, München und der Wiener Burg inszenierte er 1999 im Altonaer Theater seinen Erfolg "Reineke Fuchs“ und arbeitete seit 2004 regelmäßig an den Kammerspielen. Dort inszenierte er unter anderem "Vier Männer im Nebel", "Frost/Nixon" und "Warten auf Godot" wofür er 2007 den Rolf-Mares-Preis erhielt. Mit der plattdeutschen Version des "Sommernachtstraums" eröffnete er das neue Ohnsorg-Theater. "Bogdanov war für das Hamburger Theaterleben prägend. Seine Inszenierungen waren Meilensteine in Hamburgs Theaterleben, an die man sich immer wieder mit großer Freude zurückerinnert", sagte der Intendant des Ohnsorg-Theaters, Christian Seeler auf NDR 90,3.

Im St.Pauli Theater brachte Bogdanov "The King's Speech" auf die Bühne und gestaltete die  Uraufführung von "The Scarlet Letter" an der Hamburger Kammeroper. In der Hansestadt hat er auch seine zweite Frau, Ulrike Engelbrecht, kennengelernt, die er vor 17 Jahren heiratete.

Shakespeare als Leitmotiv

Der Sohn eines russischen Vaters und einer walisischen Mutter wurde 1938 in London geboren. Schon während des Studiums in Dublin engagierte Bogdanov sich im Laientheater. Zurück in Großbritannien arbeitete er als Kabarettist und schrieb Fernsehserien. 1968 machte er die Regie zu seinem Beruf. Immer wieder brachte Bogdanov Shakespeare auf die Bühne. Er arbeitete bei der renommierten Royal Shakespeare Company und war am Royal National Theatre in London für den Bereich "Experimentelles" verantwortlich. In den 80er-Jahren begann seine internationale Karriere. Gemeinsam mit dem Schauspieler Michael Pennington gründete Bogdanov 1986 die English Shakespeare Company. Für seinen "Rosenkrieg"-Zyklus wurde er 1990 mit dem renommierten Laurence Olivier Award ausgezeichnet. Auch als Opern-Regisseur war Bogdanov erfolgreich - zum Beispiel mit der Welturaufführung von Stockhausens "Montag" aus dem "Licht"-Zyklus in der Mailänder Scala.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 18.04.2017 | 06:00 Uhr

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