Stand: 19.03.2016 21:11 Uhr

"Soul Kitchen" feiert plattdeutsche Premiere

von Jens Büchsenmann

"Mehr Hamburg geht nicht", sagte Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) am Freitagabend nach der furiosen Premiere im Ohnsorg-Theater. "Soul Kitchen" - so heißt das Stück, das Rolf-Mares-Preisträger Ingo Putz inszeniert hat. Die überwiegend plattdeutschen Dialoge hat Cornelia Ehlers, die Leiterin des jungen Ohnsorg-Studios, aus dem Kinofilm von Fatih Akin und Adam Bousdoukos entwickelt. Für Akin war der Film eine Liebeserklärung an Hamburg - für die er gefeiert wurde. Und auch die musikalische Revue von "Soul Kitchen" kam an: So begeistert waren die Zuschauer selten bei einer Ohnsorg-Premiere. Sie tobten, trampelten und jubelten, als sich unter dem anhaltenden Applaus die Soul-, Blues- und Jazz-Sängerin Love Newkirk zu einigen Zugaben hinreißen ließ.

Eine Szene aus dem Stück "Soul Kitchen" im Ohnsorg Theater.

"Soul Kitchen" feiert Theaterpremiere

Hamburg Journal -

Das Ohnsorg-Theater hat Fatih Akins Erfolgsfilm "Soul Kitchen" auf die Bühne gebracht - natürlich auf Platt. Das Premierenpublikum war begeistert.

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Von den Darstellern der Produktion gehören nur zwei zum festen Ensemble. Oskar Ketelhut, der als Hein, der Koch, ein Liebeselixier von Baumrinde aus Honduras unter das Essen mischt und so eine wilde Orgie unter den Gästen des Musikclubs und Restaurants "Soul Kitchen" provoziert, die in der Geschichte des Ohnsorg-Theaters beispiellos ist. Und Horst Ahrenthold, der mit seiner imposanten Stimm- und Leibesfülle nicht nur die Damen auf der Bühne bezirzte.

Messerwurf auf Olaf Scholz

Neben zahllosen akrobatischen Einfällen, wie einem Messer, das scheinbar nur knapp am Kopf des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz (SPD) in der ersten Reihe vorbeiflog, gab es auch Anspielungen auf Hamburgs Kulturpolitik: Das Ohnsorg-"Soul Kitchen" steht nämlich nicht in Wilhelmsburg, wie im Film, sondern am Hauptbahnhof, in den Räumen des Ohnsorg-Theaters im Bieberhaus, das aber ins Schauspielhaus gegenüber umziehen musste, weil der Senat alle Subventionen gestrichen hatte.

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Szenen aus "Soul Kitchen" am Ohnsorg-Theater

Von der Flaute ins Chaos: "Soul Kitchen" am Ohnsorg-Theater ist die erste plattdeutsche Version des Films von Fatih Akin und Adam Bousdoukos. Bildergalerie

Strippende Polizisten, tanzende Physiotherapeutinnen

Auch sprachlich und körperlich geht es ordentlich zur Sache. Da wird schon mal massiert - "bis zum Happy End" und bis es "hart wird". Da strippen brave hanseatische Polizisten, die eben noch einen Steuersünder festnehmen wollten. Und Jenny Klippel, die eben noch als Physiotherapeutin so erfolgreich bei ihrer männlichen Kundschaft war, legt einen atemberaubend gefährlichen wie erotischen Tanz in High Heels an der Pole-Dance-Stange hin. Das wurde - gerade auch vom älteren Stammpublikum - begeistert aufgenommen: "Das Ohnsorg-Theater geht neue Wege", hieß es. Und: "Das ist ja mal was ganz anderes - nichts fürs Abonnement, sondern auch für ein jüngeres Publikum." Das sei der kommende Bestseller am Haus, so das Fazit des gelungenen zweieinhalb-Stunden-Stücks. "'Diese Soul-Kitchen' gehört nach Hamburg", wie Bürgermeister Scholz strahlend bekannte.

"Soul Kitchen" feiert plattdeutsche Premiere

"Soul Kitchen" hat Premiere gefeiert - "op platt" am Hamburger Ohnsorg-Theater. Die musikalische Revue begeisterte die Zuschauer mit akrobatischen Einfällen und vielen skurillen Szenen.

Datum:
Ort:
Ohnsorg-Theater
Heidi-Kabel-Platz 1
20099  Hamburg
Telefon:
(040) 350 803 21
E-Mail:
service@eventris.eu
Preis:
Zwischen 13,50 und 29,00 Euro
Kartenverkauf:
Kasse: (040) 35 08 03 21
Hinweis:
Nach der Filmkomödie von Fatih Akin & Adam Bousdoukos
Plattdeutsche Erstaufführung
Plattdeutsch von Cornelia Ehlers
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