Stand: 29.03.2016 10:25 Uhr

Eine Nebenrolle für den Nieselregen

von Maren Ahring
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Im März 2016 ist der sechste Band der Krimireihe mit Staatsanwältin Chastity Riley erschienen: "Blaue Nacht".

Eine schräge Staatsanwältin, die mit einem ehemaligen Einbrecher zusammen ist, ein bunter Haufen Polizisten und das organisierte Verbrechen: Das sind - grob gesagt - die Zutaten für die Krimis von Simone Buchholz. Die Autorin hat bereits fünf Bände ihrer Reihe veröffentlicht. Nun hat Simone Buchholz einen neuen Band geschrieben. "Blaue Nacht" heißt der Krimi.

Simone Buchholz im Interview.

Simone Buchholz über ihren Krimi "Blaue Nacht"

Bücherjournal -

Der sechste Band um Staatsanwältin Chastity Riley wurde hochgelobt. Sie ist in Hamburg den harten Jungs auf der Spur. Außerdem erzählt Simone Buchholz, was sie selbst liest.

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Ein Fan des Hamburger Wetters

Wenn Simone Buchholz über das Hamburger Wetter redet, gerät sie ins Schwärmen: "Ich sage immer: Guck doch mal in den Himmel. Hier ist immer was los! Da sind immer Wind, Wolken, Möwen. Ich liebe das. Da muss man mal einen Knicks vor dem nordischen Wetter machen."

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Krimiautorin Simone Buchholz schaut gern in den Hamburger Himmel. Und es gibt noch viel zu erzählen.

Deshalb spielen Nieselregen, Wolken und Dunkelheit in ihren Krimis auch mehr als eine Nebenrolle. Schauplatz sind vor allem St. Pauli und der Kiez. Regionalkrimis schreibt sie aber trotzdem nicht: "Hamburg ist keine Region, sondern es ist eine Großstadt. Regionalkrimis sind für mich Eifel, Allgäu, Ostsee. Natürlich muss der Kram irgendwo spielen."

Gerade ist "Blaue Nacht" erschienen, der sechste Band der Reihe um die Staatsanwältin Chastity Riley, die ihren Namen dem amerikanischen Vater zu verdanken hat. Diese Figur zu beschreiben, fällt Simone Buchholz schwer: "Sie hat gar nicht viel mit mir zu tun, aber es ist immer, als müsste ich mich selbst beschreiben. Sie ist emotional gehandicapt. Sie wirkt härter, als sie ist. Sie ist schon so eine Art einsame Wölfin, obwohl das schon so ein Klischee ist, aber da gehört sie schön rein. Und sie trinkt leider zu viel und raucht zu viel, das muss man echt sagen. Ich mache mir immer ein bisschen Sorgen um sie."

Spezialität: überraschende Wortkreationen

Durch eine unüberlegte Aktion ist Riley bei der Staatsanwaltschaft aufs Abstellgleis geraten. Trotzdem kommt sie einer großen Geschichte auf die Spur: Die Hamburger Unterwelt erwartet eine Ladung Crystal Meth. "Mit Crystal Meth ist, glaube ich, unfassbar viel Geld zu verdienen, weil es in Tschechien superbillig produziert wird und wenn man es über Dresden, Leipzig über Berlin bis nach Hamburg schafft, dann hat man 200-prozentige Gewinnspannen. Das ist sehr attraktiv für das organisierte Verbrechen und ist aber natürlich was, was uns ganz konkret bedroht. Was immer das organisierte Verbrechen ist, die machen ihr großes Geschäft und man denkt, na ja, die können das doch machen, aber letztlich greift es immer ganz, ganz stark in unser Leben ein, ob das bei Immobilienpreisen ist oder bei synthetischen Drogen, die dann plötzlich auf dem Schulhof verkauft werden und man große Angst um seine Kinder haben muss."

Unglaublich abstoßend sei das organisierte Verbrechen und mindestens genauso interessant, sagt Simone Buchholz. Sie schreibt seit vielen Jahren über dieses Milieu, kennt sich aus, hat viel recherchiert. Das macht für den Leser einen Reiz aus - der andere: ihr Stil. Die 44-Jährige schreibt ungekünstelt, lakonisch und mit trockenem norddeutschem Humor. Ihre Spezialität: überraschende Wortkreationen. Zum Beispiel für jemanden, der nicht aus seiner Haut raus kann: "Kontakt-Dilettant". "Ich versuche immer, Plattitüden zu umgehen. Ich glaube, wenn man ein Wort liest, das man schon oft gehört hat, dann liest man das gar nicht mehr, dann fällt das irgendwie durch den Kopf und ist weg. Ich möchte, dass meine Leser ein bisschen stolpern und hängen bleiben."

Krimis voller Lokalkolorit

"Blaue Nacht" endet furios im Millerntor-Stadion. Da könnte man fast den Eindruck bekommen, das wäre jetzt der Schlusspunkt der Reihe:

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Buchholz' erster Kriminalroman "Revolverherz" mit der Hamburger Staatsanwältin erschien 2008.

"Nee. Das ist es hoffentlich, definitiv nicht", sagt Buchholz. "Ich hoffe, dass ich mir noch weitere Bände abringe, denn ich bin noch nicht fertig mit denen. Ich glaube, ich hätte Lust, es wieder ein bisschen kleiner zu machen. Also eher in zwischenmenschliche Geschichten zu gehen."

Vielleicht gibt es dann auch ein Wiedersehen mit Rileys großer Liebe, ihrem türkischstämmigen Kollegen Inceman, der nach einem Unfall abgetaucht ist: "Das fragen mich alle Frauen. Warum nur? Ich weiß es noch nicht. Ich kann es noch nicht sagen. Ich werde es so oft gefragt. Wahrscheinlich muss ich's einfach machen."

Wenn nicht - nicht schlimm. Denn Simone Buchholz’ Romane sind auch so ein Erlebnis: voller Lokalkolorit, mit packender Handlung und gut geschrieben. Unbedingt lesen!

Rückblick

Der Kiez als Inspirationsquelle

Chastity Riley ermittelt im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Dort lebt und schreibt auch ihre Erfinderin: Autorin Simone Buchholz. NDR.de besuchte sie schon einmal zu Beginn ihrer Hamburger Erfolgskrimiserie. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 29.03.2016 | 19:03 Uhr