Stand: 26.01.2017 14:14 Uhr

Klavier ohne Klavier

... do Lennie Tristano
von Tonegallery
Vorgestellt von Michael Laages
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"... do Lennie Tristano" ist bei Laika Records erschienen.

Für viele ist er wohl immer ein Rätsel geblieben: der Pianist Lennie Tristano (1919 bis 1978), blind, seit er zehn war, und in seinen letzten zehn Jahren nur noch als Jazzlehrer tätig. 1947 zum Jazzmusiker des Jahres ernannt, entwarf er vertrackte rhythmisch-harmonische Verrückungen zu flirrenden melodischen Linien weit über die Grenzen des Bebop hinaus.  Für manch einen war er der Gründervater des modischen "Cool Jazz" der 50er Jahre, erschien gar als Ahnherr des Free Jazz. Wirklich erfolgreich aber war dieser Sonderling aus Chicago nie. Den großen Unbekannten seiner Epoche würdigt nun nicht etwa ein Pianist, sondern Saxofonist Steffen Weber, Leiter des "Tonegallery"-Quartetts.

Zeitgenössischer Sound

Weber ist aufs Beste vertraut mit der Kunst des Arrangements, er gehört seit einigen Jahren zur Bigband vom Hessischen Rundfunk (HR). Tristanos ellenlange Ton-Girlanden hat er für das eigene Instrument arrangiert, und ihm gegenüber spielt der Gitarrist Bastian Ruppert. Tristano experimentierte mit in sich selber verschlungenen Konzert-Miniaturen. Diesem Sound spürt Steffen Weber nach, entwickelt aber sein eigenes Profil. Neben Weber und Ruppert bewähren sich hierbei auch der Bassroutinier Thomas Stabenow und Schlagzeuger Holger Nesweda. Im finalen Livetitel stoßen Axel Schlosser (auch aus der HR Bigband) und Olaf Polziehn hinzu – und der spielt tatsächlich Klavier. Tristanos Eigenheiten aber, das zeigt die Laika-Produktion aus Bremen, ist tatsächlich auch ohne Flügel zu entschlüsseln.

... do Lennie Tristano

Genre:
Jazz
Label:
Laika Records
Veröffentlichungsdatum:
20.01.2017
Preis:
16,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Play Jazz! | 30.01.2017 | 22:05 Uhr