AKTUELLES AUS DER REGION
Geschichte
Gedenkstein an die Ofer des Holocaust auf dem Jüdischen Friedhof in Rostock. © dpa Fotograf: Bernd Wüstneck
 

Holocaust - Das beispiellose Verbrechen

Mehr als sechs Millionen Juden wurden während der NS-Zeit ermordet. mehr

Weitere Gedenkstätten
Gedenkstein am ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen mit der Aufschrift "Bergen-Belsen 1940 bis 1945" © Stiftung niedersächsische Gedenkstätten/Gedenkstätte Bergen-Belsen
 

Bergen-Belsen: Erinnerung und Mahnung

Eine Gedenkstätte erinnert an die Opfer des Konzentrationslagers. mehr


Ein stiller Ort der Erinnerung

Rundgang durch die Gedenkstätte für die Häftlinge der NS-Lager im Emsland. mehr


Stätte des Erinnerns in Ladelund

Die älteste KZ-Gedenkstätte Schleswig-Holsteins. mehr

 

Die KZ-Gedenkstätte Hamburg-Neuengamme

Gedenktafel an der Außenmauer der Gedenkstätte Neuengamme. © dpa Fotograf: Daniel Reinhardt Detailansicht des Bildes Ein Mahnmal, Gedenktafeln und mehrere Ausstellungen erinnern an die Opfer des KZ. Mit mehr als 100.000 Häftlingen war das Konzentrationslager Hamburg-Neuengamme das größte seiner Art im Nordwestdeutschland. Etwa die Hälfte von ihnen überlebte die qualvolle Gefangenschaft nicht oder wurde ermordet. Seit 2005 erinnert eine Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen KZ an die Leiden der Inhaftierten. Neben einem Gedenkbereich mit Mahnmal gliedert sich die Anlage in mehrere Dauerausstellungen. Im Mittelpunkt steht die Schau "Zeitspuren: Das Konzentrationslager Neuengamme 1938-1945 und seine Nachgeschichte" in einem ehemaligen Häftlingsblock.

Reportage

Eine jüdische Kindheit unterm Hakenkreuz

Steffi Wittenberg erlebte in ihrer Kindheit in Hamburg die Repressalien gegen Juden am eigenen Leib. Heute erzählt sie Schulklassen davon, um die Erinnerung wachzuhalten. mehr

Außerdem erwarten die Besucher drei ergänzende Ausstellungen - eine über die Lager-SS sowie zwei zum Thema KZ-Zwangsarbeit in der Rüstungs- und in der Ziegelproduktion. Drei Rundwege erschließen das weitläufige Gelände und führen zu historischen Gebäuden und Anlagen wie der Klinkerfabrik und den Überesten des Arrestbunkers.

Langer Weg zur Gedenkstätte

Das Außengelände der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.  Detailansicht des Bildes Große Flächen mit Bruchsteinen symbolisieren die Baracken des Lagers. Nach Kriegsende internierten die Briten NS-Funktionsträger in dem intakt vorgefundenen Lager. Ab 1948 nutzte die Hamburger Justizbehörde die Gebäude als Gefängnis. Die Erinnerungen an das KZ wurden verdrängt. Statt eine Gedenkstätte zu errichten, baute die Stadt Hamburg immer mehr Zeugnisse des Schreckens wie Wachtürme, Zäune und Krematorien ab. Ende der 60er-Jahre entstand auf dem Gelände ein weiteres Gefängnis. Erst 1965 wurde am Rande des Geländes ein Mahnmal für die KZ-Opfer eingeweiht, 1981 kam ein kleines Dokumentenhaus dazu. Nach jahrelangen Diskussionen wurde eines der Gefängnisse im Juni 2003 verlegt und die Gebäude bis 2005 zu einer Gedenkstätte umgebaut. Als 2006 auch das zweite Gefängnis schloss, konnte sie 2007 erweitert werden.

Hamburg damals
Wachturm und Mauer in der KZ-Gedenkstätte Hamburg-Neuengamme. © dpa Fotograf: Maurizio Gambarini
 
Video

Neuengamme gestern und heute

NDR Fernsehen: Hamburg Journal

Es hat viele Jahre gedauert, bis im ehemaligen KZ Neuengamme eine Gedenkstätte eingerichtet wurde. Fotos dokumentieren, wie das Gelände vor dem Umbau aussah.

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Fast jeder zweite Häftling starb

Mindestens 42.000 der insgesamt mehr als 100.000 Häftlinge haben das Konzentrationslager nicht überlebt. Noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges starben zahlreiche Menschen: Am 20. April 1945 erhängten SS-Leute 20 jüdische Kinder, an denen medizinische Experimente vorgenommen worden waren. Zwischen dem 21. und 23. April wurden 13 Frauen und 58 Männer wegen Widerstands gegen die Nazis hingerichtet. Am 3. Mai, dem Tag der Kapitulation Hamburgs, kamen rund 7.000 KZ-Häftlinge auf Schiffen in der Neustädter Bucht bei britischen Bombardements ums Leben. Die Nazis hatten die Häftlinge aus Neuengamme wegbringen lassen, um ihre Verbrechen zu vertuschen. Als britische Soldaten am 4. Mai das KZ-Gelände betraten, fanden sie es leer vor.

"Ein Anblick, den ich nie vergessen werde"

"Ich habe die Leichenberge gesehen, nackte Kadaver, einer auf den anderen gestapelt. So lang wie ein Block, wie ein Gebäude. Sie haben den Blick auf mich gerichtet, die Augen groß geöffnet, den Mund groß geöffnet, ein Anblick, den ich nie vergessen werde." Raymond Gourlin, Schriftsetzer aus Frankreich, der als junger Mann im KZ Neuengamme inhaftiert war, in der NDR Dokumentation "Geraubte Leben: Europa im KZ Neuengamme".

Größtes Lager in Nordwestdeutschland

Das ehemalige Klinkerwerk Neuengamme. © picture-alliance/dpa Fotograf: Soeren Stache Detailansicht des Bildes In diesem Klinkerwerk mussten viele der Häftlinge Zwangsarbeit verrichten. Zunächst als Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen (Brandenburg) angelegt, wurde das rund 70 Hektar große Gelände des KZ Neuengamme 1940 selbstständig und mit 86 Außenstellen das größte nordwestdeutsche Lager. So mussten Gefangene in Bremen und Wilhelmshaven für die Kriegsmarine Schiffe bauen. Auf dem Lagergelände selbst schufteten viele Häftlinge im Klinkerwerk. Andere wurden in der Rüstungsindustrie eingesetzt, mussten Trümmer von Bombenschäden wegräumen oder Panzerschutzgräben bauen.

Bordell für Häftlinge

1944 lässt die SS im Neuengammer Hauptlager eine Sonderbaracke bauen - ein Häftlingsbordell. Sogenannte "arische" Kapos und Lagerälteste (Häftlinge, die als Helfer der Lagerleitung arbeiteten) dürfen es aufsuchen, wenn sie einen entsprechenden Antrag gestellt haben. Die zehn Zwangsprostituierten tragen den schwarzen Winkel. In der Symbolik der Nationalsozialisten bedeutet dies: asozial. Zwei Stunden lang müssen die Frauen jeden Abend den ausgewählten Häftlingen zur Verfügung stehen.

Die geringsten Überlebenschancen hatten Gefangene, die im sogenannten "Kommando Elbe" eingesetzt wurden. Um die Dove-Elbe schiffbar zu machen, müssen die KZ-Häftlinge das Gewässer ausheben und einen Stichkanal zum Lager bauen. Ab 1941 kam die Mehrheit der Häftlinge aus den besetzten Ländern. Zunächst bildeten die polnischen, ab 1942 die sowjetischen Häftlinge die größte Gruppe. Mehr als die Hälfte der Gefangenen kam aus Osteuropa, große Gruppen aber auch aus Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Dänemark.

Am 1. September 1942 übernahm SS-Sturmbannführer Max Pauly das Kommando des KZ Neuengamme. Unter seiner Leitung wurden 448 sowjetische Kriegsgefangene gezielt ermordet, im Arrestbunker mit Zyklon B vergast.

Erinnerungsstätten Bullenhuser Damm, Fuhlsbüttel und Poppenbüttel

In der Gedenkstätte Bullenhuser Damm schildert ein Text das Schicksal von Eduard Reichenbaum © NDR.de Fotograf: Marc-Oliver Rehrmann Detailansicht des Bildes In der Gedenkstätte Bullenhuser Damm erinnert je ein Koffer an die getöteten Kinder. Neben der zentralen Gedenkstätte in Neuengamme erinnern drei weitere in ehemaligen Außenstellen an die Opfer des NS-Regimes: Bullenhuser Damm, Fuhls- und Poppenbüttel. Die Schule am Bullenhuser Damm ist ein Ort mit besonders tragischer Geschichte: Dort wurden jüdische Kinder, die zuvor für medizinische Experimente missbraucht worden waren, ermordet und sowjetische Häftlinge erschossen. Eine Ausstellung und ein Rosengarten laden zum Gedenken ein. Im ehemaligen Eingangsbereich der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel können sich Besucher in einer Ausstellung über das Schicksal der Häftlinge informieren. Die Gedenkstätte Plattenhaus Poppenbüttel dokumentiert die Zerstörung jüdischen Lebens in der Hansestadt und die Verfolgung von Frauen im Nationalsozialismus.

Zeitzeuge
Der Holocaust-Überlebende Jitzhak Reichenbaum während eines Besuches in Hamburg © NDR.de Fotograf: Marc-Oliver Rehrmann
 

"Die SS ermordete meinen Bruder"

Jitzhak Reichenbaum reist jedes Jahr im April von Israel nach Hamburg, um an seinen kleinen Bruder zu erinnern. Dieser wurde 1945 von SS-Männern in der Schule am Bullenhuser Damm ermordet. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Geraubte Leben: Europa im KZ Neuengamme / 09.11.2013 / 13:30 Uhr

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Service

Adressen

KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Jean-Dolidier-Weg 75
21039 Hamburg
Tel. (040) 428 13 15 00
(S-Bahnhof Bergedorf, anschließend Bus 227, 327)

Öffnungszeiten der Ausstellungen
Mo bis Fr: 9.30 - 16 Uhr
So, So, Feiertage:
April bis September: 12 - 19 Uhr
Oktober bis März: 12 - 17 Uhr
Eintritt frei
Das Außengelände ist stets zugänglich.

Gedenkstätte Bullenhuser Damm
Bullenhuser Damm 92
20539 Hamburg
(S-Bahnhof Rothenburgsort, S2, S21)
Öffnungszeiten:
So 10 - 17 Uhr und nach Vereinbarung
Eintritt frei

Gedenkstätte Fuhlsbüttel
Suhrenkamp 98
22335 Hamburg
(S/U-Bahnhof Ohlsdorf, S1/U1)
Öffnungszeiten:
So 10 - 17 Uhr und nach Vereinbarung
Eintritt frei

Gedenkstätte Poppenbüttel
Kritenbarg 8
22391 Hamburg
(S-Bahnhof Poppenbüttel, S1)
Öffnungszeiten:
So 10 - 17 Uhr und nach Vereinbarung
Eintritt frei

Hintergrund
Loren und Klinkerwerk auf dem Gelände des KZ Neuengamme (1944). © dpa Fotograf: Kz-Gedenkstätte_Neuengamme
 

Die Briten finden das Lager leer vor

Die Nazis wollten alle Spuren verwischen. mehr


KZ-Gedenkstätte neu eröffnet

60 Jahre nach der Befreiung gibt es eine neue Gedenkstätte. (Meldung vom 4. Mai 2005). mehr

Links

Die Gedenkstätte informiert über die Geschichte des Lagers sowie über Forschungsergebnisse und Ausstellungen.

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Hier finden Sie Informationen zur Ausstellung und den Öffnungszeiten.

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