Stand: 11.10.2017 16:30 Uhr

Prinz Andrew - Der royale Kriegsheld

von Oliver Klebb

Ein Liebling des Volkes ist Prinz Andrew, zweitgeborener Sohn von Königin Elizabeth II. und Prinzgemahl Philip, wahrhaftig nicht. Immer wieder wird der Herzog von York zur Zielscheibe des Spottes seiner Landsleute, die ihm für Fehltritte gemeine Spitznamen geben: Wegen seiner Leidenschaft für nicht ganz standesgemäße Damen, die er bereits in jungen Jahren bei nächtlichen Besuchen der Mädchenschlafzimmer im Internat Gordonstoun gezeigt haben soll, heißt der Royal lange Zeit schlichtweg "Randy Andy" (auf Deutsch: der liebestolle Andy). Die amourösen Abenteuer des blaublütigen Playboys sorgen immer wieder für Schlagzeilen in der Klatschpresse.

Stationen im Leben des Herzogs von York

Botschafter der britischen Wirtschaft 

Obwohl seine Jugendsünden lange zurückliegen, machen sich die Briten auch noch in jüngster Vergangenheit gern über Prinz Andrew lustig. Als Sonderbotschafter der britischen Wirtschaft reist er zwischen 2001 und 2011 unermüdlich mit dem Flugzeug um den Globus, was ihm seinen zweiten Spitznamen "Airmiles Andy" einbringt. Dabei soll er Presseberichten zufolge auch das eine oder andere Mal eher privat hoch über den Wolken unterwegs gewesen sein. Auch die Arbeit des royalen Lobbyisten, für die der britische Staat tief ins Steuersäckel greifen muss, passt vielen gar nicht: Sein leidenschaftliches Plädoyer für satte Bonuszahlungen an Bankmanager mitten in der globalen Finanzkrise tragen nicht gerade zur Steigerung seiner Popularität bei.

Rücktritt nach öffentlicher Kritik

Unter anderem wegen seiner Kontakte zum Gaddafi-Sohn Saif und zum Schwiegersohn des gestürzten tunesischen Präsidenten Ben Ali, Sacher el Materi, sowie privater Geschäfte mit dem kasachischen Oligarchen Timur Kulibayew gerät Prinz Andrew als Botschafter der britischen Wirtschaft in der Presse zunehmend unter Druck. Für Empörung sorgt auch der Besuch einer Party bei dem New Yorker Industriellen Jeffrey Epstein anlässlich von dessen Haftentlassung. Wegen Missbrauchsvorwürfen von 24 minderjährigen Mädchen hatte Epstein 18 Monate im Gefängnis gesessen. Der Industrielle soll eine von ihnen als "Sexsklavin" an Geschäftspartner "verliehen" haben. Diese sei im Alter von 17 Jahren auch zum Sex mit Prinz Andrew gezwungen worden. Der Sohn der Queen hat die Vorwürfe, die sogar im Jahr 2015 in Verfahrensakten eines US-Gerichts auftauchten, stets vehement zurückgewiesen.

Epstein soll zudem Schulden für Andrews Ex-Frau Sarah Ferguson beglichen haben und bei einem Besuch mit seinem Privatjet auf einem britischen Militärflughafen gelandet sein. Laut Berichten des "Independent" und der "Times" soll Andrew zudem Waffenlieferungen in den Jemen eingefädelt haben. Der britische Abgeordnete Chrys Bryant fordert daraufhin Prinz Andrews Rücktritt als Handelsattaché. Ende Juli 2011 zieht Prinz Andrew schließlich Konsequenzen und tritt offiziell von seinem Amt zurück.

Kindheit und Ausbildung 

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Karriere-Start: Der Leiter des Royal Naval College in Dartmouth begrüßt den 19-jährigen Kadetten Prinz Andrew.

Prinz Andrew kommt am 19. Februar 1960 im Londoner Buckingham Palace zur Welt. Bereits als Vierjähriger beginnt seine Schulausbildung - zunächst daheim durch seine Erzieherin, später durch Privatlehrer. Im Alter von acht Jahren beginnt dann mit der Einschulung in der Heatherdown Preparatory School der Ernst des Lebens. Mit 13 Jahren tritt er schließlich in die Fußstapfen seines Bruders, Prinz Charles, und seines Vaters, Prinz Philip: Als Schüler des Gordonstoun-Internats wird Andrew in Schottland mit hartem Erziehungsdrill auf seine zukünftige Rolle vorbereitet. Zwischen 1977 und 1979 vertieft er seine Sprachkenntnisse auf Schulen in Kanada und Frankreich bis er schließlich in das College der Royal Navy in Dartmouth eintritt und seine Karriere als Berufssoldat startet. Die Pilotenausbildung beendet Prinz Andrew 1981 als Bester seines Jahrgangs.

Offizier und Pilot der Royal Navy

Steckbrief

Name: Andrew Albert Christian Edward Mountbatten-Windsor
Titel: Herzog von York
Geburtstag: 19. Februar 1960
Geburtsort: London
Ehefrau: Sarah Ferguson
Kinder: Beatrice, Eugenie
Sternzeichen: Wassermann
Kontakt: Website, Twitter, Facebook

Als Hubschrauber-Pilot rettet Andrew zunächst Schiffbrüchige im Nordatlantik. Den lange vermissten Respekt der Briten verdient sich der Prinz jedoch 1982 im Falkland-Krieg: Auf ausdrücklichen Wunsch der Queen fliegt Andrew als Pilot des Flugzeugträgers HMS Invincible Einsätze gegen argentinische Verbände und setzt wie jeder andere britische Soldat dabei sein Leben aufs Spiel. 1984 dann die Beförderung: Andrew wird zum Leutnant und persönlichen Adjutanten der Queen ernannt. Bis 1997 dient Andrew danach in der Royal Navy unter anderem als Piloten-Ausbilder, als Offizier auf einem Zerstörer, als Kommandant eines Minenräumbootes sowie als Kommandeur eines Hubschrauber-Geschwaders. 1997 quittiert Prinz Andrew seine aktive Soldatenlaufbahn und arbeitet bis zum Jahr 2001 im britischen Verteidigungsministerium. Seinen aktiven Militärdienst beendet Prinz Andrew im Rang eines Fregattenkapitäns. 

Sarah Ferguson - Nur eine gute Freundin?

Porträt

"Fergie": Herzogin mit Hang zum Exzess

Sarah Ferguson ist eine Frau, die das Leben liebt. Mit ihrer Rolle am britischen Hof kann sie sich nicht arrangieren. Trotz Scheidung ist "Fergie" weiterhin eng mit Prinz Andrew befreundet. mehr

Mit der Heirat von Sarah Ferguson am 23. Juli 1986 lässt Prinz Andrew seine wilden Jahre hinter sich und gerät privat in ruhigeres Fahrwasser. Doch das Glück mit der temperamentvollen Rothaarigen soll nicht von Dauer sein. Im Frühjahr 1992 gibt der Buckingham Palace die Trennung des Traumpaares bekannt. Mit einem Seitensprung soll "Fergie" das Beziehungsaus besiegelt haben. Nach fast zehn Jahren Ehe lassen sich Prinz Andrew und Sarah schließlich 1996 scheiden. Aus der Verbindung gehen die Töchter Beatrice und Eugenie hervor. Doch offensichtlich konnte auch der Scheidungsrichter den Bund fürs Leben des einstigen Musterpaares niemals ganz auflösen. Die beiden leben als "beste Freunde" lange unter einem Dach und fahren mit ihren Töchtern gemeinsam in den Urlaub. Mittlerweile lebt Fergie aber in der Schweiz - ohne Andrew.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Royalty | 25.12.2016 | 19:10 Uhr