NaturNah: Kälbchen, Kühe und kein Feierabend

Dienstag, 15. August 2017, 18:15 bis 18:45 Uhr
Donnerstag, 17. August 2017, 11:30 bis 12:00 Uhr

Zottig und robust: Die schottischen Galloways halten auch dem rauen Wetter in Vorpommern stand. © NDR/Hanse TV, honorarfrei

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Tierarzt Dietrich von Bomhard hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, dass seine Tiere gesund und vor allem glücklich sein sollen. Auf seinem Hof am Mühlenbach in Lodmannshagen zwischen Greifswald und Usedom ermöglicht er Schweinen, Schafen, Hühnern und Ziegen ein langes Leben in größtmöglicher Freiheit. Seine große Liebe sind die 400 schottischen Galloways, die auf seinen riesigen Weideflächen ganzjährig draußen sind. Hier schließen die robusten Rinder Freundschaften untereinander, bringen ihre Kälber zur Welt und ziehen sie gemeinschaftlich groß.

Von der Wiege bis zu Bahre

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Zottig und robust: Die schottischen Galloways halten auch dem rauen Wetter in Vorpommern stand.

Dietrich von Bomhard weiß, dass die Menschen nicht aufhören werden, Fleisch zu essen. Deshalb hat er sich für einen seiner Meinung nach besten Mittelweg entschieden: Er will ein naturnahes und vor allem langes Leben für seine Nutztiere. Alle Galloways werden auf seinem Hof geboren und bleiben dort bis zum Tod, von der Wiege bis zu Bahre. Im Frühsommer kommen die Bullen auf die Weide, gut neun Monate später beginnt in Lodmannshagen die Kälbchenzeit. Über 100 Kälber sind es in diesem Jahr, die im ostvorpommerschen Idyll geboren und aufgezogen werden. Bis zu zehn Monate lang bleiben sie bei ihren Müttern, auch Kuh-Tanten und -Cousinen passen auf den Nachwuchs auf.

Freiheit ist gefährlich

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Alle Kälber werden unter freiem Himmel geboren und bleiben bis zu 10 Monaten bei ihren Müttern.

Doch die naturnahe Freilandhaltung birgt Gefahren, vor allem, wenn der Frühling zu lange auf sich warten lässt. Nasskaltes Wetter und eine schwere Durchfallepidemie schwächen die neugeborenen Kälber. Ein täglicher Kampf für Dietrich von Bomhard und Sohn Marius: Rund um die Uhr sind sie auf den Weiden unterwegs, um die Neugeborenen mit Decken und Vitaminen zu versorgen, denn jedes Kälbchen, jedes Leben zählt.

Tierschutz und Wirtschaftlichkeit

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Ab Mitte März werden die ersten Galloway-Kälber in Lodmannshagen geboren.

Der Kampf um jedes Kalb, ein langes Leben für die Rinder und nicht zuletzt die eigene Futterherstellung; am Ende muss sich das auch rechnen. Für Dietrich von Bomhard ist seine Tierhaltung oft ein Balanceakt zwischen Tierschutz und Wirtschaftlichkeit. Nur durch eine direkte Vermarktung kann er mit den Preisen an der Fleischtheke mithalten. So will er zeigen, dass Tierwohl überall möglich ist, und ein bewusstes Zeichen setzen gegen eine konventionelle Haltung.

Redaktion
Christina Walther
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
Autor/in
Carolin Kock