Stand: 01.07.2016 13:36 Uhr

Die Geschichte des WOA

Vor mehr als einem Vierteljahrhundert wurde auf dem sehr flachen Land im Westen Schleswig-Holsteins ein Grundstein gelegt: Erstmals sorgten dort Rock- und Heavy-Metal-Bands beim Wacken Open Air für eine Soundkulisse jenseits von Kirchenglocken und Treckermotoren.

The Early Years - Das Wacken Open Air 1990

Ein Ende der ländlichen Tristesse

Im Ort leben mehr Kühe als junge Leute, der Jahrmarkt gilt als aufregendes Ereignis: Wacken in der Nähe des Nord-Ostsee-Kanals ist ein Dorf wie viele andere in der norddeutschen Provinz: Ein beschauliches 1.800-Seelen-Nest im Grünen mit viel Himmel. Beim besten Willen kein Sammelbecken für Anhänger harter Rockmusik. Bis 1990 eine Hand voll Hardrock- und Metal-Fans, unter ihnen Thomas Jensen und Holger Hübner, mit einem kleinen improvisierten Open-Air-Festival der herrschenden Tristesse ein Ende bereiten wollen.

Bier-Laune und Pleite-Kneipen

Der Platz ist schnell gefunden, die Wahl fällt auf eine unscheinbare Sandkuhle unweit des Dorfes. Am 24. und 25. August 1990 treten insgesamt sechs Bands auf, in einer spielt Thomas Jensen Bass. Jensen, Jahrgang 1966, ist bis heute Mitveranstalter. In einem dpa-Interview berichtet er von den bescheidenen Anfängen: "Das Festival entstand aus einer Bier-Laune heraus. Ich trat mit meiner Band Skyline immer in irgendwelchen Pleite-Kneipen auf, und Holger (Hübner) legte im Anschluss als DJ auf. Irgendwann hatten wir die Idee, ein Open-Air-Konzert zu organisieren."

Die Gruppen versprühen damals durchweg Lokalkolorit, der Eintrittspreis liegt bei kumpeligen zwölf Mark - offenbar eine gelungene Mischung, denn rund 800 Besucher finden im ersten offiziellen Jahr ihren Weg in die Sandkuhle bei Wacken. Jensen erinnert sich an die Zwanglosigkeit dieser Zeit: "Ich spielte mit meiner Band, zapfte nebenbei Bier und konnte die Einnahmen noch in meine Hosentasche stecken."

1993 - das Beinahe-Ende

Die Veranstalter machen weiter unter dem Namen "Stoned Castle Rock Promotion"; der auch bereits beim ersten Open Air verwendete Name ist ein Verweis auf den Landkreis Steinburg, in dem Wacken liegt. Alle helfen mit, auch die Eltern. Das Festival wächst: 1.300 Fans erscheinen im Jahr 1991, der Eintritt beträgt 15 Mark, die Bands sind immer noch relativ unbekannt. 1992 dann eine deutliche Steigerung: Mit dem legendären britischen Heavy-Metal-Urgestein Saxon können Jensen und seine Mitstreiter einen wahren Publikumsmagneten verpflichten. Insgesamt spielen auf zwei Bühnen 20 Gruppen - das macht sich zwar im Eintrittspreis bemerkbar, aber die verlangten 35 Mark schrecken rund 3.500 Besucher nicht von der Reise nach Wacken ab.

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Festivalplakat aus dem Schicksalsjahr 1993

1993 dann der Rückschlag: Ein Todesfall in der Familie Jensen erschwert die Planung des Festivals. Außerdem erleidet Holger Hübner einen schweren Verkehrsunfall. Vom Krankenhaus aus bucht er die Bands, allen voran die US-Power-Metaller Fates Warning, die ihren einzigen Europa-Auftritt dieses Jahres in Wacken spielen sollen. Das erscheint vielen Metal-Fans doch eher unrealistisch. So bleiben viele zu Hause oder auf dem Festival-Zeltplatz, wo kein Eintritt bezahlt werden muss. Letztlich kommen die Veranstalter auf nicht mal 4.000 zahlende Gäste, also keine nennenswerte Steigerung im Vergleich zum Vorjahr - was von den Kosten nicht behauptet werden kann. Wacken 1993 endet im finanziellen Debakel, die Zahl hinter dem Minus ist sechsstellig.

Dieses Thema im Programm:

06.08.2016 | 00:00 Uhr

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